Bachelorarbeit, 2006
62 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die historische Entwicklung der französischen Antillen
2.1 Von den Anfängen der Kolonisierung bis zur Einführung der Sklaverei
2.2 Die Zeit der Sklaverei
2.3 Die französische Revolution auf Martinique und Guadeloupe
2.4 Die Abschaffung der Sklaverei
3. Die Gesellschaft als Kollektiv von Individuen
3.1 Das Paradoxon des sozialen Individuums
3.2 Der Identitätsbildungsprozess
4. Antillanische Identität im Spiegel der Geschichte
4.1 Selbst- und Fremdbilder in und aus der Pflanzergesellschaft
4.2 Das Phänomen der Métissage
5. Kreolisierung und Einwanderung nach 1848
5.1 Die Inder
5.2 Einwanderer aus Ostasien
5.3 Syrer und Libanesen
5.4 Interethnische Beziehungen
5.4.1 Die Haltung der Schwarzen gegenüber den Indern
5.4.2 Die Beziehung zwischen Békés und Indern
5.4.3 Das Spannungsverhältnis zwischen Schwarzen und Weißen
6. Das frankokaribische Selbstverständnis
6.1 Négritude
6.2 Antillanité
6.3 Créolité
6.4 Die Sprache als identitätsbildender Faktor
6.5 Ergebnisdarstellung einer Studentenbefragung
7. Schlussgedanken
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Identitätskonflikte der Bevölkerung auf den Inseln Martinique und Guadeloupe, die durch ihre koloniale Vergangenheit und den anhaltenden politischen Einfluss Frankreichs geprägt sind. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Frage, inwiefern literarische und intellektuelle Identitätskonzepte der Bevölkerung eine tragfähige Identifikationsbasis bieten können, um langfristig die Entstehung solcher Konflikte zu verhindern.
3.1 Das Paradoxon des sozialen Individuums
Die Identität eines Menschen ist immer individuell und zugleich sozial; ein „Selbst“ und eine „Rolle“. Diese zwei Aspekte lassen sich nicht vollständig voneinander trennen. Will man also eine Vorstellung von der Identität eines Menschen bzw. von der kollektiven Identität eines Menschenverbundes bekommen, muss man die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung des sozialen und des individuellen Wesens erfassen. Der Blick auf sich selbst steht immer in direktem Zusammenhang mit dem geistigen Einfluss, den das jeweilige soziale Umfeld auf eine Person hat bzw. im Laufe der Sozialisierung hatte.
Eine Person ist daher kein Individuum im Sinne einer vollkommenen Individualität gegenüber seiner Gesellschaft, sondern im Gegenteil: Der Mensch ist, in seiner Eigenschaft als soziales Wesen, in gewissem Maße abhängig von dem ihn umgebenden gesellschaftlichen Umfeld. Er sucht darin sowohl die Bestätigung, als auch die Rechtfertigung seines Handels und Daseins. Die Beziehung, die ein Mensch gegenüber den anderen Gesellschaftsmitgliedern hat bzw. diese zu ihm, ordnet ihm eine bestimmte Position zu, welche mit bestimmten Vorstellungen von richtigem und falschem Verhalten verknüpft ist.
Für den Legitimierungsdrang, den ein Mensch gegenüber seinem sozialen Umfeld verspürt, steht der Begriff „Sozialität“, den Esser als „die Angewiesenheit auf eine soziale Steuerung des Verhaltens bzw. – spezieller - auf soziale Unterstützung, auf soziale Anerkennung, auf sozial vermittelte Orientierung und eine fortlaufende soziale Verhaltensbestätigung über soziale Interaktionen insbesondere mit interessierten und personal identischen Interaktionspartnern“ definiert. Demzufolge orientiert sich das Verhalten einer Person am Anerkennungsdrang, den diese gegenüber dem von ihr bevorzugten sozialen Umfeld verspürt. Darüber hinaus ist die Existenz dieses Umfeldes unbedingte Vorraussetzung für die Entwicklung eines „Selbst“ als Identitätsträger. Es gibt also keine „Selbst“ ohne die „Anderen“.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Identitätsproblematik auf Martinique und Guadeloupe ein und erläutert den Einfluss kolonialer Abhängigkeit auf die Selbstfindung.
2. Die historische Entwicklung der französischen Antillen: Dieser Teil beschreibt den Verlauf der Kolonialisierung, die Etablierung des Sklavereisystems und die soziopolitischen Auswirkungen auf die Gesellschaft.
3. Die Gesellschaft als Kollektiv von Individuen: Es wird die sozialpsychologische Verflechtung zwischen individuellem "Selbst" und kollektiver "Rolle" im Rahmen der Sozialisierung analysiert.
4. Antillanische Identität im Spiegel der Geschichte: Das Kapitel untersucht, wie koloniale Fremdbilder und die historische "Non-Histoire" die Suche der Antillaner nach ihren Wurzeln erschweren.
5. Kreolisierung und Einwanderung nach 1848: Dieser Abschnitt analysiert die Einwanderung verschiedener ethnischer Gruppen und deren Einfluss auf die kreolische Gesellschaftsstruktur.
6. Das frankokaribische Selbstverständnis: Es werden die Identitätskonzepte Négritude, Antillanité und Créolité im Kontext der Sprache und der gelebten Identitätswirklichkeit kritisch diskutiert.
7. Schlussgedanken: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Entwicklung einer stabilen antillanischen Identität untrennbar mit der Überwindung der politischen Dominanz des Mutterlandes verbunden ist.
Identitätskonflikt, Martinique, Guadeloupe, Kolonisierung, Sklaverei, Négritude, Antillanité, Créolité, Kreolisierung, Métissage, Selbstverständnis, Soziale Identität, Frankreich, Migrationsgeschichte, Minderwertigkeitskomplex.
Die Arbeit behandelt die Identitätskonflikte der Bevölkerung auf den karibischen Inseln Martinique und Guadeloupe im Spannungsfeld zwischen ihrer kolonialen Geschichte und der heutigen Zugehörigkeit zur französischen Republik.
Zentral sind die historische Entwicklung durch Sklaverei und Kolonialismus, die Bedeutung von Migration und Ethnie für die Gesellschaftsbildung sowie die Auseinandersetzung mit intellektuellen Konzepten zur Identitätsfindung.
Das Ziel ist zu prüfen, ob Identitätskonzepte wie Négritude oder Créolité der Bevölkerung eine geeignete Basis zur Selbsterfassung bieten und wie die Abhängigkeit von Frankreich diese Prozesse beeinflusst.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz aus Sozialpsychologie, Kulturwissenschaften und Geschichtsschreibung, kombiniert mit einer Analyse von Identitätsmodellen und einer studentischen Umfrage.
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, den sozialpsychologischen Identitätsbildungsprozess, die Auswirkungen der ethnischen Diversität nach 1848 sowie die Rolle der Sprache für das Selbstverständnis.
Die wichtigsten Schlagworte sind Identitätskonflikt, Kolonialisierung, Kreolisierung, Négritude, Antillanité, Créolité und das frankokaribische Selbstverständnis.
Aufgrund der Zwangidentifizierung während der Sklavenzeit mussten die Antillaner oft ihre eigene Identität verleugnen und die Werte der französischen Kolonialherren übernehmen, um gesellschaftliche Anerkennung oder Überleben zu sichern.
Die Sprache ist ein identitätsbildender Faktor, wobei die Diglossie zwischen offiziellem Französisch und kreolischer Sprache den Identitätskonflikt verschärft, da das Kreolische historisch stigmatisiert wurde.
Als größte asiatische Einwanderergruppe nach 1848 mussten sie sich ihre kulturelle Eigenständigkeit gegen die Skepsis der Mehrheitsgesellschaft erkämpfen, was zum Konzept der "Indianité" führte.
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