Bachelorarbeit, 2023
37 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Funktionen des Vorlesens in Bezug auf den Roman
2.1. Die Stimme
2.1.1. Die Erzählinstanzen
2.1.2. Die Opus-Phantasie
2.2. Oral-Auditive Elemente im Text
2.2.1. Oral-auditive Redekomposition
2.2.2. Scheinbare Objektivität
3. Das Vorlesen der Bekenntnisse im zeitgeschichtlichen und politischen Kontext
3.1. Hochstapelei im großen Kontext
3.2. Die auktoriale Instanz
3.2.1. Kontraste im Text
3.2.2. Kontraste in der Vorlesesituation
4. Das Vorlesen als Medienreflexion
4.1. Das Vorlesen als transmediale Situation zwischen Schrift und Sprache
4.2. Die Kunst des Vorlesens als Hochstapelei
5. Funktionen des Vorlesens in Bezug auf Thomas Mann
5.1. Inszenieren
5.2. Repräsentieren
6. Fazit
7. Ausblick
Die Arbeit untersucht die multifunktionalen Aspekte des Vorlesens bei Thomas Mann am Beispiel des Romans Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, um zu ergründen, wie das Vorlesen als Technik der Medienreflexion, der Inszenierung und der massenpsychologischen Manipulation fungiert.
2.1.1. Die Erzählinstanzen
Gleich zu Beginn des Romans stellt der fiktive Erzähler Felix Krull die Situation dar, aus der heraus er berichtet: „In völliger Muße und Zurückgezogenheit“ ergreift er seine Feder, um seine Geständnisse in „saubere[r] und gefällige[r] Handschrift […] dem geduldigen Papier anzuvertrauen.“ Es wird deutlich, dass Felix Krull keineswegs nur ein fiktiver Erzähler ist, sondern vielmehr der fiktive Autor einer fiktiven Erzählung.
Auch über Thomas Manns Schreibtätigkeit ist bekannt, dass dieser während seiner Arbeit auf völlige Ruhe im Haus beharrte, um sich für einige fest im Tagesablauf verankerte Stunden der Niederschrift seiner Werke zu widmen. So scheint die Art und Weise der Arbeitsausführung, die Mann seinem Protagonisten gleichsam ‚in die Feder legt‘ auf seinen eigenen Präferenzen zu basieren.
Bei genauerer Betrachtung wird dies durch weitere Parallelen in der Schaffenstätigkeit von Mann und dem fiktiven Autor Krull gestützt. Bei Thomas Mann kam es nach Abschluss des ersten Buches zu einer ersten, einjährigen Zäsur. Zwischen 1911 und 1912 ruhten die Bekenntnisse und er stellte in Zusammenhang mit einer Italienreise den Roman Tod in Venedig vorn an. Auch nachdem Krull den ersten Teil seines Werkes zu Papier gebracht hat, entsteht durch „Unlust und Zweifel“ eine einjährige Schaffenspause.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Thomas Manns Selbstverständnis als "Ohrmensch" ein und begründet die Relevanz des Themas Vorlesen für sein Werk, insbesondere unter Berücksichtigung von Reinhart Meyer-Kalkus' Forschung zur Vortragskunst.
2. Funktionen des Vorlesens in Bezug auf den Roman: Das Kapitel analysiert, wie das Vorlesen die Wahrnehmung des Romans durch die Stimme und Stimme-Erzähler-Konstellationen beeinflusst und die "Opus-Phantasie" als treibendes Element des Schreibprozesses etabliert.
3. Das Vorlesen der Bekenntnisse im zeitgeschichtlichen und politischen Kontext: Dieser Abschnitt untersucht die massenpsychologische Komponente des Romans, indem er das manipulative Wirken des Hochstaplers mit der damaligen politischen Situation und modernen Massentheorien in Beziehung setzt.
4. Das Vorlesen als Medienreflexion: Hier wird aufgezeigt, dass der Roman selbst das Vorlesen und die Interaktion zwischen Autor, Text und Rezipienten reflektiert, wobei die Grenze zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit verschwimmen.
5. Funktionen des Vorlesens in Bezug auf Thomas Mann: Der Fokus liegt auf der Selbstinszenierung Thomas Manns als Künstler, wobei die Konzepte des Inszenierens und Repräsentierens in einer imitatio Goethes gipfeln.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Vorlesen eine kunstvolle Synthese bildet, die für das Verständnis des Romans als politisches und medienkritisches Werk essenziell ist.
7. Ausblick: Der Ausblick deutet an, wie künftige Forschungsarbeiten die visuelle Dimension und die Komplexität der multimedialen Inszenierung Thomas Manns noch weiter vertiefen könnten.
Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Vorlesen, Vortragskunst, Opus-Phantasie, Medienreflexion, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Massenpsychologie, Erzählinstanzen, Inszenierung, Repräsentation, Goethe, Intermedialität, Oral-Auditiv
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Vortragskunst und des Vorlesens im Schaffen von Thomas Mann und analysiert, wie diese Technik die Wahrnehmung seines Romans "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" maßgeblich beeinflusst.
Zentrale Themen sind die Interaktion zwischen Autor und Rezipient, die mediale Reflexion von Vorlesesituationen im Roman, die massenpsychologische Manipulation sowie Thomas Manns Selbstdarstellung als Künstler durch die Nachahmung Goethes.
Die Arbeit fragt nach den Funktionen des Vorlesens bei Thomas Mann und untersucht, wie dieses Konzept dazu beiträgt, das Werk sowohl in seiner inhaltlichen Struktur als auch in seinem politischen und zeitgeschichtlichen Kontext besser zu erfassen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die erzähltheoretische Konzepte wie diejenigen von Gérard Genette mit massenpsychologischen Theorien und medientheoretischen Überlegungen zur Vortragskunst kombiniert.
Der Hauptteil beleuchtet die Funktionen des Vorlesens für den Roman (Stimmen, Ebenen), kontextualisiert dies historisch-politisch, arbeitet medienreflexive Momente heraus und analysiert die Funktion für den Autor selbst (Inszenierung/Repräsentation).
Wichtige Begriffe sind "Opus-Phantasie", "oral-auditive Redekomposition", "medienreflexive Momente", "auktoriale Instanz" sowie die "imitatio Goethes" in Bezug auf die Vortragskunst.
Das Vorlesen bringt Schwankungen zwischen extremer Nähe und Distanz hervor und erzeugt durch die klangliche Aufbereitung der Charaktere eine "verstehende Komplizenschaft", die den Leser in die manipulative Welt Felix Krulls zieht.
Der Autor zeigt auf, dass Mann die manipulative Einwirkung des Hochstaplers auf Einzelpersonen in den Live-Lesungen in eine massenpsychologische Wirkung übersetzt, die an die Machttechnik totalitärer Führer erinnert.
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