Examensarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 2.0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Methodisches Vorgehen
3. Eine pathozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen
3.1 Gründe für die Wahl Peter Singers
3.2 Singers Präferenzutilitarismus
3.2.1 Grundlagen: der klassische Utilitarismus
3.2.2 Das Prinzip der gleiche Interessenberücksichtigung und das Kriterium der Leidensfähigkeit
3.2.3 Der Begriff der Person und die Frage nach dem Wert von Leben
3.3 Praktische Folgen im Umgang mit Tieren und Pflanzen
3.3.1 Der Umgang mit Personen und empfindungsfähigen Wesen
3.3.2 Der Umgang mit ´empfindungslosen´ Entitäten
3.4 Singers Ethik auf dem Prüfstand
3.4.1 Die Problematik der utilitaristischen Prämissen
3.4.2 Die Unzulänglichkeit von Singers Ansatz
4. Eine biozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen
4.1 Zur Bedeutung des Begriffs ´Würde der Kreatur´
4.2 Ansatz einer biozentrische Ethik: Die Ehrfurcht vor dem Leben
4.3 Zum Würde-Verständnis
4.3.1 Würde der Kreatur: rechtliche Möglichkeiten
4.3.2 Würde der Kreatur: biologische Grundlagen
4.4 Würde der Kreatur: philosophische Überlegungen
4.4.1 Würde des Menschen versus Würde der Kreatur
4.4.2 Die Problematik von inhärenten Werten in der Natur
4.5 Praktische Anwendung des Würdebegriffs: die Interpretation der Gutachter
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen moralisch angemessenen Umgang mit der nicht-menschlichen Mitwelt – insbesondere mit höher entwickelten Tieren – philosophisch zu begründen. Dabei wird untersucht, inwiefern traditionelle, anthropozentrische Ansätze den neuartigen ethischen Herausforderungen gewachsen sind und ob der moralische Status von Lebewesen über den Menschen hinaus erweitert werden muss.
3.2.1 Grundlagen: der klassische Utilitarismus
Auf der Suche nach einer Moralkonzeption, die es erlaubt, auch nicht-menschliche Lebewesen einzubeziehen und diesen Bereich vielleicht sogar auf Pflanzen oder ganze Ökosysteme auszudehnen, ist es wichtig, nicht oder zumindest nicht nur von einem religiösen Standpunkt aus zu argumentieren. Denn das Christentum, dessen meiste Vertreter - mit einigen Ausnahmen wie Franz von Assisi oder Albert Schweitzer - eine anthropozentrische Ethik vertreten, kann diese Ansprüche nicht erfüllen. Andere Religionen wie beispielsweise der Buddhismus haben dagegen keine solchen Probleme, Tiere in ihre Religion einzubeziehen.
So gibt es gute Gründe, eine Ethikkonzeption unabhängig von jeder Religionen zu begründen, da moralische Grundsätze, die auf den Voraussetzungen einer bestimmten Religion aufbauen, für Menschen in anderen Teilen der Welt nicht nachvollziehbar sind, bzw. nicht akzeptiert werden. Die eigene Überzeugung, die je nachdem auf der christlichen, islamischen oder sonst einer Glaubensrichtung, aber auch auf einem Bekenntnis zum Atheismus aufbauen kann, spielt natürlich in jeder Diskussion eine Rolle, selbst wenn man sie nicht direkt erwähnt. Niemand wird es schaffen, seine eigene Lebensauffassung aus einer so grundlegenden Frage wie der nach dem richtigen und guten Handeln herauszuhalten. Entscheidend ist hier aber nicht, welche moralische Grundeinstellung man vertritt und wie diese genau aussieht, sondern inwieweit man in der Lage ist, seinen Glauben und die daraus abgeleitete Moral rational und für andere Menschen, die vielleicht von einer anderen Grundhaltung ausgehen, einsichtig zu begründen.
Singers Vorsatz, „Ethik völlig unabhängig von Religion“ zu behandeln, hat also weitreichende Bedeutung. Gerade in der heutigen Zeit, in der Handeln globales Ausmaß annimmt, sind allgemeingültige Wertmaßstäbe, die von jedem Menschen rational nachvollziehbar sind, enorm wichtig. Singer verweist auf die wichtige Rolle, die er der Vernunft in seiner Ethik zugesteht, und betont, dass das intuitive Erfassen eines Problems für ethisches Argumentieren nicht ausreiche.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ökologische Krise und die Notwendigkeit, das menschliche Selbstverständnis im Umgang mit der Natur zu hinterfragen, wobei der Fokus auf dem wachsenden Bedürfnis nach einer neuen Naturethik liegt.
2. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel legt die methodische Grundlage fest, indem es anthropozentrische Positionen als unzureichend für das Ziel der Arbeit identifiziert und den Fokus auf die philosophische Begründung eines angemessenen Umgangs mit der Mitwelt legt.
3. Eine pathozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen: Dieser Abschnitt analysiert Peter Singers utilitaristischen Ansatz, seine Tierethik, das Prinzip der Interessenabwägung und die damit verbundenen moralischen Konsequenzen sowie dessen Anwendung auf Tiere und Pflanzen.
4. Eine biozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen: Hier wird der in der Schweiz verankerte Begriff der "Würde der Kreatur" kritisch beleuchtet und als biozentrische Alternative zur pathozentrischen Sichtweise hinsichtlich seiner rechtlichen und philosophischen Dimensionen untersucht.
5. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel resümiert die Ergebnisse, stellt die Vor- und Nachteile der untersuchten pathozentrischen und biozentrischen Positionen gegenüber und betont die Relevanz der philosophischen Auseinandersetzung mit dem Eigenwert der Natur.
Tierethik, Präferenzutilitarismus, Biozentrismus, Pathozentrismus, Würde der Kreatur, Peter Singer, moralischer Status, Anthropozentrismus, Leidensfähigkeit, Eigenwert, Naturethik, Menschenwürde, Interessenabwägung, Speziesismus, Umweltethik.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Begründung eines moralisch angemessenen Umgangs des Menschen mit seiner nicht-menschlichen Mitwelt, insbesondere mit Tieren und Pflanzen.
Zentrale Themen sind die Tierethik, die moralische Berücksichtigung von nicht-menschlichen Lebewesen, der Utilitarismus nach Peter Singer sowie das biozentrische Rechtskonzept der „Würde der Kreatur“.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie man den Umgang mit der Natur ethisch begründen kann, ohne diesen lediglich vom Nutzen für den Menschen abhängig zu machen, und dabei moralisch tragfähige Kriterien für verschiedene Lebensformen zu finden.
Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die auf der Analyse bestehender ethischer Theorien, der kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie dem Abgleich mit empirischen Erkenntnissen der Naturwissenschaften basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Peter Singers utilitaristischer Tierethik sowie eine Untersuchung der biozentrischen Sichtweise, insbesondere des Würdebegriffs, mitsamt einer Diskussion über den Eigenwert der Natur.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Speziesismus, Präferenzutilitarismus, pathozentrische und biozentrische Ethik, Eigenwert sowie die „Würde der Kreatur“ charakterisiert.
Die Autorin kritisiert, dass Singer durch seine kategoriale Trennung in „Personen“ und „empfindungsfähige Wesen“ die moralische Unantastbarkeit von Individuen, die noch nicht oder nicht mehr die volle kognitive Kapazität besitzen, in Frage stellt und damit gefährliche ethische Konsequenzen zieht.
Während die Menschenwürde traditionell auf der menschlichen Autonomie oder Gottebenbildlichkeit basiert, zielt die "Würde der Kreatur" auf eine umfassendere, integrativere Bonitas-Tradition ab, die allen Lebewesen eine moralische Integrität zuschreibt, ohne dabei die Unterschiede zum Menschen zwingend zu verwischen.
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