Bachelorarbeit, 2009
46 Seiten, Note: 1,2
Einleitung
1. Terrorismus mit Waldmann – exemplarisch?
1.1 Waldmanns Terrorismusbegriff: Abgrenzungen und Unterscheidungen
1.2 Das „terroristische Kalkül“: Terrorismus als Kommunikationsstrategie
1.3 Waldmanns Verständnis von (Terror-)Organisationen
1.4 Transnationaler und religiöser Terrorismus mit Waldmann
1.5 Ist Waldmanns Konzept repräsentativ? - Gemeinsamkeiten und Unterschiede aktueller Ansätze
2. Systemtheoretische Ansätze zur Beobachtung des Terrorismus
2.1. Möglichkeiten systemtheoretischer Definition und Einordnung von „Terrorismus“
2.2 Terror als Funktionssystem?
2.2.1 Funktionale Differenzierung: „Modernisierung“, politisches System und Religion
2.2.2 Operation, Code und Medium des Terrors
2.2.3 Terror und Massenmedien: Strukturelle Kopplung
2.2.4 Terror und das Religionssystem: Mehr als nur „Isomorphie“?
2.2.5 Terror als „Parasit“: Politisches System und Gesellschaft
2.3 Organisationen des Terrorsystems
3. Hisbollah - Die Partei Gottes?
3.1 Entstehung und Entwicklung der Hisbollah
3.2 Organisationsstruktur und Ideologie
3.3 Die Rolle der Hisbollah im Kontext des transnationalen Terrorismus
4. Die Partei Gottes - systemtheoretisch beobachtet
4.1 Hisbollah mit Waldmann
4.2 Möglichkeiten systemtheoretischer Einordnung der Hisbollah
5. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht den Mehrwert systemtheoretischer Ansätze zur Analyse des transnationalen Terrorismus im Vergleich zu klassischen politikwissenschaftlichen Erklärungsmodellen. Anhand des exemplarischen Ansatzes von Peter Waldmann wird dessen Repräsentativität für die aktuelle Forschung kritisch geprüft und der systemtheoretischen Perspektive gegenübergestellt, um den Terrorismus als ein auf der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft basierendes Phänomen zu begreifen.
2.2.2 Operation, Code und Medium des Terrors
Diese sozialstrukturellen Vorbedingungen beachtend, möchte ich mich nun der These des „System Terror“ widmen. Geht man wie Fuchs davon aus, dass Terror sich als System (und zwar als Funktionssystem) beobachten lässt, dann müssen einige Bedingungen der Eigenschaften erfüllt werden, die Funktionssysteme erst zu eben solchen machen. Wie wir im Rahmen der Erläuterungen zur funktionalen Differenzierung erkannt haben, besitzt jedes Funktionssystem eine sich vom funktionsfestlegenden Code ableitende Operationsform. Wolfgang Ludwig Schneider schlägt für den Terrorismus die naheliegende Elementaroperation „Anschlag“ vor, die dann auf den Funktionscode „erfolgreicher Schlag/Fehlschlag“ in Abgrenzung zum Code des (konventionellen) Krieges „Sieg/Niederlage“ mit der Elementaroperation „Gefecht“ schließen lassen würde (vgl. Schneider 2007: 129ff.). Die System/Umwelt-Differenz „Soldaten/Zivilisten“, die (zumindest idealtypisch) die Außengrenzen des System Krieg markieren soll, fällt bei der Betrachtung des Terrorismus vollkommen weg, denn die asymmetrischen Machtverhältnisse und die damit verbundene Einbeziehung von Zivilisten als ständige potentielle Opfer terroristischer Gewalt charakterisieren diese ja gerade. Der terroristische Schlag würde deshalb eben nicht „siegreich“, sondern „erfolgreich“ (und dies möglicherweise durchaus im Sinne des Waldmannschen „terroristischen Kalküls“ und der damit verbundenen Einbeziehung des eigentlichen „dritten“ Adressaten), nicht zuletzt deshalb, da ein „Sieg“ im klassischen Sinne der Unterwerfung oder Vernichtung des Gegners erstens unrealistisch scheint und dem Terror zweitens die Existenzgrundlage entziehen würde.
Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest, indem sie den Bedarf für systemtheoretische Ansätze in der Terrorismusforschung begründet und die Zielsetzung der Analyse der libanesischen Hisbollah umreißt.
1. Terrorismus mit Waldmann – exemplarisch?: Dieses Kapitel stellt Peter Waldmanns Terrorismuskonzept als repräsentativen "Mainstream"-Ansatz vor und analysiert kritisch Begriffe wie "terroristisches Kalkül" und die Organisationsstruktur von Terrorgruppen.
2. Systemtheoretische Ansätze zur Beobachtung des Terrorismus: Hier werden die Grundlagen der Systemtheorie eingeführt und der Terrorismus als mögliches Funktionssystem analysiert, das durch seine Kopplung mit Medien, Religion und Politik operiert.
3. Hisbollah - Die Partei Gottes?: Das Kapitel bietet eine historische und strukturelle empirische Analyse der Hisbollah als komplexe Organisation im libanesischen Kontext.
4. Die Partei Gottes - systemtheoretisch beobachtet: Die theoretischen Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln werden auf die Hisbollah angewendet, um deren Entwicklung systemtheoretisch neu zu bewerten.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass eine systemtheoretische Betrachtungsweise einen Perspektivwechsel ermöglicht, der den Terrorismus über einfache Kausalmodelle hinaus als Phänomen der funktionalen Differenzierung begreifbar macht.
Terrorismusforschung, Systemtheorie, Hisbollah, Peter Waldmann, Peter Fuchs, Funktionale Differenzierung, Terror, Kommunikation, Asymmetrische Kriegführung, Radikalisierung, Politische Gewalt, Organisation, Gesellschaft, Globalisierung, Massenmedien
Die Arbeit untersucht die Eignung systemtheoretischer Ansätze zur Beobachtung und Analyse des transnationalen Terrorismus, insbesondere im Vergleich zu konventionellen politikwissenschaftlichen Modellen.
Die zentralen Felder sind die Definition und Einordnung von Terrorismus, die Struktur von Terrororganisationen, die Wechselwirkung mit Funktionssystemen wie Religion und Medien sowie die empirische Analyse der Hisbollah.
Die Arbeit fragt, ob sich aus einer systemtheoretischen Analyse elementare Beobachtungsvorteile ergeben und wie diese zu einer präziseren Problemkonstruktion des Terrorismus beitragen können.
Es wird eine theoretische Auseinandersetzung geführt, die den systemtheoretischen Ansatz (insb. nach Luhmann und Fuchs) als Analyseraster nutzt, um diesen anschließend am empirischen Beispiel der Hisbollah zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit Peter Waldmanns Konzept, die theoretische Fundierung des "System Terror" und eine anschließende empirische Fallstudie zur Organisation der Hisbollah.
Wichtige Begriffe sind Funktionale Differenzierung, Terrorisierens-Operation, strukturelle Kopplung, das "terroristische Kalkül", der "parasitäre" Status des Terrorsystems und die Beobachtung zweiter Ordnung.
Die Hisbollah ist aufgrund ihrer komplexen Hybrid-Struktur – oszillierend zwischen transnationaler Terrororganisation, nationaler Protestbewegung und politischer Partei – theoretisch schwer erfassbar und bietet daher ein ideales Testfeld für die Leistungsfähigkeit systemtheoretischer Ansätze.
Der Autor schlägt vor, die Hisbollah als "multiparasitäre Organisation" zu betrachten, die im Laufe ihrer Entwicklung geschickt mit den Folgeproblemen funktionaler Differenzierung innerhalb der peripheren Moderne umgeht.
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