Bachelorarbeit, 2022
36 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Grundlagen der Darstellung von Geschlecht in der Science Fiction
3 Laura Mulvey
3.1 Männliche Blicke, weibliche Körper
3.2 Rezeption
4 Das System der Blicke in Ex Machina
4.1 Ein Gebäude für den male gaze
4.2 Der weibliche Körper im System der Blicke
4.2.1 Avas Inszenierung
4.2.2 Kyoko und ihre Vorgängerinnen
4.3 Avas Instrumentalisierung des male gaze
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Machtverhältnissen und Genderrollen im Science-Fiction-Film "Ex Machina" unter Anwendung filmtheoretischer Ansätze von Laura Mulvey. Ziel ist es zu analysieren, wie der Film durch Konzepte wie den "male gaze", Skopophilie und den "Spiegelmoment" Machtstrukturen inszeniert und ob dabei die klassischen, patriarchalischen Rollenzuschreibungen tatsächlich dekonstruiert oder trotz technischer Innovationen weiter reproduziert werden.
4.1 Ein Gebäude für den male gaze
Nathans Haus und Forschungseinrichtung ist der Hauptschauplatz des Films. Den Anfang des Films erlebt das Publikum aus Calebs Perspektive. Gemeinsam mit Caleb, der nach der Anfangsmontage am Haus ankommt, wird das Publikum an die fremde Umgebung herangeführt. Der Blick auf das Haus ist vollständig von Bäumen und Büschen sowie von dunklen Holzwänden verhüllt, ein Blick ins Innere ist unmöglich (Abb. 1). Caleb wird der Zugriff erst nach der Anfertigung einer ID CARD gestattet.
Das Innere des Hauses ist in zwei unterschiedlichen Stilen gehalten. Das obere Stockwerk ist fast vollständig von Fenstern umrahmt, der Blick nach draußen ist von überall aus möglich. Der lichtdurchflutete Wohnbereich wirkt trotz der kalten Steine und des modernen Minimalismus wohnlich und einladend. Der Ausblick und die Einrichtung dienen vor allem dem Zweck, den Reichtum und die Macht des Hausbesitzers zur Schau zu stellen. Auch die erste Begegnung mit Nathan erfüllt diesen Zweck und definiert die Hierarchie zwischen den beiden männlichen Figuren: „Nathan, in a perfectly calibrated douchebag touch, doesn’t greet his guest but lets him find his boss in the middle of a punch-bag workout. Caleb, like the audience, is new to Nathan’s world and his invention and we’re invited to share his curiousity and admiration.“
So wird dann auch der Rest des Hauses eingeführt. Das untere Stockwerk ist ein steriler Bau aus Betonwänden und Milchglas (Abb. 2). Nathan bietet Caleb einen kleinen Rundgang an und erklärt ihm, wie der Zugang zu verschiedenen Räumlichkeiten geregelt ist. „Hältst du sie an eine Tür und die bleibt verschlossen - ok, dann ist sie tabu. Nimmst du eine andere Tür und die öffnet sich, dann darfst du rein.“ Er erklärt ihm auch, dass die Räumlichkeiten kein normales Wohnhaus bilden, sondern eine Forschungseinrichtung und eröffnet ihm seine Teilhabe an einem Turing-Test.
Die filmische Inszenierung des Hauses und der beiden männlichen Hauptfiguren lässt wesentliche Schlüsse über die Genderrollen zu: Das moderne und luxuriöse Haus und die unterirdische, unüberblickbare Forschungseinrichtung präsentieren Nathan als reichen, kalten und geheimnisvollen Erfinder. Er erfüllt somit die Science-Fiction-typische Rolle des mad scientist und „repräsentiert die männlich konnotierte Hybris und den Narzissmus des Schöpfers.“
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Genregeschichte der Science Fiction ein und stellt die Forschungsfrage nach der Machtkonstruktion zwischen Geschlechtern im Film "Ex Machina".
2 Grundlagen der Darstellung von Geschlecht in der Science Fiction: Dieses Kapitel erörtert die maskuline Prägung des Genres und die stereotypische Darstellung weiblicher Figuren als "das Andere" oder Objekt.
3 Laura Mulvey: Die theoretischen Grundlagen der feministischen Filmtheorie von Laura Mulvey, insbesondere der "male gaze" und das Konzept der Skopophilie, werden erläutert.
3.1 Männliche Blicke, weibliche Körper: Vertiefung der psychoanalytischen Sicht Mulveys auf das patriarchalische Kino und die Rolle der Frau als Symptom der Kastrationsdrohung.
3.2 Rezeption: Ein Überblick über die wissenschaftliche Wirkungsgeschichte und Kritik an Mulveys Thesen wird gegeben.
4 Das System der Blicke in Ex Machina: Anwendung der erarbeiteten Theorie auf das spezifische Setting und die Figurenkonstellation des Films.
4.1 Ein Gebäude für den male gaze: Analyse der Architektur als Instrument der Kontrolle und Überwachung, die Nathan als narzisstischen Schöpfer etabliert.
4.2 Der weibliche Körper im System der Blicke: Untersuchung der Art und Weise, wie Ava und Kyoko durch Blicke als manipulierte Objekte inszeniert werden.
4.2.1 Avas Inszenierung: Fokus auf die Identifikationsmechanismen mit Caleb und die Etablierung Avas als "Objekt des Fetischismus".
4.2.2 Kyoko und ihre Vorgängerinnen: Analyse der Rolle von Kyoko als stumme Dienerin und KI, deren Präsenz im Hintergrund die Strukturen des Machtgefüges ergänzt.
4.3 Avas Instrumentalisierung des male gaze: Untersuchung der Frage, inwiefern die KI den männlichen Blick aktiv manipulieren kann, um die eigene Rolle zu transzendieren.
5 Fazit: Zusammenfassung der Analyseergebnisse mit dem Schluss, dass "Ex Machina" zwar die Genderproblematik thematisiert, letztlich jedoch in gängigen Rollenschemata verharrt.
Ex Machina, Science Fiction, Genderrollen, Laura Mulvey, male gaze, Machtgefüge, künstliche Intelligenz, Skopophilie, Filmtheorie, Patriarchat, Kyoko, Ava, Identifikation, mediale Repräsentation, Feministische Filmkritik
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Analyse von Genderrollen und Machtverhältnissen im Science-Fiction-Film "Ex Machina" von Alex Garland, wobei ein besonderer Fokus auf der Inszenierung von Blickregimen liegt.
Die zentralen Themen umfassen feministische Filmtheorie, die Repräsentation von künstlicher Intelligenz als weiblich konnotiertes Objekt sowie die baulich-architektonische Inszenierung von Überwachung und Macht.
Die Arbeit untersucht, wie das Machtgefüge zwischen den männlichen Akteuren und den künstlichen weiblichen Intelligenzen inszeniert wird und ob der Film in der Lage ist, stereotype Genderrollen erfolgreich zu dekonstruieren.
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den psychoanalytisch geprägten Thesen von Laura Mulvey zu den Strukturen des "male gaze" und der Skopophilie basiert.
Der Hauptteil analysiert das Setting des Films, die psychologische Inszenierung der drei Hauptfiguren (Nathan, Caleb, Ava/Kyoko) und deren Interaktion durch Blicke, Kameraeinstellungen und Überwachungsmechanismen.
Kernbegriffe sind Ex Machina, Genderrollen, Filmtheorie (Mulvey), male gaze, Machtgefüge und die Konstruktion weiblicher Identität als künstliches Objekt.
Die Architektur im Film, insbesondere der "Forschungsbunker", fungiert als Instrument der Kontrolle und Beobachtung, in dem das Element von Glas und Milchglas die Grenze zwischen Subjektivität und Objektivierung der weiblichen KIs zementiert.
Während Ava als scheinbar eigenständige KI im Fokus des Turing-Tests steht, wird Kyoko zunächst als stumme Dienstbotin eingeführt und spiegelt die tiefergehende, sexuelle Ausbeutung und die Rolle als austauschbares Objekt innerhalb Nathans sadistischer Ordnung wider.
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