Diplomarbeit, 2009
125 Seiten, Note: 2.0
0. Vorwort
1. Einleitung
2. Zur Geschichte und Entstehung der slowenischen Minderheiten
2.1 Exkurs
2.2 Von den Anfängen bis zum Zerfall der Donaumonarchie
2.3 Die Zeit nach dem Zerfall der Donaumonarchie
2.3.1 Vom Vielvölkerstaat zum Nationalstaat
2.3.2 Die Entstehung der Ersten Republik
2.3.3 Der Kärntner Abwehrkampf
2.4 Die Zwischenkriegszeit
2.4.1 Die Kärntner Slowenen in der Ersten Republik
2.4.2 Die Slowenen im SHS-Staat
2.4.3 Die Slowenen des Küstenlandes
2.5 Die Zeit unter nationalsozialistischer Herrschaft
2.5.1 Die Situation der Kärntner Slowenen
2.5.2 Die Situation in Slowenien
2.6 Die Nachkriegszeit
2.6.1 Die Kärntner Slowenen in der Zweiten Republik
2.6.2 Die Slowenen im kommunistischen Jugoslawien
2.6.3 Die Slowenen in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien
3. Zur Geschichte der Burgenland-Kroaten
3.1 Herkunft und Ansiedlung
3.1.1 Die Voraussetzungen und Ursachen der Auswanderung
3.1.2 Die Ansiedlung der Kroaten
3.2 Die Kroaten im burgenländisch-westungarischen Raum bis 1918
3.3 Die Kroaten im Burgenland von 1918 bis 1945
3.4 Die Kroaten im Burgenland nach dem Zweiten Weltkrieg
3.5 Die Burgenland-Kroaten in Ungarn
4. Zur Bedeutung des Staatsvertrages von 1955 für beide Minderheiten
4.1 Der Weg zum Staatsvertrag
4.2 Grundsätze über Minderheitenschutz
4.3 Der Artikel 7 des Staatsvertrages
4.4 Die Entwicklung nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages
4.4.1 Die Situation der Kärntner Slowenen
4.4.2 Die Situation der Burgenland-Kroaten
4.4.3 Das Volksgruppengesetz 1976
4.4.4 Darstellung des Schulwesens in Südkärnten
4.4.5 Darstellung des Schulwesens im Burgenland
5. Zur soziokulturellen und kulturpolitischen Situation beider Minderheiten
5.1 Zur Situation aus sprachwissenschaftlicher Sicht
5.1.1 Sprachrechtliche Lage
5.1.2 Soziolinguistische Lage
5.1.3 Wege zur Erhaltung der Sprache
5.2 Zur Situation aus kulturwissenschaftlicher Sicht
5.2.1 Kulturgeschichtlicher Hintergrund
5.2.2 Kulturelle Aktivitäten
5.3 Zur Situation aus literaturwissenschaftlicher Sicht
5.3.1 Literatur und Kunst der Kärntner Slowenen
5.3.2 Literatur und Kunst der Burgenland-Kroaten
5.4 Zur Situation aus kulturpolitischer Sicht
5.4.1 Aktuelle Situation
5.4.2 Fragebogenauswertung zur Situation in Kärnten
5.4.3 Fragebogenauswertung zur Situation im Burgenland
5.4.4 Interpretation zur kulturpolitischen Orientierung beider Volksgruppen
5.5 Zur Zukunft beider Volksgruppen
5.5.1 Die Assimilationstendenz der kroatischen Volksgruppe
5.5.2 Die Assimilationstendenz der slowenischen Volksgruppe
6. Zusammenfassung
7. Nachwort
Ziel dieser Arbeit ist eine fundierte vergleichende Analyse der soziokulturellen sowie kulturpolitischen Situation der autochthonen slowenischen Minderheit in Kärnten und der kroatischen Volksgruppe im Burgenland. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die aktuelle kulturpolitische Orientierung beider Gruppen in der Zeit von der jüngsten Vergangenheit bis zur Gegenwart, gestützt durch Interviews und Fragebogenauswertungen.
2.1 Exkurs
Einleitend zur Geschichte der Slowenen wird ein Einblick in die Problematik der Verbindung zwischen Sprache und Volkstumszugehörigkeit (bzw. Nationalität) aus der kulturgeschichtlichen Entwicklung des sog. Slowenentums in Kärnten heraus zu geben versucht. Das friedliche Zusammenleben der Deutsch-Kärntner und der Slowenisch-Kärntner hatte in der Geschichte solange funktioniert, bis die Politik direkten Einfluss auf die Kultur und somit auf die Sprache auszuüben begann. Mit der Verknüpfung des Begriffes Nationalität und Sprache änderte sich die politische Situation in Kärnten schlagartig. Der Zwang, sich zur Nation zu bekennen, ging auf Kosten der Sprache, was sich durch einen drastischen Sprachwechsel zeigte. Die Sprache ist ein potentielles Erbgut, das nicht angeboren ist, sondern erlernt werden muss, und hat daher keine direkte Beziehung zum Volkstum, dem man aufgrund seiner Vorfahren angehört.
„Nicht historische Bauwerke wie die Burg Hochosterwitz, Denkmäler wie der Herzogstuhl auf dem Zollfeld oder Ausgrabungen wie auf dem Magdalensberg sind unser ältestes kulturelles Erbe, sondern unsere Sprache, die wir von unserer Elterngeneration vermittelt bekommen haben und die wir unseren Nachkommen weitergeben, wie dies schon einige hundert Generationen vor uns getan haben. Die Fähigkeit mit ‚Sprache‘ umzugehen, zu kommunizieren, ist dem Menschen angeboren und gehört zu seinem biologischen Programm, trotzdem ist aber jede Einzelsprache im Kindesalter zu erlernen, sie ist kein genetisches, vielmehr soziokulturelles Erbe. Ein Teil dieses Vermögens in einem weiteren Sinne ist auch unsere Muttersprache und in einem größeren Zusammenhang die heutige südalpine Sprachlandschaft, die das Ergebnis einer mehr als zweitausendjährigen überblickbaren Entwicklung ist. Hier, in unserem Raum, hat es immer schon mehrere Sprachen (und nicht nur eine) gegeben.“
0. Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Auseinandersetzung mit seinen slowenischen Wurzeln und begründet das Thema der Arbeit als symbolischen Überlebenskampf.
1. Einleitung: Die historische Einbettung der Minderheitenfrage in Kärnten wird anhand der Volksabstimmung von 1920 und der politischen Entwicklungen nach dem Zusammenbruch der Monarchie dargelegt.
2. Zur Geschichte und Entstehung der slowenischen Minderheiten: Dieses Kapitel behandelt die historischen Etappen der Slowenen in Kärnten, vom Frühmittelalter über das nationale Erwachen bis zur Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit.
3. Zur Geschichte der Burgenland-Kroaten: Die Geschichte der Burgenland-Kroaten wird von ihrer Einwanderung im 16. Jahrhundert, über ihre Situation in Westungarn bis hin zur Eingliederung in das österreichische Burgenland 1921 und der Nachkriegszeit beschrieben.
4. Zur Bedeutung des Staatsvertrages von 1955 für beide Minderheiten: Hier steht die rechtliche Relevanz des Staatsvertrages, insbesondere Artikel 7, sowie dessen praktische Umsetzung und die Entwicklung der Schulgesetzgebungen im Mittelpunkt.
5. Zur soziokulturellen und kulturpolitischen Situation beider Minderheiten: Eine detaillierte Analyse aus sprach-, kultur- und literaturwissenschaftlicher Sicht sowie eine Auswertung der Fragebögen zur aktuellen kulturpolitischen Orientierung bilden den Kern dieses Teils.
6. Zusammenfassung: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit, insbesondere die Diskrepanz zwischen Rechtsanspruch und gesellschaftlicher Realität, werden rekapituliert.
Autochthone Minderheiten, Kärntner Slowenen, Burgenland-Kroaten, Staatsvertrag 1955, Minderheitenschutz, Artikel 7, Assimilation, Sprachwandel, Volksgruppengesetz, Kulturpolitik, Sprachwissenschaft, Identität, Zweisprachigkeit, Volksabstimmung 1920, Kulturelle Aktivitäten.
Die Arbeit untersucht die soziokulturelle und kulturpolitische Lage der beiden autochthonen Minderheiten in Österreich: der Kärntner Slowenen und der Burgenland-Kroaten.
Die Themen umfassen die Kulturgeschichte der Minderheiten, die rechtliche Situation gemäß dem Staatsvertrag von 1955, das Bildungswesen sowie die aktuelle kulturpolitische Orientierung der beiden Volksgruppen.
Das Ziel ist eine vergleichende Analyse, die aufzeigt, wie sich die soziokulturelle Situation und die politische Handhabung dieser Minderheiten in den Bundesländern Kärnten und Burgenland unterscheiden und welche Faktoren ihre Zukunft beeinflussen.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie auf die Auswertung von qualitativen Fragebögen und Experteninterviews mit Repräsentanten der jeweiligen Kulturorganisationen.
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, rechtliche Abhandlungen zu Minderheitenbestimmungen und eine interdisziplinäre Untersuchung der aktuellen Situation aus sprach-, kultur- und literaturwissenschaftlicher Sicht.
Zu den zentralen Begriffen zählen Minderheitenschutz, Assimilation, Staatsvertrag, Zweisprachigkeit, ethnische Identität und kulturelle Autonomie.
Während in Kärnten die Geschichte durch einen stark deutschnationalen Konflikt und einen schwierigen Abwehrkampf geprägt war, verlief die Entwicklung im Burgenland aufgrund anderer historischer Kontexte und einer weniger stark ausgeprägten nationalen Polarisierung insgesamt entspannter.
Die Sprache fungiert als zentrales Identitätsmerkmal. Der zunehmende Assimilierungsdruck, bedingt durch Bildungswege, Medienkonsum und wirtschaftliche Notwendigkeiten, führt dazu, dass die Muttersprache in öffentlichen Domänen zugunsten der jeweiligen Mehrheitssprache an Bedeutung verliert.
Autochthon bezeichnet Volksgruppen, die über Jahrhunderte in ihrem angestammten Siedlungsgebiet leben, im Gegensatz zu allochthonen Gruppen, die durch Auswanderung in jüngerer Zeit dorthin gelangten.
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