Examensarbeit, 2023
113 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Methodische Vorgehensweise
3 Finanzmarktkapitalismus und Finanzialisierung
4 Finanzmärkte
4.1 Akteure des Finanzmarktkapitalismus
4.1.1 Anlegerpublikum
4.1.2 Kapitalmarktorientierte Unternehmen
4.1.3 Investmentgesellschaften
4.1.4 Analysten
4.1.5 Ratingagenturen
4.1.6 Exkurs: WallStreetBets – Revolte der Kleinanleger
4.2 Logiken und Transfermechanismen
4.2.1 Zwischen Spiegeln und Rückspiegel – Erwartung(s)-Erwartungen
4.2.2 Eigentümerstrukturen im Wandel – Haltedauer von Aktien
4.2.3 Fix it, sell or close – Markt für Unternehmenskontrolle
4.2.4 Neustrukturierung der Besitzverhältnisse – Aktienoptionen
4.2.5 Exit-Option als Machtinstrument – Feindliche Übernahmen
5 Finanzialisierung der Wirtschaft
5.1 Shareholder Value
5.2 DAX-30 Praxischeck – Shareholder Value in Deutschland
6 Finanzialisierung der Gesellschaft
6.1 Wohlstands- und Vermögensentwicklung in Deutschland
6.2 Aktienkultur in Deutschland
6.3 Eigentümerquote in Deutschland
7 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht den Finanzmarktkapitalismus in Deutschland mit dem Ziel, den Grad der Finanzialisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu bestimmen und theoretisch einzuordnen. Dabei wird der zentralen Forschungsfrage nachgegangen, wie es um den Finanzmarktkapitalismus in Deutschland steht und inwiefern sich das System dem Einfluss internationaler Finanzmärkte entziehen kann.
4.1 Akteure des Finanzmarktkapitalismus
Mit dem Finanzmarktkapitalismus geht der Aufstieg der Finanzwirtschaft als Ganzes einher. Diese lässt sich jedoch in mehrere Akteure untergliedern, die ganz unterschiedliche Funktionen in diesem System übernehmen. Man geht von einer neuen Funktionselite auf den internationalen Finanzmärkten aus (vgl. Windolf 2008: 516). Windolf (2005) schlägt dazu im Wesentlichen eine Differenzierung in Investmentfonds, Analysten und Ratingagenturen vor. Diese wird im Folgenden als Grundlage genommen, um jene Akteure aktualisiert in den Blick zu nehmen. Windolfs Überlegungen werden dazu weiterentwickelt und ergänzt, sodass auch neue Akteure inkludiert werden.
4.1.1 Anlegerpublikum Es wurde bereits umfassend dargelegt, dass die Deregulierung der Finanzmärkte nur ein Bedingungsfaktor für die Entstehung des Finanzmarktkapitalismus war. Der Einfluss wuchs schlussendlich erst mit dem immer größer werdenden Kapitalstrom, der aus weiten Teilen der Gesellschaft in den Finanzsektor floss (beziehungsweise nach wie vor fließt). Daher wird das Anlegerpublikum ebenfalls als ein entscheidender und auch als erster Akteur angeführt. Eine solche homogene Klassifizierung ist jedoch nur mit Blick auf die Absicht der Anleger zulässig, die sich durchaus vereinheitlichen lässt: Das Anlegerpublikum investiert mit dem Ziel einer Rendite, „Millionen von Aktien- und Fondsanteilbesitzer erwarten ‚Erträge‘ auf ihr Geld“ (Deutschmann 2019: 221). Mit einer Investition am Kapitalmarkt ist immer die Erwartung einer zukünftigen Wertsteigerung verbunden. Dabei ist zweitrangig, ob ein Anleger direkt in Aktien oder über ein Fondsprodukt seiner Hausbank investiert. Im Unterschied zu früheren Zeiten wird die Dominanz des Finanzsektors und damit auch die Finanzialisierung nicht von einer kleinen Elite, sondern von der breiten Mittelschicht getragen (vgl. Heires/Nölke 2011: 41). Damit der Kapitalzufluss nicht abebbt, wird das Anlegerpublikum täglich mit Finanzmarktprodukten konfrontiert, die zum Werterhalt oder zur Wertsteigerung des Vermögens beitragen sollen. In einer Untersuchung zu den TV-Spots kurz vor der 20 Uhr Tagesschau belegt die Werbung für Kapitalanlagen Platz 4, womit jeden Abend alleine vor diesem Format zwischen 11 und 12 Millionen Zuschauer erreicht werden (Analyx 2022).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Finanzmarktkapitalismus ein, beleuchtet die historische Relevanz seit der Finanzkrise 2008 und formuliert die Forschungsfrage sowie die zentralen Thesen der Arbeit.
2 Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, das primär auf einer theoretischen sowie literaturgestützten Analyse basiert und aktuelle statistische Daten für Zeitvergleiche nutzt.
3 Finanzmarktkapitalismus und Finanzialisierung: Hier wird das Konzept des Finanzmarktkapitalismus als neues Produktionsregime definiert und die Bedeutung der Finanzialisierung für Wirtschaft und Gesellschaft herausgearbeitet.
4 Finanzmärkte: Es werden die Funktionsweise der Finanzmärkte sowie die Akteure, Logiken und Transfermechanismen detailliert analysiert, welche die Dynamik des Finanzmarktkapitalismus prägen.
5 Finanzialisierung der Wirtschaft: Dieses Kapitel untersucht den Einfluss von Finanzmarktakteuren auf die Unternehmensführung sowie die Leitidee des Shareholder Value anhand eines Praxischecks der DAX-30-Unternehmen.
6 Finanzialisierung der Gesellschaft: Der Fokus liegt hier auf der Auswirkung des Finanzmarktkapitalismus auf die Vermögensentwicklung, die Aktienkultur und die Eigentümerquote in der deutschen Bevölkerung.
7 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der zentralen Erkenntnisse, bestätigt die aufgestellten Thesen zur Finanzialisierung und reflektiert über zukünftige Herausforderungen.
Finanzmarktkapitalismus, Finanzialisierung, Shareholder Value, Kapitalmärkte, Investmentgesellschaften, DAX-30, Renditedruck, Aktienkultur, Anlegerpublikum, Unternehmenssteueung, Vermögensverteilung, Finanzkrise, ökonomische Dynamik.
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse des Finanzmarktkapitalismus in Deutschland und der Frage, inwieweit die Finanzialisierung die Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft beeinflusst.
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle der Finanzmarktakteure, die Logik hinter der Shareholder-Value-Steuerung und deren Folgen für Unternehmen, sowie der Wandel der Aktienkultur und Vermögensentwicklungen in Deutschland.
Ziel ist es, den Fortschritt des Finanzmarktkapitalismus in Deutschland zu beurteilen und aufzuzeigen, wie finanzwirtschaftliche Logiken tief in realwirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse eingedrungen sind.
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische und literaturgestützte Analyse, die durch die Auswertung aktueller statistischer Daten und Berichte ergänzt wird, um Entwicklungsvergleiche seit der Finanzkrise 2008 durchzuführen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Akteure (Investoren, Unternehmen, Analysten, Ratingagenturen) sowie Transfermechanismen wie feindliche Übernahmen und Aktienoptionen.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Finanzialisierung, Shareholder Value, Renditedruck sowie die Transformation der Mittelschicht durch Aktienkultur aus.
Die Finanzkrise dient als Ausgangspunkt der Betrachtung, da sie den Fokus der Wissenschaft auf den Finanzmarktkapitalismus verschärfte und als Vergleichspunkt für die wirtschaftliche Stabilität und den beobachteten Boom der Finanzmärkte dient.
Der Praxischeck zeigt, dass die Shareholder-Value-Orientierung bei Deutschlands größten Unternehmen weiterhin intakt ist, wobei Gewinne stärker in Ausschüttungen als in nachhaltige oder sozial-ökologische Investitionen fließen.
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