Bachelorarbeit, 2017
155 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
Einleitung
I Die Rolle der Familie
1.1 Familienformen
1.2 Familienkulturen
1.3 Familiärer Alltag
1.4 Psychische Grundbedürfnisse
1.5 Zusammenfassung
II Geschwisterbeziehungen
2.1 Geschwisterbeziehungen - das beeinflussende und beeinflusste Gefüge
2.2 Bedeutung der Geschwisterbeziehung füreinander
2.3 Besondere Geschwisterbeziehungen
2.4 Zusammenfassung
III Institutioneller und gesetzlicher Rahmen familienanaloger
Settings der Jugendhilfe
3.1 Rechtliche Regelungen
3.2 Qualitätsdiskurs
3.3 Zusammenfassung
IV Leben, Entwickeln und Scheitern familienanaloger Settings
mit leiblichen Kindern
4.1 Ursprungseltern, Herkunftseltern
4.2 Maßnahmenkinder, Pflegekinder, Erziehungsstellenkinder
4.3 Pflegefamilien/ Erziehungsstellen-/ Kinderhaus-/Betreibereltern
4.4 Leibliche Kinder der Maßnahmeneltern
4.5 Sicheres, konstantes Zuhause versus unsteter Lebensabschnitte u.
Heimkarrieren
V Familie sein mit leiblichem Kind und Pflegekind ist mehr als die
Addition von Kindern
5.1 Innerfamiliäre Ebenen
5.2 Ebene der Jugendhilfe/ des Auftrages
5.3 Resümee, Konsequenz
IV Fazit
Die Arbeit untersucht die komplexe Dynamik in familienanalogen Settings der Jugendhilfe unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenlebens von Pflegekindern und den leiblichen Kindern der Pflegeeltern. Das primäre Ziel ist es, das Beziehungsgeflecht in diesen Settings zu beleuchten, die Notwendigkeit fachlicher Unterstützung herauszuarbeiten und die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich die Anwesenheit leiblicher Kinder auf den Familienbildungsprozess und das Wohlbefinden aller Beteiligten auswirkt.
Motivation und pflegefamiliäres Selbstverständnis
Pflegefamilien leben durchschnittlich in mittleren wirtschaftlichen Situationen mit traditioneller Arbeitsteilung (vgl. Helming, 2011; Erzberger, 2003). Die Motivation ein Pflegekind aufzunehmen ist sehr vielfältig. So zeigen sich soziale Beweggründe wie etwas Gutes tun zu wollen, noch Platz im Herzen zu haben (vgl. Helming, 2011; Hopp, 2010), von den Kindern ausgewählt worden zu sein (in manchen Jugendämtern sind bis zu 25% der Pflegeltern durch unterschiedlichste Kontakte zu den Kindern zur Aufnahme dieser gekommen) (Hopp, 2010, S. 3), wie auch berufliche Gründe (bei Erzieherinnen, Soziarbeiterinnen/- pädagoginnen, welche die primäre Gruppe der familienanalogen Settings nach § 34 SGB VIII pflegenden Berufsgruppen darstellen ), wie z.B. Selbstbestimmung im Beruf, mit dem Partner zusammenarbeiten zu können oder Beruf und Familie/ eigene Kinder vereinen zu können (vgl. Gizzi, 2002; Hopp 2010).
Desweiteren sind auch private Gründe, wie z.B. kein eigenes Kind (mehr) bekommen zu können (Pflegestelle als Alternative zur Adoption, als Spielkameraden für das leibliche Kind), den Wunsch gebraucht zu werden (vgl. Helming, 2011; Hopp, 2010), zur Entspannung von Ehekrisen, um eine eigene innere Leere zu beseitigen (Paltinat & Warzecha, 1999, S. 13) zu Kriterien „eines biografischen Projekts“ (Helming, 2011, S. 256) Pflegeltern zu werden. „Die Auseinandersetzung und Konfrontation mit der jeweiligen individuellen Motivationsstruktur ist eine zentrale Statuspassage, die nicht unerheblich zum Ge- oder Misslingen eines Pflegeverhältnisses beiträgt“ (Paltinat & Warzecha, 1999, S. 13).
Die Motivation Pflegefamilie oder Kinderhaus zu werden, geht mit dem Selbstverständnis, der Ideologie des eigenen Pflegefamilienlebens einher. Das „pflege-familiäre Selbstverständnis (verändert sich ) über die Zeit nicht bedeutsam“ so Gassmann (2010, S. 248) in ihrer Studie. Die im deutschen Pflegekinderwesen (und ebenso in anderen familienanalogen Settings) sich unversöhnlich gegenüberstehenden ideologischen Positionen von Ergänzungs- und Ersatzfamilien unterscheiden sich primär in ihren differenten Konzepten bezüglich der Wichtigkeit leiblicher Eltern der Pflegekinder während des Zusammenlebends von Pflegekind und Pflegefamilie (vgl. Gehres & Hildenbrand, 2008; Sauer, 2008).
I Die Rolle der Familie: Dieses Kapitel definiert Familie in ihrer heutigen Formenvielfalt und betont die Bedeutung individueller Grundbedürfnisse für ein gesundes Zusammenleben.
II Geschwisterbeziehungen: Hier wird die Geschwisterbeziehung als zentraler Entwicklungsfaktor analysiert, der sowohl positive Entwicklungsressourcen als auch Konfliktpotenziale birgt.
III Institutioneller und gesetzlicher Rahmen familienanaloger Settings der Jugendhilfe: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen und die Steuerung von Pflegeverhältnissen durch Jugendämter und freie Träger.
IV Leben, Entwickeln und Scheitern familienanaloger Settings mit leiblichen Kindern: Dieser Teil befasst sich intensiv mit der Rolle der Herkunftsfamilien, dem Prozess der Inpflegenahme und den spezifischen Chancen und Risiken für leibliche Kinder.
V Familie sein mit leiblichem Kind und Pflegekind ist mehr als die Addition von Kindern: Das Schlusskapitel verdichtet die Erkenntnisse zu einem Prozessmodell, das die Notwendigkeit individueller Unterstützung und die Vielschichtigkeit des "Doing Family" unterstreicht.
Pflegefamilie, familienanaloge Settings, leibliche Kinder, Jugendhilfe, Geschwisterbeziehung, Sozialisation, Identitätsbildung, Bindungstheorie, Familienbildung, Pflegekinderforschung, Erziehungsstelle, Beziehungsgeflecht, Abbruchrisiko, Qualitätsdikurs, Pädagogik
Die Bachelorarbeit thematisiert die Herausforderungen und Chancen in Pflegefamilien, insbesondere den Einfluss der Anwesenheit leiblicher Kinder auf den Familienbildungsprozess und die Stabilität des Pflegeverhältnisses.
Zentrale Themen sind die Beziehungsdynamik zwischen Pflege- und leiblichen Kindern, die Erziehungsleistung unter institutioneller Beobachtung sowie die pädagogische und rechtliche Einordnung von Pflegefamilien.
Es geht darum, die Vielschichtigkeit der Beziehungen in familienanalogen Settings zu verdeutlichen und aufzuzeigen, dass die Integration eines Pflegekindes nicht als bloße Hinzufügung zu verstehen ist, sondern als radikale Neugestaltung des Familiensystems.
Die Autorin nutzt eine tiefgehende Literaturanalyse, wertet aktuelle Forschungsergebnisse zum Pflegekinderwesen aus und verwendet theoretische Modelle (wie die Konsistenztheorie nach Grawe oder die Figurationstheorie nach Wolf), um die komplexe Situation der Familien zu interpretieren.
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Rahmung, die psychologischen Grundlagen von Bindung und Geschwisterbeziehungen sowie spezifische Belastungskonstellationen, die zum Scheitern oder Gelingen von Pflegeverhältnissen beitragen können.
Schlüsselbegriffe sind "Doing Family", institutionelle Geschwisterschaft, Sozialisationsbedingungen, Entwicklungsaufgaben und die Belastungs-Ressourcen-Balance.
Die Autorin hebt hervor, dass leibliche Kinder in der Forschung oft marginalisiert werden, obwohl sie aktive Mitgestalter des Familienalltags sind und massiv von der institutionellen Prägung des familiären Raumes beeinflusst werden.
Die Arbeit fordert eine stärkere Professionalisierung und individuelle Beratung, die nicht nur das Pflegekind, sondern alle Familienmitglieder einbezieht, um "Abbruchkarrieren" zu verhindern und die Stabilität des Settings zu sichern.
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