Masterarbeit, 2009
108 Seiten, Note: 1,1
Geowissenschaften / Geographie - Meteorologie, Aeronomie, Klimatologie
1. EINLEITUNG
2. BESTANDSAUFNAHME DER KLIMAWISSENSCHAFT
2.1. DIE EINFLUSSFAKTOREN DES KLIMAS
2.1.1. NATÜRLICHE FAKTOREN
2.1.2. ANTHROPOGENE FAKTOREN
2.2. DIE KLIMAARCHIVE DER ERDE – INSTRUMENTE ZUR MESSUNG DER KLIMAVERÄNDERUNG
2.3. AUSMAß DER BISHERIGEN KLIMAVERÄNDERUNGEN IN DER ERDGESCHICHTE
2.3.1. PALÄOKLIMA
2.3.2. DAS KLIMA IM HOLOZÄN
2.3.3. REZENTER KLIMAWANDEL
2.4. VORHERSAGEN ZUR KÜNFTIGEN KLIMAENTWICKLUNG UND IHREN FOLGEN
2.5. MAßNAHMEN GEGEN DEN KLIMAWANDEL
3. THEORETISCHE UND KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN ZUR ANALYSE DES KLIMADISKURSES
3.1. WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE GRUNDLAGEN DER KLIMAFORSCHUNG
3.1.1. HETEROGENITÄT DER KLIMAWISSENSCHAFT ALS DISZIPLIN
3.1.2. GRENZEN DES FALSIFIKATIONISMUS
3.1.3. KLIMAWISSENSCHAFT ALS „POST-NORMAL SCIENCE“ IM „MODUS 2“
3.1.4. UNKLARE PROBLEMDEFINITION: WAS IST „GEFÄHRLICHER KLIMAWANDEL“?
3.2. WISSENSCHAFTSSOZIOLOGISCHE KONSEQUENZEN – ZUM VERHÄLTNIS VON WISSENSCHAFT, MEDIEN UND POLITIK
3.2.1. WISSENSCHAFT UND MEDIEN
3.2.2. WISSENSCHAFT UND POLITIK
3.2.3. RÜCKWIRKUNGEN DER KLIMADISKUSSION AUF DIE WISSENSCHAFT
3.3. SYNTHESE: DAS ANALYTISCHE KONZEPT ZUR ERKLÄRUNG DES KLIMADISKURSES
4. CHRONOLOGIE UND CHARAKTERISTIKA DES KLIMADISKURSES
4.1. VORLÄUFER DES KLIMADISKURSES: GÜNSTIGE ERWÄRMUNG UND GEFÄHRLICHE ABKÜHLUNG
4.2. DIE NATIONALE INITIALZÜNDUNG: DIE KATASTROPHENMELDUNG DER DPG
4.3. DER KATALYSATOR: DER HITZESOMMER 1988 IN DEN USA
4.4. DIE INTERNATIONALE INSTITUTIONALISIERUNG: IPCC UND KLIMARAHMENKONVENTION
4.5. DAS KYOTO-PROTOKOLL
4.6. VERSTETIGUNG DES KLIMADISKURSES NACH KYOTO
5. KOMPARATIVE ANALYSE DER DISKURSE KLIMAWANDEL, WALDSTERBEN UND OZONLOCH
5.1. WALDSTERBEN
5.2. OZONLOCH
6. ZUSAMMENFASSUNG
Die Arbeit untersucht die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels und analysiert, wie sich das Konzept des Klimawandels von einer fachwissenschaftlichen Debatte zu einem zentralen, politisch handlungsrelevanten Megathema in Medien und Gesellschaft entwickelt hat.
3.1.2. Grenzen des Falsifikationismus
Die Auflösung der Kontroversen in der Klimawissenschaft wird durch die Tatsache erschwert, dass die sonst üblichen „Spielregeln“ der wissenschaftlichen Streitschlichtung weitgehend außer Kraft gesetzt sind. Nach dem von Karl Popper propagierten Falsifikationismus erweist sich die Güte einer wissenschaftlichen Theorie nicht in ihrer wiederholten Bestätigung (Verifikation), sondern im dauerhaften Scheitern intelligenter Versuche, sie zu widerlegen (Falsifikation; Popper 1959). Vor allem in den Naturwissenschaften ist dieses Falsifikationsprinzip ein im Allgemeinen gut funktionierendens Instrument, um im wissenschaftlichen Wettbewerb um neue Ideen Sieger und Verlierer zu bestimmen. Selbst komplizierteste Thesen etwa aus der theoretischen Physik lassen sich durch Experimente wie bspw. den Einsatz von Teilchenbeschleunigern zwar nicht ohne erheblichen Aufwand, aber doch prinzipiell lösen.
Im Bereich der Klimawissenschaften stellt sich dagegen das grundlegende methodische Problem, dass aufgrund der Eigenart der wissenschaftlichen Prognosen eine Überprüfung der Theorien und Hypothesen zumindest kurzfristig zumeist nicht möglich ist (Petersen 2000: 268f; Saloranta 2001: 397). Die Aussage, die Verdoppelung des CO2-Gehalts der Luft führe zu einem Temperaturanstieg von x °C kann nicht direkt im Labor, sondern erst nach dem tatsächlichen Eintreten des CO2-Anstiegs widerlegt werden. Auch die Vorhersage, ein Temperaturanstieg von x °C führe zum Abschmelzen der Polkappen oder zur Zunahme gefährlicher Wirbelstürme um y % gegenüber dem Status quo ist zwar das Ergebnis komplexer Simulationsrechnungen mit Hilfe modernster Hochleistungsrechner. Bestätigung findet die Theorie aber erst dann, wenn der Temperaturanstieg und die angedrohten Konsequenzen tatsächlich eingetreten sind.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Klimawandels als öffentliches Thema ein und erläutert die zentrale Hypothese, dass epistemologische Besonderheiten der Klimaforschung den lang anhaltenden und kontroversen Diskurs mitbestimmen.
2. BESTANDSAUFNAHME DER KLIMAWISSENSCHAFT: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die natürlichen und anthropogenen Faktoren des Klimasystems sowie die Instrumente zur Rekonstruktion vergangener Klimaveränderungen und Prognose künftiger Entwicklungen.
3. THEORETISCHE UND KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN ZUR ANALYSE DES KLIMADISKURSES: Es wird das theoretische Gerüst entwickelt, das die Klimawissenschaft als "Post-Normal Science" beschreibt und das Verhältnis von Wissenschaft, Medien und Politik im Klimadiskurs beleuchtet.
4. CHRONOLOGIE UND CHARAKTERISTIKA DES KLIMADISKURSES: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Verlauf und die Ereignisse, die den Klimawandel zu einem politisch relevanten Thema auf nationaler und internationaler Ebene gemacht haben.
5. KOMPARATIVE ANALYSE DER DISKURSE KLIMAWANDEL, WALDSTERBEN UND OZONLOCH: Ein Vergleich der Klimadebatte mit den Umweltdiskursen "Waldsterben" und "Ozonloch" dient dazu, die Erfolgsfaktoren für die Etablierung des Klimadiskurses herauszuarbeiten.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer rationaleren Analyse von Katastrophenmeldungen im Klimadiskurs.
Klimawandel, Klimaforschung, Treibhauseffekt, Post-Normal Science, Klimadiskurs, Medienberichterstattung, Klimapolitik, IPCC, Waldsterben, Ozonloch, Emissionshandel, Anthropozän, Unsicherheit, Wissenschaftssoziologie, Diskursanalyse
Die Arbeit untersucht, wie das wissenschaftliche Konzept des Klimawandels in den gesellschaftlichen, medialen und politischen Diskurs gelangt ist und dort zur Legitimation politischen Handelns genutzt wird.
Die zentralen Felder sind die Klimawissenschaft als komplexe Disziplin, die mediale Vermittlung komplexer wissenschaftlicher Sachverhalte sowie die politische Dynamik internationaler Klimakonferenzen und Abkommen.
Das Ziel ist es, den Prozess zu analysieren, über den das Konzept des Klimawandels aus Expertenzirkeln in die breite Öffentlichkeit gelangte und schließlich als "Megathema" die politische Agenda dominierte.
Die Arbeit stützt sich auf diskursanalytische Ansätze, wissenschaftstheoretische Überlegungen zur "Post-Normal Science" sowie einen komparativen Vergleich mit anderen historischen Umweltdiskursen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Bestandsaufnahme der Klimawissenschaft, der theoretischen Fundierung des Diskurses sowie einer detaillierten Chronologie der Klimadebatte von den Vorläufern bis zur internationalen Institutionalisierung.
Wichtige Begriffe sind Klimawandel, Post-Normal Science, Klimadiskurs, Medialisierung, politische Agenda-Setting, IPCC und ein vergleichender Blick auf Waldsterben und Ozonloch.
Weil sie in einem Umfeld agiert, in dem Fakten unsicher sind, hohe Einsätze (wie das Überleben der Menschheit) auf dem Spiel stehen und Entscheidungen unter hohem Zeitdruck getroffen werden müssen.
Während sich das Waldsterben als klassische "normale Wissenschaft" durch Experimente falsifizieren oder bestätigen ließ, entziehen sich Klimaprognosen aufgrund ihrer Komplexität und langen Zeiträume der kurzfristigen Widerlegung.
Die Medien fungieren als Selektionsinstanz, die komplexe wissenschaftliche Ergebnisse durch "Katastrophenmetaphern" vereinfacht und für die Öffentlichkeit anschlussfähig macht, um Aufmerksamkeit zu maximieren.
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