Bachelorarbeit, 2023
136 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Sprache
2.1 Sprache und Verständlichkeit
2.2 Sprache und Barrieren
2.3 Sprache und Gesundheitskompetenz
3 Gendersprache
3.1 Entwicklungen in Deutschland seit den 1970er-Jahren
3.2 Gestaltungsmöglichkeiten von Gendersprache
3.2.1 Gendern mit Paarform (Beidnennung)
3.2.2 Verwendung von Sonderzeichen
3.2.3 Einsatz neutraler Formulierungen
4 Gendersprache und Barrieren
4.1 Barrieren für Menschen mit Hörbehinderung
4.1.1 ‚Zuhören‘ durch Mundlesen (Lippenlesen)
4.1.2 Kommunikation mithilfe von Gebärden
4.2 Barrieren für Menschen mit Sehbehinderung
4.2.1 Verwendung von Screenreadern
4.2.2 Lesen von Brailleschrift
4.3 Barrieren bei kognitiv begründeten Kommunikationseinschränkungen
4.3.1 Von Demenz betroffene Menschen
4.3.2 Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
4.3.3 Menschen mit geistiger Behinderung
4.4 Barrieren für Menschen mit Lese- und Schreibbeeinträchtigungen
4.4.1 Menschen mit geringer Literalität
4.4.2 Von Legasthenie betroffene Menschen
4.5 Barrieren für Menschen mit Deutsch als Zweitsprache
4.6 Barrieren bei der Gestaltung Leichter Sprache
4.7 Empfehlung zur barrierearmen Gestaltung von Gendersprache
5 Vorannahmen zum geplanten Unterrichtskonzept
5.1 Legitimation
5.2 Bildungsperspektiven als Grundlage der Konzeption
6 Unterrichtskonzept: Sensibilisierung Auszubildender für den Gebrauch von Gendersprache
6.1 Sequenz 1 Beeinträchtigungen im kommunikativen Bereich
6.1.1 Curriculare Verortung und Rahmenbedingungen
6.1.2 Unterrichtsablauf mit methodischen Überlegungen
6.2 Sequenz 2 Anwendung von Gendersprache
6.2.1 Curriculare Verortung und Rahmenbedingungen
6.2.2 Unterrichtsablauf mit methodischen Überlegungen
6.3 Sequenz 3 ethische Fallreflexion
6.3.1 Curriculare Verortung und Rahmenbedingungen
6.3.2 Unterrichtsablauf mit methodischen Überlegungen
7 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Gebrauch von Gendersprache im Kontext verschiedener kommunikativer Beeinträchtigungen Barrieren erzeugt, und entwickelt auf Basis dieser Erkenntnisse ein Unterrichtskonzept zur Sensibilisierung von Pflegestudierenden für eine barrierearme Sprachverwendung.
3.1 Entwicklungen in Deutschland seit den 1970er-Jahren
Im Rahmen der zweiten Frauenbewegung Ende der 1970er-Jahre wurden mit Feministinnen wie Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz Stimmen laut, die sprachliche Veränderungen forderten, um Frauen in Sprache nicht länger unsichtbar zu machen, was nach ihrer Darstellung aus der Verwendung des generischen Maskulin resultierte. Dies bezeichnet den Gebrauch von Personenbezeichnungen mit männlicher Endung unabhängig vom biologischen Geschlecht der gemeinten Person(en), wenn dieses nicht bekannt oder nicht relevant ist oder es sich um eine generelle Bezeichnung handelt (Braun et al., 1998, S. 265 f.; Ivanov et al., 2019, S. 3).
Die Beidnennung von weiblichen und männlichen Personenbezeichnungen in ausgeschriebener oder verkürzter Form als Gendersprachstil, auch als Paarform bezeichnet, kann als ein Resultat auf diese Forderung nach Sichtbarmachung von Frauen in Sprache betrachtet werden und entspricht damit einem Stil auf Grundlage des binären Geschlechtsmodells.
Das sogenannte Binnen-I stellt eine weitere Form dar, Frauen in Sprache sichtbar zu machen. Es wird auch als Binnenmajuskel bezeichnet (Ivanov et al., 2019, S. 3 f.). Eine regelmäßige Verwendung dieses Stils kann ab Anfang der 1980er-Jahre belegt werden (Schoenthal, 1998, S. 18-22), wobei die erstmalige Verwendung Christoph Busch zuzuschreiben ist, der in seinem Buch über freie Radios männliche und weibliche Personen z. B. als „ArbeiterInnen“ (Busch, 1981, S. 25) bezeichnete und damit eine Möglichkeit aufzeigte, beide Geschlechter der jeweiligen Personenbezeichnungen in einem gemeinsamen Worte zu nennen (ebd., o. S.).
Um dem Bedürfnis nachzukommen, Personen, die sich als divers zuordnen. in Sprache ebenfalls darstellen zu können, bedurfte es anderer Möglichkeiten. Dies reklamierte Steffen Kitty Herrmann erstmals in einem Artikel in der Zeitschrift arranca!, in welchem ein ‚_‘ vorgestellt und genutzt wurde als symbolischer Raum in Sprache für Menschen außerhalb der binären Geschlechtsordnung (Herrmann, 2003, o. S.).
1 Einleitung: Beschreibt das Bedürfnis nach geschlechtsneutraler Sprache im Kontext rechtlicher und ethischer Entwicklungen im Gesundheitswesen sowie das Ziel der Arbeit, Barrieren durch Gendersprache zu untersuchen.
2 Sprache: Erläutert die Grundlagen verbaler und non-verbaler Kommunikation, die Bedeutung der Verständlichkeit im Pflegeprozess sowie Zusammenhänge zwischen Sprache, Barrieren und Gesundheitskompetenz.
3 Gendersprache: Definiert den Begriff Gendersprache, zeichnet deren historische Entwicklung in Deutschland nach und stellt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten wie Paarform, Sonderzeichen und neutrale Formulierungen vor.
4 Gendersprache und Barrieren: Untersucht differenziert die Auswirkungen verschiedener Genderstile auf Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen (Hör-, Seh-, Leseschwächen, kognitive Einschränkungen) und leitet daraus Empfehlungen ab.
5 Vorannahmen zum geplanten Unterrichtskonzept: Legitimiert das Konzept rechtlich durch das Pflegeberufegesetz und theoretisch durch bildungsspezifische Perspektiven auf ethische Fallreflexion.
6 Unterrichtskonzept: Sensibilisierung Auszubildender für den Gebrauch von Gendersprache: Detailliert die Umsetzung in drei Sequenzen (Beeinträchtigungen verstehen, Gendersprache anwenden, ethische Fallreflexion) inklusive curricularer Einbettung.
7 Fazit und Ausblick: Führt die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer zielgruppengerechten Sprachwahl und fordert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung von Gendersprache.
Gendersprache, Barrierefreiheit, Pflegeausbildung, Gesundheitskompetenz, Inklusion, Kommunikation, Barrieren, Leichte Sprache, Pflegeethik, Geschlechtsidentität, Gendersternchen, Paarform, Barriere-Wert, Medizinkommunikation, Unterrichtskonzept
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Gebrauch geschlechtergerechter Sprache Verständnisbarrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen erzeugt und wie Pflegende in diesem Spannungsfeld professionell kommunizieren können.
Die Untersuchung verknüpft die Bereiche Gendersprache, Barrierefreiheit im Gesundheitswesen und didaktische Konzepte für die Pflegeausbildung.
Ziel ist es, Barrieren bei der Nutzung von Gendersprache zu identifizieren und ein Unterrichtskonzept zu entwickeln, das Auszubildende in der Pflege für einen zielgruppengerechten und barrierearmen Sprachgebrauch sensibilisiert.
Die Arbeit ist als Literaturarbeit konzipiert, die bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse, rechtliche Grundlagen und linguistische Konzepte analysiert, um daraus praktische Empfehlungen und ein didaktisches Unterrichtsmodell abzuleiten.
Der Hauptteil analysiert die Barrierewirkung verschiedener Genderstile (z. B. Sonderzeichen oder Paarform) bei spezifischen Personengruppen wie gehörlosen, sehbehinderten oder demenziell erkrankten Menschen und stellt ein dreistufiges Unterrichtsmodell vor.
Die zentralen Termini sind Gendersprache, Barrierefreiheit, Inklusion, Gesundheitskompetenz, Kommunikation, Pflegeausbildung und Barriere-Wert.
Die Textökonomie, also der Platzbedarf und die syntaktische Komplexität, ist entscheidend für Menschen mit eingeschränkten kognitiven Ressourcen oder Leseschwächen, da eine komplizierte Syntax den Verarbeitungsaufwand massiv erhöht.
Den Empfehlungen wurden Barriere-Werte ("Kritischer Gebrauch" = 1, "Verzicht" = 2) zugeordnet, woraus Gesamt-Barriere-Werte pro Genderstil resultieren, um die Barrierewirkung quantitativ vergleichbar zu machen.
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