Bachelorarbeit, 2008
45 Seiten, Note: 1,8
Einleitung
1. Unterscheidung zwischen „Begriff“, „Wort“ und „Bedeutung“
2.Theoretische Modelle zur Begriffs- und Bedeutungsentwicklung
2.1 Semantische Merkmalshypothese
2.2 Funktionale Kernhypothese
2.3 Prototyptheorie
2.4 Das Modell von Bowerman zur Begriffs- und Wortbedeutungsentwicklung
3. Voraussetzungen für den Spracherwerb - Die Entwicklungstheorie von Piaget
3.1 Die erste Periode: Die sensomotorische Aktivität
3.2 Die zweite Periode: Die egozentrische Repräsentationsaktivität
3.3 Die dritte Periode: Die repräsentative Aktivität operatorischer Ordnung
4. Die ersten Worte
5. Der Fast-mapping Prozess
6. Erweiterung des kindlichen Wortschatzes
6.1 Prinzipien, die zur Wortneubildung beitragen
6.2 Lücken im Wortschatz
7. Die lexikalische Entwicklung – die Entstehung der Einwortsätze, Zweiwortsätze und Drei- und Mehrwortäußerungen
8. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Entwicklung der Wortbedeutung bei Kindern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Kinder lernen, Lautfolgen mit spezifischen Bedeutungskernen zu verknüpfen und welche kognitiven sowie interaktiven Voraussetzungen diesen Prozess steuern.
2.1 Semantische Merkmalshypothese
Lernt ein Kind semantische Merkmale eines Wortes, unterteilt und unterscheidet es kritische perzeptuelle Merkmale der Objektwörter, so erfolgt nach Clark dadurch der Erwerb von Wortbedeutungen (Braun 1999: 249). Diesen Vorgang, der vor allem von Clark geprägt ist, wird als „Semantische Merkmalshypothese“ (semantic feature hypothesis) bezeichnet. Sie geht davon aus, dass die Bedeutung eines Wortes sich aus einem Bündel semantischer Elemente d. h. aus Merkmalen konstituiert. Clark spricht von „semantic features“, den kleineren Einheiten, deren Kombination die Bedeutung von Worten ist (Seiler / Wannenmacher 1985: 6). Weiterhin stellt sie die Hypothese auf, dass die ersten Merkmale („features“) „perzeptueller Art“ sind d. h. dass die semantischen Merkmale aus der sinnlichen Wahrnehmung des Kindes entstehen (ebda. 6). Außerdem ist für ein Kind der „sensorische Input“ (ebda. 6) die wichtigste Information. Aus diesem Grund lassen sich sensorische Kennzeichen sprich Form, Größe, Bewegung und Lauteinheit am besten lernen, so Clark, um erste Wortbedeutungen bilden zu können.
Im Gegensatz zu Erwachsenen verfügen Kinder nur über wenige Merkmale und es kommt schnell zu „fehlerhaften Übergeneralisierungen“ („overextension“) der Wortbedeutungen (Seiler / Wannenmacher 1985: 6).
Erst später werden sie in einem Differenzierungsprozess spezifischer (Szagun 2000: 105ff.). Denn durch eine Gruppierung wahrgenommener ähnlicher Eigenschaften und deren Differenzierung von anderen nichtähnlichen entwickelt das Kind ein System semantischer Merkmale, die je nach Bündelung die jeweilige Wortbedeutung ergeben. Kommt es in Berührung mit einem neuen Wort, so kann das Kind nur einige der kritischen semantischen Merkmale zuweisen (Braun 1999: 249). Die ersten Wörter der Kinder haben noch eine andere Bedeutung als die zielsprachliche Norm der Erwachsenen.
Einleitung: Einführung in das Thema der Wortbedeutungsentwicklung bei Kindern unter Verwendung zentraler theoretischer Ansätze und Fragestellungen.
1. Unterscheidung zwischen „Begriff“, „Wort“ und „Bedeutung“: Differenzierung der zentralen Termini und Klärung ihrer Beziehungen zueinander.
2.Theoretische Modelle zur Begriffs- und Bedeutungsentwicklung: Darstellung maßgeblicher psychologischer Modelle, die erklären, wie Kinder Wortbedeutungen erwerben.
2.1 Semantische Merkmalshypothese: Erläuterung der Theorie, dass Wortbedeutungen aus Bündeln perzeptueller Merkmale entstehen.
2.2 Funktionale Kernhypothese: Analyse des Ansatzes, der das Wissen über Funktionen und Tätigkeiten von Objekten als Kern der Bedeutung hervorhebt.
2.3 Prototyptheorie: Diskussion über die Rolle prototypischer Vertreter innerhalb von Begriffskategorien.
2.4 Das Modell von Bowerman zur Begriffs- und Wortbedeutungsentwicklung: Zusammenführung verschiedener theoretischer Ansätze zu einem Modell frühkindlicher Wortbedeutungsbildung.
3. Voraussetzungen für den Spracherwerb - Die Entwicklungstheorie von Piaget: Untersuchung der kognitiven Entwicklungsschritte, die den Spracherwerb erst ermöglichen.
3.1 Die erste Periode: Die sensomotorische Aktivität: Betrachtung der frühen Lebensphase, in der das Kind auf Sinne und Motorik angewiesen ist.
3.2 Die zweite Periode: Die egozentrische Repräsentationsaktivität: Analyse des Erwerbs der Symbolfunktion und der Entwicklung geistiger Vorstellungen.
3.3 Die dritte Periode: Die repräsentative Aktivität operatorischer Ordnung: Untersuchung des Übergangs zu komplexeren logischen Denkstrukturen.
4. Die ersten Worte: Beschreibung des Erwerbs der ersten kontextgebundenen Wörter und der Rolle der sozialen Interaktion.
5. Der Fast-mapping Prozess: Erläuterung des schnellen Abbildungsprozesses, durch den Wörter ins Lexikon aufgenommen werden.
6. Erweiterung des kindlichen Wortschatzes: Untersuchung der Mechanismen hinter der stetigen Wortschatzvergrößerung.
6.1 Prinzipien, die zur Wortneubildung beitragen: Darstellung von linguistischen Prinzipien wie Konventionalität und Kontrast bei der Wortbildung.
6.2 Lücken im Wortschatz: Analyse, wie Kinder durch kreative Neubildungen existierende Lücken im Vokabular füllen.
7. Die lexikalische Entwicklung – die Entstehung der Einwortsätze, Zweiwortsätze und Drei- und Mehrwortäußerungen: Phasenmodell der Entwicklung von den ersten Wörtern bis zur Beherrschung grammatischer Strukturen.
8. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Resümee zur kindlichen Wortbedeutungsentwicklung.
Wortbedeutung, Spracherwerb, Semantik, Begriffsbildung, Kognitive Entwicklung, Piaget, Fast-mapping, Prototyptheorie, Kindliche Sprache, Lexik, Übergeneralisierung, Mentales Lexikon, Wortneubildung, Interaktionismus, Symbolfunktion
Die Arbeit befasst sich mit der psycholinguistischen und entwicklungspsychologischen Untersuchung, wie Kinder die Bedeutung von Wörtern erwerben und wie diese mit ihrer kognitiven Entwicklung zusammenhängt.
Die zentralen Felder sind die Differenzierung von Begriffen und Wortbedeutungen, die wichtigsten Spracherwerbstheorien sowie die Phasen der lexikalischen Entwicklung beim Kind.
Das Ziel ist es, den komplexen Prozess der Wortbedeutungsentwicklung bei Kindern zu klären und die gängigen theoretischen Erklärungsmodelle kritisch zu beleuchten.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Diskussion empirischer Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung basiert.
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Darstellung kognitiver Modelle (Clark, Nelson, Bowerman), die Piaget'sche Entwicklungstheorie als Voraussetzung für Sprache sowie die Prozesse der Wortneubildung und des Fast-mapping.
Zu den wichtigsten Schlagworten zählen Wortbedeutung, Spracherwerb, Semantik, Begriffsbildung, Kognitive Entwicklung und das mentale Lexikon.
Piagets Theorie ist essenziell, da sie beschreibt, wie durch sensomotorische Handlungen und die spätere Symbolfunktion die geistigen Grundlagen für das Verstehen von Sprache gelegt werden.
Sie postuliert, dass Kinder Wortbedeutungen durch das Erlernen und Kombinieren kleinerer semantischer Merkmale, die oft auf sinnlichen Wahrnehmungen basieren, aufbauen.
Diese Prinzipien erklären, wie Kinder ihr Vokabular strukturieren: Sie versuchen einerseits, sich an gesellschaftliche Konventionen anzupassen, und suchen andererseits nach eindeutigen Kontrasten zu bereits bekannten Wörtern.
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