Magisterarbeit, 2008
118 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
2 DIE POSTMODERNE
2.1 DAS ZEICHEN
2.1.1 DER HINTERGRUND DES ZEICHENGEBRAUCHS
2.1.2 DIE MERKMALE DES ZEICHENGEBRAUCHS
2.1.2.1 DIE ZITATION
2.1.2.2 DIE BETONUNG DER MITTELBARKEIT
2.1.2.3 DIE ÄSTHETIK
2.1.3 ZUSAMMENFASSUNG DES ZEICHENBEGRIFFS
2.2 DAS SUBJEKT
2.2.1 DAS VERSCHWINDEN DES SUBJEKTS
2.2.2 DIE KONSEQUENZEN FÜR DAS SUBJEKT
2.3 DAS ZEIT- UND GESCHICHTSKONZEPT DER POSTMODERNE
2.4 DIE POSTMODERNE IN RUSSLAND
2.4.1 DER RUSSISCHE KONZEPTUALISMUS
3 DER PERFORMATISMUS
3.1 DAS MONISTISCHE ZEICHENKONZEPT
3.2 DIE DOPPELTE RAHMUNG
3.3 DIE PERFORMANZ
3.4 DAS PERFORMATISTISCHE SUBJEKT
3.5 DIE PERFORMATISTISCHE ZEIT UND GESCHICHTLICHKEIT
3.6 DER THEISMUS
4 DIE ANALYSE VON ČAPAEV I PUSTOTA
4.1 VIKTOR PELEVIN
4.2 DIE ERZÄHLANORDNUNG
4.2.1 DIE ERZÄHLSITUATION NACH FRANZ K. STANZEL
4.2.2 DIE POSTMODERNEN ELEMENTE
4.2.3 DIE THEISTISCHE AUSSTATTUNG DER FIGUR ČAPAEV
4.2.4 DIE ZUSAMMENFASSUNG ZUR ERZÄHLSITUATION
4.3 DER ČAPAEV-MYTHOS
4.4 DAS SUBJEKT IN ČAPAEV I PUSTOTA
4.4.1 DIE PSYCHIATRIE
4.4.2 DIE SEINSZUSTÄNDE (DROGEN, WACHEN, SCHLAFEN)
4.4.3 ZUSAMMENFASSUNG ZUM SUBJEKT
4.4.3.1 DIE POSTMODERNEN ELEMENTE
4.4.3.2 DIE PERFORMATISTISCHEN ELEMENTE
4.5 DIE BUDDHISTISCHEN ELEMENTE IN ČAPAEV I PUSTOTA
4.5.1 DIE BESCHAFFENHEIT DER REALITÄT
4.5.2 DAS WESEN DER SEELE UND DES SELBST
4.5.3 DIE ERLEUCHTUNG
4.5.4 DIE DIMENSIONEN ZEIT UND RAUM
4.6 DIE WELTENKONSTRUKTION
4.6.1 PELEVIN’SCHES WELTMODELL NACH MARCO KLÜH
4.6.2 ERWEITERUNG DES WELTENMODELLS
4.7 DAS ZEIT- UND GESCHICHTSKONZEPT IN ČAPAEV I PUSTOTA
4.8 DAS ZEICHEN BEI PELEVIN
4.8.1 DIE POSTMODERNEN MERKMALE DES ZEICHENGEBRAUCHS
4.8.1.1 DIE ZITATION
4.8.1.2 DIE HYPERREALITÄTEN DER SOWJETIDEOLOGIE UND DER MASSENMEDIEN
4.8.1.3 DIE MITTELBARKEIT DES ZEICHENS
4.8.1.4 DIE ÄSTHETIK
4.8.2 DIE MERKMALE EINES PERFORMATISTISCHEN ZEICHENGEBRAUCHS
4.8.2.1 DIE PERFORMANZ
4.8.2.2 DIE HINWEISE AUF EINEN MONISTISCHEN ZEICHENBEGRIFF
4.9 DIE SYNTHESE: PUSTOTA - DIE LEERE
4.9.1 DIE LEERE IN DER POSTMODERNEN TRADITION RUSSLANDS
4.9.2 DIE LEERE IM SINNE DES BUDDHISMUS
4.9.3 DIE LEERE IM SINNE DES PERFORMATISMUS
5 SCHLUSSGEDANKE
Die vorliegende Magisterarbeit setzt sich zum Ziel, Viktor Pelevins Roman Čapaev i Pustota (1996) im Spannungsfeld zwischen Postmoderne und dem performatistischen Konzept von Raoul Eshelman einzuordnen. Die Forschungsfrage untersucht, ob der Roman als ein der Postmoderne entfliehendes, neues performatistisches Werk verstanden werden kann, wobei die Mechanismen der Identitäts- und Realitätskonstruktion zentral analysiert werden, um die Grenzen traditioneller literaturwissenschaftlicher Kategorisierungen zu hinterfragen.
2.1.2.3 Die Ästhetik
Verschiedene Tiefenmodelle müssen in der Postmoderne abgelehnt und aufgelöst werden. Störend ist der ihnen innewohnende Anspruch auf einen ursprünglichen Wahrheitsgehalt, darunter auch die „semiotische Opposition von Signifikant und Signifikat“. An die Stelle dieser Modelle treten Praktiken, Diskurse und textuelle Spielarten. (Jameson 1986, 56–57) Noch in der Moderne gilt, dass ein Bild ein „träges Objekt“ bleibt, wenn man nicht versucht, einen Bezug zur historischen Produktionssituation herzustellen. Man stellt sich die Frage, welcher Inhalt, welches Rohmaterial anhand des Kunstwerks bearbeitet und übertragen wurde. Bei modernen Standardwerken wie z. B. Vincent van Goghs Ein Paar Schuhe (entstanden 1887) funktioniert diese hermeneutische Herangehensweise und es kann ein abwesender Kontext herbeigerufen werden.
An dem Beispiel der Diamond Dust Shoes (entstanden 1980) von Andy Warhol legt Jameson dar, was mit der Interpretationsmöglichkeiten und der unmittelbaren Aussagekraft des Kunstwerks der Postmoderne passiert: „Es ist nicht mehr möglich, diese Überbleibsel in Warhols Bild hermeneutisch auf die lebendige Umgebung des Tanzlokals oder die des Balls, die Modewelt des Jet-set oder der Hochglanzillustrierten zurückzubeziehen.“ (Jameson 1986, 54)
Kein bestimmter Standpunkt wird dem Rezipienten zugewiesen; nichts aus dem Bild spricht mehr zu uns. Der Inhalt des Kunstwerks ist bedeutungslos, ja zu einem Fetisch geworden. So „geht es hier nicht mehr um Fragen des Inhalts, sondern um eine fundamentale Wandlung, sowohl in der eigentlichen Welt der Objekte, die zu einer Serie von Texten oder Simulakra geworden ist, als auch in Bezug auf den Standort und die Eigenart des Subjekts“ (Jameson 1986, 53–55). Statt einem hermeneutischen Tiefenmodell treffen wir auf eine neue Flachheit oder Seichtheit, dem wahrscheinlich auffälligstem Charakteristikum der Postmoderne. Es ist dies „eine neue Oberflächlichkeit (nach dem Verlust der ‚Tiefendimension’), die sich sowohl auf die zeitgenössische Theorie als auch auf die gesamte neue Kultur des Bildes oder des Simulakrums erstreckt“ (Jameson 1986, 50).
1 EINLEITUNG: Darlegung des Untersuchungsgegenstands Čapaev i Pustota und Einführung in die theoretische Problemstellung bezüglich der Einordnung von Viktor Pelevins Werk zwischen Postmoderne und Performatismus.
2 DIE POSTMODERNE: Theoretische Auseinandersetzung mit Merkmalen des postmodernen Zeichen-, Subjekt- sowie Zeit- und Geschichtskonzepts und deren Ausformung im russischen Kontext.
3 DER PERFORMATISMUS: Vorstellung des theoretischen Konzepts des Performatismus nach Raoul Eshelman als Alternative zur Postmoderne mit Fokus auf Zeichen, Rahmung, Performanz und theistische Elemente.
4 DIE ANALYSE VON ČAPAEV I PUSTOTA: Detaillierte Untersuchung des Romans anhand narratologischer Analysen sowie der buddhistischen und performatistischen Strukturmerkmale zur Identifizierung der zentralen Motive.
5 SCHLUSSGEDANKE: Zusammenführung der Analyseergebnisse und Fazit zur Überwindung der Postmoderne durch moderne performatistische Ansätze in der Literatur.
6 LITERATURVERZEICHNIS: Aufstellung der für die wissenschaftliche Untersuchung verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Viktor Pelevin, Čapaev i Pustota, Postmoderne, Performatismus, Raoul Eshelman, Buddhismus, Zeichenkonzept, Subjekt, Erzählanordnung, Leere, Konzeptualismus, Intertextualität, 1919, 1990er Jahre, Identität
Die Arbeit untersucht Viktor Pelevins Roman Čapaev i Pustota aus der Perspektive aktueller literaturwissenschaftlicher Epochenkonzepte, um eine Einordnung zwischen den theoretischen Modellen der Postmoderne und des Performatismus vorzunehmen.
Zu den Schwerpunkten gehören das Zeichenverständnis, die Konstruktion des Subjekts, Zeit- und Geschichtskonzepte sowie die Rolle buddhistischer Philosophien innerhalb der narrativen Struktur des Werks.
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob Pelevins Roman lediglich postmoderne Spielereien fortführt oder ob er durch ein spezifisch theistisches und performatistisches Erzählmodell einen Ausweg aus der postmodernen Sinnkrise bietet.
Es erfolgt eine narratologische Analyse nach Franz K. Stanzel sowie eine Gegenüberstellung mit poststrukturalistischen Theorien (Jameson, Derrida) und dem performatistischen Modell nach Raoul Eshelman.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Epochenkonzepte und eine tiefgehende Analyse des Textes Čapaev i Pustota, inklusive der Untersuchung der Weltenkonstruktion und des Čapaev-Mythos.
Zentrale Begriffe sind Pelevin, Capaev i Pustota, Postmoderne, Performatismus, Buddhismus, Identitätskonstruktion sowie das Konzept der Leere.
Der Mythos dient als intertextuelles Konstrukt, das von Pelevin dekonstruiert und gleichzeitig neu interpretiert wird, um als Identifikationsfläche für die buddhistische Initiation des Protagonisten zu fungieren.
„Pustota“ fungiert als zentrales Motiv, das sowohl im buddhistischen Erleuchtungskontext als auch im performatistischen Sinn als Instrument zur Überwindung der fragmentierten postmodernen Realität und zur Sicherung des Subjekterhalts gedeutet wird.
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