Bachelorarbeit, 2023
52 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Grenzen
2.1 Gesellschaftliche Grenzen
2.1.1 Soziokulturelle Grenzen
2.1.2 Wirtschaftliche Grenzen
2.1.3 Moralische Grenzen
2.1.4 Ideologische Grenzen
2.2 Religiöse Grenzen
2.3 Wissenschaftliche Grenzen
2.4 Literarische Grenzen
3. Textanalytischer Hauptteil: Grenzüberschreiter in Goethes Faust I und Faust II
3.1 Charaktere als Grenzüberschreiter
3.1.1 Faust
3.1.2 Mephistopheles
3.1.3 Wagner
3.1.4 Der Kaiser
3.1.5 Homunculus
3.1.6 Gretchen
3.2 ,Faust‘ als literarische Grenzverletzung
4. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das zentrale Motiv des Grenzüberschreitens in Johann Wolfgang von Goethes Faust I und II. Ziel der Arbeit ist es, die Motive und die Art der Grenzverletzungen bei verschiedenen Charakteren sowie hinsichtlich gesellschaftlicher, religiöser, wissenschaftlicher und literarischer Kontexte kritisch zu analysieren und deren Bedeutung für die Rezeptionsgeschichte des Faust-Stoffes aufzuzeigen.
3.1.1 Faust
Dr. Heinrich Faust, die Titelfigur von Goethes Faust I und II, verletzt die Grenzen der Gesellschaft, Religion und Wissenschaft, indem er anfangs die Grenzen der menschlichen Erkenntnis verletzt, um die ultimative Erfüllung zu suchen. In Vers 26 verweist er bereits mit dem Begriff „Geisterreich“ auf die Sehnsucht nach einem erfüllten Inhalt und Stoff seiner Dichtung. Seine Unzufriedenheit, durch die später viele Grenzen verletzt werden, wird bereits hier als Startpunkt der Verletzungen analysiert.
Die Szene „Prolog im Himmel“ umfasst das Thema der Gesellschaft, Religion und Wissenschaft. Faust, die Titelfigur, wird hier, nachdem Mephistopheles sich über die plagenden Menschen beschwert hat, vom Herrn als sein „Knecht“ vorgestellt. Faust, der versucht Transzendenz zu erlangen, scheitert an dieser Aussage des Herrn. Denn der Herr setzt Menschen wie Faust Grenzen, da die Menschen nicht mehr wissen sollen als der Herr selbst. Auch in den Versen 267 und 268 teilen die drei Engel Fausts Meinung. „Der Anblick gibt den Engeln Stärke, / Da keine dich ergründen mag“ ist ein Beweis dafür, dass sogar Engel, Gottes Boten, zwar Gottes Werke bewundern, aber das Erschaffen nicht erklären können.
Außerdem scheitert Faust an der ideologischen Grenze, denn er muss feststellen, dass er gar kein Übermensch sein kann und sich mit dem Menschsein identifizieren muss. In Vers 364 zweifelt er und bestätigt, dass er als Mensch an der Grenze seines Wissens ist. „Und sehe, dass wir nichts wissen können!“ Er ist also ein beschränktes Wesen. Dennoch sieht ihn Gott als das Idealbild eines Menschen.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Grenzüberschreitung anhand des Faust-Stoffes und Definition des Erkenntnisstrebens der Titelfigur.
2. Grenzen: Theoretische Herleitung verschiedener Grenzbegriffe und deren Relevanz im sozialen sowie philosophischen Kontext.
2.1 Gesellschaftliche Grenzen: Diskussion über soziale Normen, Werte und die Auswirkungen ihrer Übertretung auf das Individuum und die Gemeinschaft.
2.1.1 Soziokulturelle Grenzen: Betrachtung von Differenzierungen nach Alter, Geschlecht und Ethnie im Kontext von Goethes Werk.
2.1.2 Wirtschaftliche Grenzen: Analyse des Einflusses ökonomischer Faktoren und der Erfindung des Papiergeldes auf das Faust-Geschehen.
2.1.3 Moralische Grenzen: Untersuchung der ethischen Anforderungen an Individuen und die Konsequenzen moralischer Grenzverletzungen.
2.1.4 Ideologische Grenzen: Erörterung der Weltanschauung Fausts im Spannungsfeld zwischen Menschsein und Übermensch-Anspruch.
2.2 Religiöse Grenzen: Analyse der Rolle von Religion und Glauben als Grenze in Fausts Streben nach Erkenntnis.
2.3 Wissenschaftliche Grenzen: Auseinandersetzung mit den Limitationen menschlichen Wissens und dem Drang Fausts nach transzendenter Wahrheit.
2.4 Literarische Grenzen: Untersuchung der hybriden Gattungsform von Goethes Faust und der Sprengung traditioneller literarischer Strukturen.
3. Textanalytischer Hauptteil: Grenzüberschreiter in Goethes Faust I und Faust II: Vertiefende Analyse der Motive und Handlungen der Hauptfiguren hinsichtlich ihrer Grenzverletzungen.
3.1 Charaktere als Grenzüberschreiter: Einordnung der Protagonisten in das Schema der Grenzüberschreitung.
3.1.1 Faust: Detaillierte Darstellung des Wissensdrangs und der Pakt-Konsequenz der Titelfigur.
3.1.2 Mephistopheles: Analyse der Rolle des Teufels als Verführer und Manipulator, der die religiöse Ordnung stört.
3.1.3 Wagner: Kontrastierung der wissenschaftlichen Ambitionen des Famulus zur Titelfigur.
3.1.4 Der Kaiser: Untersuchung der wirtschaftlichen und politischen Grenzverletzungen durch den Herrscher.
3.1.5 Homunculus: Analyse der künstlichen Schöpfung und deren Implikationen für die natürliche und göttliche Ordnung.
3.1.6 Gretchen: Untersuchung der Gretchentragödie als Beispiel für gesellschaftliche und moralische Grenzverletzung.
3.2 ,Faust‘ als literarische Grenzverletzung: Retrospektive Betrachtung der formalen Innovationen Goethes.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur Grenzüberschreitung in Faust und deren aktuelle Relevanz.
Goethe, Faust, Grenzüberschreitung, Grenzverletzung, Wissenschaft, Erkenntnisstreben, Transzendenz, Mephistopheles, Pakt, Gesellschaftliche Grenzen, Literarische Gattungen, Moral, Religion, Übermensch, Homunculus.
Die Arbeit analysiert das Motiv des Grenzüberschreitens in Goethes Faust-Dichtung und untersucht, wie verschiedene Figuren durch ihr Handeln gesellschaftliche, wissenschaftliche, religiöse und moralische Normen überschreiten.
Die zentralen Themen sind das Streben nach unendlicher Erkenntnis, der Pakt mit dem Teufel, wirtschaftliche Umbrüche, soziale Rollenerwartungen und die Veränderung literarischer Gattungsgrenzen.
Die Forschungsfrage lautet, welche Grenzverletzer in Faust I und II auftreten und welche spezifischen Grenzen sie durch ihr Handeln überschreiten oder verletzen.
Es wird eine textanalytische Methode angewandt, die auf einer theoretischen Aufarbeitung verschiedener Grenzbegriffe basiert und diese auf die konkreten Szenen und Charaktere des Werkes anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Grenzen und einer detaillierten Analyse der einzelnen Figuren wie Faust, Wagner, Mephistopheles und anderer, die als Grenzverletzer agieren.
Schlüsselbegriffe sind neben den Faust-Figuren vor allem Transzendenz, Wissensdrang, Gattungshybridität, Magie, Alchemie und die soziokulturelle sowie moralische Einbettung des Faust-Stoffes.
Der Übermensch-Begriff definiert Fausts Versuch, sich über die ihm gesetzten natürlichen und göttlichen Schranken hinwegzusetzen und nach einem Wissen zu streben, das über das menschliche Maß hinausgeht.
Homunculus steht als künstlich erschaffenes Wesen symbolisch für die modernen wissenschaftlichen Möglichkeiten (und deren Gefahren), welche die menschliche Schöpfungskraft an die Grenze des religiös Erlaubten führen.
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