Magisterarbeit, 2006
124 Seiten, Note: 1.0
0. Einleitung
0.1 Thema
0.2 Vorgehensweise
0.3 Thesen, Ziel und Aufbau der Ausarbeitung
0.4 Methodik und Forschungsstand
1. Sartres Ontologie und der aristotelische Satz vom Widerspruch
1.1 Sartre: Spaltung des Seins in kontradiktorische Seinsweisen (SN, Einleitung)
1.1.1 Der Zugang zum Sein durch das Bewusstsein
1.1.2 Von der (logischen) „Implikation“ zum „ontologischen Beweis“
1.1.3 Vom „ontologischen Beweis“ zur Bestimmung der Seinsweise des Bewusstseins
1.2 Der aristotelische Widerspruchsbegriff im Spannungsfeld zwischen Logik und Ontologie
1.2.1 Was heißt „Widerspruch“? (PERI HERMENEIAS 1-6; METAPHYSIK IV 7)
1.2.2 Die drei Formulierungen des Satzes vom Widerspruch
1.2.3 Exkurs: Aristoteles’ Begriff des Gegenstands
1.2.4 Die dreifache Bedeutung des hinter dem SvW stehenden Seinsbegriffs
1.2.5 Was bedeutet der Ausdruck „nicht-sein“? Von der parmenideischen Seinsfülle zur aristotelischen Negation (apophasis)
1.2.6 Kontradiktorischer und konträrer Gegensatz (PERI HERMENEIAS 7; KATEGORIEN 10)
1.2.7 Aristoteles’ Umgang mit Negationen in PERI HERMENEIAS 10
1.2.8 Resümee: Bedeutungsvielfalt der Negation
2. Ontologische Grundlegung und logische Herleitung der Negation
2.1 Ontologischer Aspekt: Freilegung der ursprünglichen Negation durch die „regressive Analyse“
2.1.1 Erste Begegnung mit dem Nichts durch das Fragen (SN, 1. Teil, 1. Kap., Abschnitt I-II)
2.1.2 Satznegation und phänomenale Negativität
2.2 Logischer Aspekt: Sartres Doktrin der kontradiktorischen Entgegensetzung
2.2.1 Stellung zu Hegels Begriffen des Nichts und der Negation (SN, 1. Teil, 1. Kap., Abschnitt III)
2.2.2 Exkurs: Sartres Argument gegen Hegel formalsemantisch gesehen
2.2.3 Sartres zweifache Definition des Seins (Einleitung, VI. Abschnitt)
2.2.4 Identität und Widerspruch als logische Kategorien in Sartres Seinsdefinition
2.3 Logisch-ontologischer Aspekt: Sartres Adaption von Aristoteles’ Begriff des „Dieses“ in seiner Abgrenzung des Nicht-seins vom Sein
2.4 Auseinandersetzung mit Heideggers Auffassung des Nichts (SN, 1. Teil, 1. Kap., Abschnitt IV)
2.4.1 Heidegger in Sartres Wiedergabe
2.4.2 Der fundamentalontologische Hintergrund
2.4.3 Das Nichts als Ursprung des verneinenden Urteils
2.4.4 Diesseitig- oder Jenseitigkeit des Nichts?
2.4.5 Die Negatitäten
2.5 Zwischenfazit: Sartres Stellung zur Logik
3. Vorbild Kant: Transzendentale Erweiterung der formallogischen Auffassung der Negation
3.1 Kant als Ontologe: „Sein ist kein reales Prädikat“
3.2 Realität, Negation, Limitation
3.3 Kants Unterscheidung zwischen Widerspruch und Realpugnanz
3.4 Das Sein der Erscheinungen
3.5 Sartres Negatitäten im Rahmen von Kants Theorie der Realpugnanz
3.5.1 Die Beziehung zwischen Realität und Empfindung bei Kant
3.5.2 Sartres Beispiele für Negatitäten
3.6 Zwischenfazit: Kants Ontologie als Vorläuferin der Sartreschen
4. Wie hängen Negation und Nichts zusammen?
4.1 Nihil negativum und nihil privativum
4.2 Das Transzendenzproblem
4.3 Die große Synthese
4.3.1 Zwei Formen der Negation (SN, 2. Teil, 3. Kapitel)
4.3.2 Transzendenz als interne Negation
4.3.2.1 Dyade Spiegelung-Spiegelndes
4.3.2.2 Anwesendsein als Nicht-sein
4.3.2.3 „Verneinte Identität“ statt Verschmelzung
4.3.3 Bewusstsein – Dieses – Welt
4.3.4 Resümee
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Ontologie und Logik innerhalb der Negationstheorie von Jean-Paul Sartre. Das primäre Ziel ist es, Sartres Begriff der Negation durch einen Rückgriff auf das aristotelische Verständnis des Satzes vom Widerspruch sowie durch die Analyse seiner Auseinandersetzung mit Hegel, Heidegger und Kant neu zu bestimmen und zu systematisieren.
0.1 Thema
In der vorliegenden Untersuchung geht es um einen in der Philosophie sehr schillernden Begriff: die Negation. Unter diesem Begriff wurde und wird von verschiedenen Philosophen und zu verschiedenen Zeiten Unterschiedliches verstanden. Es gibt zahlreiche Kontroversen, in denen sich Vertreter unterschiedlicher Schulrichtungen gegenseitig vorwerfen, mit „Negation“ – oder äquivalent mit „Verneinung“ – etwas zu meinen, das mit Negation gar nichts zu tun habe. Einige verstehen unter „Negation“ eine sprachliche oder geistige Operation, anderen dagegen einen Vorgang im „wirklichen Leben“. Die letztere Bedeutung kann man eine „ontologische“ nennen, wogegen die zuerst genannte als „logisch“ gelten kann. Ob beide Bedeutungen miteinander kompatibel sind, wird selten erwogen.
Jean-Paul Sartre (1905-1980), um dessen Negationsbegriff es hier gehen soll, versteht die Negation selber in mehrdeutiger Weise. Das macht es in bestimmten Zusammenhängen schwer, zu verstehen, was er jeweils damit meint. Dennoch scheint klar, dass Sartre im weitesten Sinn zu denjenigen Philosophen gehört, welche die Negation in der „ontologischen“ Bedeutung verstehen. Interessant ist aber, dass Sartre gewisse Aspekte der „logisch“ zu verstehenden Auffassung in seinen Negationsbegriff integriert.
In Sartres philosophischem Hauptwerk DAS SEIN UND DAS NICHTS (L’ETRE ET LE NEANT), das 1943 erschienen ist, spielt der Begriff der Negation (négation) eine zentrale Rolle. Er ist einer der Grundbegriffe, aus denen heraus Sartre in SN seine sogenannte „phänomenologische Ontologie“ entwickelt. Im ersten Kapitel des ersten Teils, das die Überschrift „Der Ursprung der Negation“ trägt, nähert sich Sartre schrittweise demjenigen, was er unter Negation versteht. Dabei findet man keine Definitionen sondern eher Umschreibungen: Das Phänomen der Negation wird von Sartre von verschiedenen Ebenen aus betrachtet. Dabei macht er von Anfang an deutlich, dass er den Begriff der Negation in untrennbarem Zusammenhang mit dem Begriff des Nichts (néant) sieht.
0. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Negation bei Sartre ein, grenzt es gegen logische sowie ontologische Auffassungen ab und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die zentralen Thesen der Arbeit.
1. Sartres Ontologie und der aristotelische Satz vom Widerspruch: Dieses Kapitel erarbeitet Sartres Spaltung des Seins in kontradiktorische Seinsweisen und setzt diese in Bezug zu Aristoteles' Verständnis des Widerspruchs im Spannungsfeld zwischen Logik und Ontologie.
2. Ontologische Grundlegung und logische Herleitung der Negation: Hier wird Sartres Einführung der Begriffe Nichts und Negation analysiert, wobei besonders die ontologische Fundierung der Negation gegenüber der Kritik an traditionellen logischen Sichtweisen im Zentrum steht.
3. Vorbild Kant: Transzendentale Erweiterung der formallogischen Auffassung der Negation: Dieses Kapitel untersucht die methodischen Parallelen zwischen Kant und Sartre, insbesondere wie Kants Theorie der Realpugnanz und das unendliche Urteil Sartres Konzept der Negatitäten vorwegnehmen.
4. Wie hängen Negation und Nichts zusammen?: Der abschließende Hauptteil widmet sich der Synthese von Negation und Nichts, indem Sartres "große Synthese" durch die Analyse der internen und externen Negation im Kontext von Transzendenz erläutert wird.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und würdigt Sartres Versuch, Logik und Ontologie zu einer ganzheitlichen Negationstheorie zu vereinen.
Sartre, Das Sein und das Nichts, Negation, Nichts, Ontologie, Aristoteles, Satz vom Widerspruch, Heidegger, Kant, Transzendenz, Phänomenologie, Für-sich-sein, An-sich-sein, Negatitäten, Logik
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Negationsbegriffs bei Jean-Paul Sartre, eingebettet in sein Hauptwerk "Das Sein und das Nichts", und analysiert dessen ontologische Grundlagen sowie die historischen Rückgriffe auf Philosophen wie Aristoteles, Hegel, Heidegger und Kant.
Die Arbeit behandelt die Ontologisierung der Negation, die Abgrenzung von Sartres Ansatz gegenüber einer rein formal-logischen Auffassung sowie die Rolle des Nichts bei der Konstitution von Phänomenen und der Seinsweise des Menschen.
Das primäre Ziel ist es, den bei Sartre oft mehrdeutigen Begriff der Negation durch eine systematische Rekonstruktion aus der Sicht des aristotelischen Satzes vom Widerspruch neu zu verstehen und die notwendigen Rückgriffe Sartres auf die Philosophiegeschichte aufzuzeigen.
Die Untersuchung folgt einer philosophiehistorischen und analytischen Methode, die sich auf eine "regressive Analyse" stützt, um die ontologischen Voraussetzungen hinter Sartres Begriffsbildung zu dekonstruieren und die philosophischen Einflüsse nachzuweisen.
Im Hauptteil werden Sartres Ontologie des Seins, die Kritik an Hegel, der methodische Bezug zu Heideggers Daseinsanalyse sowie die Einbettung in Kantische Denkkategorien wie das limitative Urteil detailliert diskutiert.
Wichtige Begriffe sind Sartres Seinsphänomene (Für-sich und An-sich), Negatitäten, die ontologische Differenz, Transzendenz, der Satz vom Widerspruch sowie die Unterscheidung zwischen logischer und ontologischer Verneinung.
Obwohl Sartre ihn nicht explizit immer als Quelle nennt, übernimmt er wesentliche Aspekte des aristotelischen Begriffs des kontradiktorischen Gegensatzes, um das Verhältnis von Sein und Nicht-sein in seiner eigenen Ontologie systematisch zu begründen.
Sartre löst das Transzendenzproblem durch seine Theorie der internen und externen Negation, bei der das "Für-sich" (das menschliche Bewusstsein) sich durch einen Akt der "Nichtungs"-Bewegung in Relation zur Welt setzt und so die Trennung und zugleich Verbindung beider Bereiche erst ermöglicht.
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