Bachelorarbeit, 2009
40 Seiten, Note: 2,1
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Einleitung
1. Die Sudetenkrise 1938
1.1. Hintergründe britischer Appeasement-Politik
1.2. Britische Politik in der Sudetenkrise Mai bis September 1938
2. Die Garantie für Polen und die Abtretung des Memellandes
2.1. Die britische Garantie für Polen
2.2. Großbritannien und das Memelland
3. Die gescheiterten Verhandlungen mit der Sowjetunion 1939
3.1. Lettland und Estland zwischen UdSSR und Deutschem Reich
3.2. Die Verhandlungen Mai bis August 1939
Zusammenfassung und Bewertung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Vorgehen der britischen Außenpolitik gegenüber Ostmitteleuropa in den Jahren 1938 und 1939. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Großbritannien auf die nationalsozialistische Expansionspolitik reagieren konnte, welche Handlungsspielräume und Alternativen innerhalb der britischen Regierung existierten und inwieweit die Appeasement-Politik eine rationale Reaktion auf die Herausforderungen der Zeit darstellte.
1.1. „An exceedingly vulnerable Empire“: Hintergründe britischer Appeasement-Politik
Britische Appeasement-Politik lässt sich nicht vor dem Hintergrund eines einzelnen Politikfeldes erklären. Innen- wie außenpolitische Motive sind mit ökonomischen und strategisch-militärischen Gesichtspunkten zu einer komplizierten Gemengelage verbunden.
Verglichen mit anderen Mächten, hatte Großbritannien in der Transformation von traditioneller (Kohle, Wolle, Stahl) zu moderner Industrie (Chemie, Elektrizität, Auto- statt Schiffsbau) wertvolle Zeit verloren und sah sich, analog zu 1914, der Gefahr eines Wettrüstens just zu einem Zeitpunkt ausgesetzt, als die nationale Wirtschaft mitten in der Umstrukturierung steckte. Die Frage war nicht, ob das Deutsche Reich aufrüsten würde, sondern ob sich diese Aufrüstung in Grenzen vollziehen würde, die Großbritannien nicht zu drastischen Einschränkungen in Bezug auf die heimische Ökonomie zwangen. Diese stand schließlich vor wichtigeren Fragen: Wie konnte man auf die strukturelle Herausforderung reagieren, die soziale Probleme mit sich brachte? Welche Rolle sollte der Staat spielen, wo wollte er eingreifen? „Appeasement can therefore be seen as a form of preventive diplomacy which was to ensure that economic recovery should be absorbed neither primarily nor totally by preoccupation with rearmament, but should benefit the social services.“ Ein Wettrüsten mit dem Deutschen Reich musste deswegen um nahezu jeden Preis vermieden werden.
Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung zur britischen Außenpolitik gegenüber Ostmitteleuropa und ordnet die Appeasement-Politik Chamberlains in den historischen Kontext der Jahre 1938/39 ein.
1. Die Sudetenkrise 1938: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen und strategischen Hintergründe der britischen Politik und analysiert, wie diese in der Sudetenkrise zu einer Fehleinschätzung der deutschen Absichten führte.
2. Die Garantie für Polen und die Abtretung des Memellandes: Das Kapitel behandelt den Kurswechsel zur Garantie für Polen nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei und diskutiert die Rolle der Baltischen Staaten, insbesondere Litauens und des Memellandes.
3. Die gescheiterten Verhandlungen mit der Sowjetunion 1939: Hier werden die schwierigen diplomatischen Bemühungen um ein Bündnis mit der Sowjetunion untersucht, die letztlich am Misstrauen, strategischen Differenzen und dem Hitler-Stalin-Pakt scheiterten.
Zusammenfassung und Bewertung: Das abschließende Kapitel reflektiert das Scheitern der britischen Politik im Licht der damaligen strategischen Zwänge und der Fehleinschätzung Hitlers durch die britische Regierung.
Appeasement-Politik, Neville Chamberlain, Britische Außenpolitik, Sudetenkrise, Garantie für Polen, Ostmitteleuropa, Sowjetunion, Hitler-Stalin-Pakt, Memelland, Strategische Sicherheit, Wettrüsten, Kriegsvorbereitung, Diplomatische Verhandlungen,Containment, Außenminister Halifax.
Die Arbeit befasst sich mit der britischen Außenpolitik in den Jahren 1938 und 1939 gegenüber Ostmitteleuropa und analysiert die Hintergründe und das Scheitern der sogenannten Appeasement-Politik.
Im Zentrum stehen die Sudetenkrise, die britische Garantieerklärung für Polen im März 1939, die Rolle der baltischen Staaten sowie die komplexen Verhandlungen mit der Sowjetunion.
Die Untersuchung versucht zu skizzieren, ob die britische Regierung unter Chamberlain anders hätte handeln können und auf welcher Wissensbasis ihre folgenschweren Entscheidungen am Vorabend des Krieges beruhten.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung der veröffentlichten "Documents on British Foreign Policy" (Telegramme zwischen Foreign Office und Botschaftern) sowie auf eine umfangreiche Analyse der Sekundärliteratur zu den Forschungskontroversen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die politischen Entscheidungsprozesse in London, die Reaktionen auf die deutsche Expansion (Sudetenland, Memelland, Polen) und die diplomatischen Kontakte zu Partnern wie Frankreich und der Sowjetunion.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Appeasement, Sicherheitsinteressen des Empire, strategische Fehleinschätzung, Containment und die diplomatische Isolation Osteuropas charakterisiert.
London hegte tiefes Misstrauen gegenüber der militärischen Schlagkraft der UdSSR nach Stalins Säuberungen und befürchtete, dass ein direktes Bündnis mit Moskau andere osteuropäische Staaten in die Arme Deutschlands treiben oder den Blockbildungs-Konflikt verschärfen würde.
Das Memelland galt als strategisch und ökonomisch zweitrangig für das britische Empire. Trotz diplomatischer Proteste nahm Großbritannien die Annexion durch Deutschland hin, da man "wichtigere Probleme" (wie den Schutz Polens) im Fokus hatte.
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