Bachelorarbeit, 2023
50 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Zur Definition der ‚Minne‘ im Nibelungenlied
3 Ein Vergleich der Brautwerbungsschemata
3.1 Siegfrieds und Gunthers Werbungen und deren Verknüpfung
3.2 Etzels und Giselhers Brautwerbungen
4 Minne als Status
4.1 Die Ebenbürtigkeit der jeweiligen Minne-Partner
4.2 Die politische Komponente
5 Minne als ein Gefühl?
6 Kontrastive Minne-Absichten der Figuren
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Konstruktionen der ‚Minne‘ im Nibelungenlied in Bezug auf die vier zentralen Ehekonstellationen des Werks. Das primäre Ziel ist es, Divergenzen zwischen den Minne-Konstruktionen kontrastiv herauszuarbeiten, die Konzepte der Ebenbürtigkeit und politischen Zweckmäßigkeit zu analysieren und mittels historischer Emotionsforschung zu prüfen, inwieweit sich die Minne als gefühlvolles Konstrukt jenseits reiner institutioneller Konventionen verstehen lässt.
3.1 Siegfrieds und Gunthers Werbungen und deren Verknüpfung
Siegfried wird als Figur in der zweiten Aventiure eingeführt und dabei als klassischer Brautwerber des Mittelalters beschrieben: er begunde mit sinnen werben schœniu wîp, di trûten wol mit êren des küenen Sîvrides lîp36. Als junger Recke wirbt er um die schönen Frauen und im selben Zuge wird dessen Werbung erwidert. Mehr Informationen liefert uns der Nibelungendichter dazu jedoch nicht, womöglich deshalb, weil Kriemhilt das eigentliche Zentrum von Siegfrieds Werbung darstellen wird. Siegfried, als auch Kriemhilt, sind dabei beide mit den Attributen als Schönster und Bester, beziehungsweise als Schönste und Beste ausgestattet worden. Dabei schreibt der Nibelungendichter bei Sîvrit, er sei eins vil edelen kuneges kint (NL, 18, 1) und ein snelle degen guot (NL, 19, 1). Als Sohn des Königs hat er damit einen hohen Status und sucht sich aus diesem Grund eine ihm ebenbürtige Frau. Dieses Schema wird insofern bestätigt, als Kriemhilt in allen landen niht schœners mohte sîn (NL, B1, 2). Siegfrieds zukünftige Frau hat damit den höchsten Rangstatus, da ihre Schönheit nicht zu übertreffen ist. Zudem pflâgen [ir] drîe kunege edel und rîch (NL, 2, 1), was für ihr adliges Umfeld spricht. Damit ist die Grundlage der Ehe bereits vor der ersten Begegnung gelegt. Rein objektiv betrachtet wird dabei das Schema der klassischen Brautwerbung bestätigt, wobei der schönste Mann und die edelste Frau zusammenfinden.
Zu Beginn der dritten Aventiure hört Sîvrit das erste Mal von Kriemhilts Existenz: er hôrte sagen mære, wi ein schœniu meit / wære in Burgonden […] (NL, 42, 2-3). Zunächst erfährt er lediglich über ihre Schönheit und ihre Herkunft. Obwohl Siegfried Kriemhilt nie zuvor gesehen hat, ist er davon überzeugt, um sie werben zu wollen: „sô wil ich Kriemhilden nemen, / die schœnen juncfrouwen von Burgonden lant, / durch ir unmâzen schœne“ (NL, 46, 4- 47, 2) und er truog in sîme sinne ein minnecliche meit, / […] di er noch nie gesach, […] (NL, 130, 2-3). Zuvor hatte er lediglich von Kriemhilt gehört, ist sich seiner Sache jedoch sicher. Das „Hörensagen“ ist nicht nur der Grund für Sîvrits Minne zu Kriemhilt, sondern gleichzeitig die Basis für die gesamte Werbung an sich.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verknüpfung von Frauendienst und Ehekonstruktionen im Nibelungenlied ein und skizziert das methodische Vorgehen sowie die zentrale Fragestellung der Untersuchung.
2 Zur Definition der ‚Minne‘ im Nibelungenlied: Das Kapitel bietet eine objektive Annäherung an das Konzept der mittelalterlichen ‚Minne‘ unter Berücksichtigung etablierter Forschungsmeinungen und des klassischen Brautwerbungsschemas.
3 Ein Vergleich der Brautwerbungsschemata: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der vier Brautwerbungen des Werks, wobei die strukturellen Unterschiede und die Rolle der Werbungshelfer im Vordergrund stehen.
4 Minne als Status: Dieses Kapitel untersucht die institutionelle Dimension der Minne, insbesondere im Hinblick auf soziale Ebenbürtigkeit und die politische Zweckmäßigkeit von Eheschließungen im mittelalterlichen Kontext.
5 Minne als ein Gefühl?: Hier wird der Versuch unternommen, mittels historischer Emotionsforschung zu klären, inwieweit die Minne im Nibelungenlied über den konventionellen institutionellen Charakter hinaus als persönliches Gefühl interpretiert werden kann.
6 Kontrastive Minne-Absichten der Figuren: Das Kapitel analysiert die subjektiven Absichten und Wahrnehmungen der unterschiedlichen Figuren im Werk in Bezug auf das Konzept der Minne.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Darlegung der zentralen Kontraste zwischen den untersuchten Ehekonstruktionen und der Bestätigung der verschiedenen Minne-Dimensionen.
Nibelungenlied, Minne, Brautwerbung, Mittelalter, Ehekonstruktion, Frauendienst, Ebenbürtigkeit, politische Erotik, historische Emotionsforschung, Siegfried, Kriemhilt, Gunther, Brünhilt, Etzel, Giselher
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Erscheinungsformen, Motivationen und Dimensionen der Minne innerhalb der Ehekonstruktionen des „Nibelungenliedes“.
Zentrale Themen sind die Analyse des klassischen Brautwerbungsschemas, die Bedeutung des sozialen Status und der Ebenbürtigkeit sowie die Frage nach Minne als persönliches Empfinden im Gegensatz zur rein institutionellen Eheschließung.
Ziel ist es, die Unterschiede in den Minne-Erscheinungsformen kontrastiv herauszuarbeiten und zu beleuchten, wie die einzelnen Figuren das Konzept der Minne für sich wahrnehmen.
Die Autorin nutzt eine strukturanalytische Untersuchung, kombiniert mit einem literaturwissenschaftlich-interpretatorischen Ansatz und Erkenntnissen der historischen Emotionsforschung nach Rüdiger Schnell.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Brautwerbungsschemata, die Untersuchung von Minne als Status (Ebenbürtigkeit/Politik), den Versuch einer Emotionsrekonstruktion sowie eine differenzierte Betrachtung der individuellen Absichten der Figuren.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Nibelungenlied, Brautwerbungsschema, Minne-Konstruktionen, Ebenbürtigkeit, institutionelle Eheschließung und historische Emotionsforschung beschreiben.
Siegfrieds Werbung erfolgt nach dem klassischen Schema und beruht auf einem friedlichen Aushandlungsprozess, während Gunthers Werbung durch ein Lügen- und Gewaltkonstrukt, maßgeblich unterstützt durch Siegfrieds Tarnkappe, geprägt ist.
Die politische Komponente ist eine konstante Garantie für den adligen Fortbestand. Bei Etzel ist sie besonders stark ausgeprägt, da nach dem Tod der Königin Helche eine schnelle Neubesetzung für die Stabilität des Hunnenreiches zwingend erforderlich ist.
Kriemhilts Einverständnis ist keine freiwillige Wahl, sondern wird durch den massiven Druck ihrer Brüder und die existenzielle Notlage, in die sie nach Siegfrieds Tod geraten ist, beeinflusst; ihr Ziel gilt dabei primär der Umsetzung ihres Racheplans.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

