Diplomarbeit, 2008
107 Seiten, Note: 1,7
1 Was bedeutet Trauer?
1.1 Trauer ist Verlust
1.1.1 Trauerphasen nach Verena Kast
1.1.2 Trauerphasen- Modell nach John Bowlby
1.1.3 Die Phasen der Trauerarbeit nach Yorick Spiegel
1.2 Trauerreaktionen
1.2.1 unkompliziertes (normales) Trauern
1.2.2 kompliziertes (pathologisches) Trauern
2 Trauern Kinder anders?
2.1 Faktoren für die Art der Trauer
2.2 Todesverständnis bei Kindern und Jugendlichen
2.3 Todesverständnis anhand verschiedener entwicklungspsychologischer Modelle
2.3.1 Bindungstheorie nach J. Bowlby und M. Ainsworth
2.3.2 Das Entwicklungsmodell nach Jean Piaget – Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit
2.3.3 Babys/ Kleinkinder zwischen 12 Monaten und 3 Jahren
2.3.4 Vorschulkinder (3 bis 5 Jahre)
2.3.5 Grundschulkinder (6 bis 10 Jahre)
2.3.6 Heranwachsende/Jugendliche ab 11 Jahre
3 Der Verlust in der Kindheit als traumatisches Erlebnis
3.1 Was bedeutet „Trauma“?
3.1.1 Definition der Traumatisierungen und der reaktiven psychischen Störungen
3.1.2 Trauerfälle und psychiatrische Störungen
3.1.3 Verlust der Mutter als traumatisches Ereignis
3.1.4 Verlust des Vaters als traumatisches Ereignis
3.1.5 Verlust von Geschwistern als traumatisches Erlebnis
4 Trauerrituale aus historischer Sicht
4.1 Trauerrituale
4.1.1 Trauerrituale in der Antike und im Mittelalter
4.1.2 Trauerrituale ab dem 19. Jahrhundert
4.1.3 Trauerrituale in verschiedenen Religionen
4.1.4 Trauerrituale in der Gegenwart
4.2 Die Trauerfeier und Bestattung
5 Methoden und Aufgaben der Sozialen Arbeit bei der Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen
5.1 Trauerberatung
5.1.1 Worauf muss ein Trauerberater achten?
5.2 Arbeit mit Ritualen - Bedeutung und Funktion
5.2.1 Einsatz von Ritualen zur Trauerbegleitung
5.2.1.1 Abschiedsrituale
5.2.1.2 Erinnerungsrituale
5.3 Die Unterstützung der Trauerbewältigung durch Entspannungsübungen
5.3.1 Autogenes Training
5.3.2 Imaginationen
5.4 Kindertrauergruppen
5.5 Kunst und Musik als Hilfe bei der Trauerarbeit
5.5.1 Kinder- und Jugendliteratur bei der Trauerbewältigung
5.5.1.1 Die Arbeit mit Märchen
Ziel dieser Arbeit ist es darzustellen, wie Kinder in verschiedenen Entwicklungsstufen auf den Verlust eines geliebten Menschen reagieren, welche Faktoren diese Reaktionen beeinflussen und welche Möglichkeiten der Begleitung, Hilfe und Unterstützung durch die Soziale Arbeit bestehen.
3.1.3 Verlust der Mutter als traumatisches Ereignis
Das Kleinkind zwischen 12 Monaten bis zu 3 Jahren wird bei Verlust der Mutter in der ersten Reaktion als Protest durch lautes Schreien, am Bett rüttelnd und sich hin- und her werfend, reagieren. Außerdem hat das Kind das dringliche Bestreben, mit der abwesenden Mutter wieder zusammen zu kommen. Deshalb beobachtet es intensiv Bewegungen oder Geräusche, welche die Rückkehr der Mutter anzeigen können. Dieses Verhalten kann etwa eine Woche, mit Intensitätsschwankungen, anhalten. Das Kind wird durch Hoffnung und Erwartung angefeuert. Kommt die Mutter nach dieser Zeit nicht wieder, so wird dann Verzweiflung beim Kind einsetzen, dabei bleibt aber die Sehnsucht gleich groß. Danach schwindet die Hoffnung auf Rückkehr der Mutter, das Schreien hört allmählich auf, das Kind wird apathisch und zieht sich zurück.
Bowlby sagt dazu: „Wenn ein Kind in diesem Alter, wo es so Besitz ergreifend und leidenschaftlich an seine Mutter gebunden ist, ihre Pflege entbehren muss, ist es in der Tat so, als ob seine ganze Welt vernichtet wäre. Sein intensives Bedürfnis nach ihr ist unbefriedigt, und seine Frustration und seine Sehnsucht können es vor Kummer wahnsinnig machen. Es bedarf einer regen Phantasie, sich das Ausmaß dieser Qual vorzustellen. Das Kind ist ebenso überwältigt wie ein Erwachsener, dem der Tod einen geliebten Menschen geraubt hat. Für das zweijährige Kind mit seinem Mangel an Verständnis und seiner vollkommenen Unfähigkeit, Frustrationen zu ertragen, ist es wirklich so, als ob seine Mutter gestorben sei. Es hat kein Bewusstsein von Tod, sondern nur von Abwesenheit; und wenn die einzige Person, die sein dringendes Bedürfnis befriedigen kann, abwesend ist, könnte sie auch ebenso gut tot sein, so überwältigend ist sein Gefühl von Verlust.“ Hierbei geht Bowlby davon aus, dass die Mutter die wichtigste Bindungsperson des Kindes sei, was in der Regel auch der Fall ist.
1 Was bedeutet Trauer?: Dieses Kapitel definiert Trauer als eine adäquate emotionale Reaktion auf Verlust, erläutert verschiedene Phasenmodelle (Kast, Bowlby, Spiegel) und unterscheidet zwischen unkomplizierten und komplizierten Trauerreaktionen.
2 Trauern Kinder anders?: Hier wird untersucht, wie sich das Todesverständnis von Kindern altersabhängig entwickelt und inwiefern Bindungsstile die kindliche Trauer beeinflussen.
3 Der Verlust in der Kindheit als traumatisches Erlebnis: Dieses Kapitel beleuchtet den Verlust von Bezugspersonen als potenziell traumatisches Ereignis und definiert entsprechende psychische Belastungsstörungen.
4 Trauerrituale aus historischer Sicht: Der Wandel von Trauerritualen über die Jahrhunderte wird dargestellt, inklusive moderner Bestattungsformen und der Bedeutung von Ritualen in verschiedenen Religionen.
5 Methoden und Aufgaben der Sozialen Arbeit bei der Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen: Das abschließende Kapitel stellt konkrete Beratungsansätze sowie Methoden wie Entspannungsübungen, Kindertrauergruppen und künstlerische Ausdrucksformen vor.
Trauerarbeit, Kinder, Jugendliche, Sozialarbeit, Verlust, Bindungstheorie, Trauma, Trauerphasen, Rituale, Trauerberatung, Todesverständnis, Trauerbegleitung, Bewältigungsstrategien, Entwicklungspsychologie, Kindheit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Trauer von Kindern und Jugendlichen nach dem Verlust von nahestehenden Personen und wie diese in verschiedenen Altersstufen erlebt und verarbeitet wird.
Im Fokus stehen die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Kindern, die Auswirkungen früher Verluste auf die Psyche sowie die Möglichkeiten der professionellen Trauerbegleitung durch soziale Arbeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder unterschiedlich auf Verlust reagieren und welche Unterstützung sie benötigen, um diesen Prozess gesund zu bewältigen und Folgestörungen zu vermeiden.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth sowie die entwicklungspsychologischen Stadien nach Jean Piaget.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Trauer und Trauma, dem kindlichen Todesverständnis, historischen und gegenwärtigen Bestattungsriten sowie konkreten Methoden für Trauerberater.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Trauerarbeit, Bindungstheorie, Trauerbegleitung, Kindertrauergruppen und Trauma charakterisiert.
Laut der Bindungstheorie ist die Mutter (oder eine primäre Hauptpflegeperson) das „Herz der Familie“. Der Verlust dieser Bezugsperson wird vom Kleinkind als Vernichtung seiner ganzen Welt empfunden, da es noch keine kognitive Reife zur Verarbeitung besitzt.
Die Arbeit mit Gefühlsbändern dient der Externalisierung von komplexen Emotionen. Da Kindern oft die sprachliche Ausdrucksfähigkeit fehlt, hilft diese Methode, Gefühle handhabbar zu machen und Veränderungen im Trauerprozess sichtbar zu machen.
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