Fachbuch, 2009
201 Seiten
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Einleitung
1949 Zu neuen Ufern
1950 Spitze Federn, scharfe Zungen
1951 Weder Angsthasen noch Duckmäuser
1952 Großdemonstration gegen Wiederaufrüstung
1953 Alte Burschenherrlichkeit im Zwielicht
1954 Die Rückkehr der roten Bulldogge
1955 Mobilmachung der Vernunft
1956 Hauptstadt der Gegenbewegung
1957 Stadtrat ruft auf zum Widerstand
1958 Jubiläumsfeiern und Proteste
1958 Der Rundfunk soll gesäubert werden
1958 Vom Wimmer Damerl zum Vogel Hansi
1961/62 Wetterleuchten
Die Arbeit untersucht die kulturelle und gesellschaftspolitische Entwicklung Münchens zwischen 1949 und 1962, einer Phase, in der sich die Stadt von der kriegszerstörten „Hauptstadt der Bewegung“ zur heimlichen Hauptstadt Deutschlands entwickelte. Die zentrale Fragestellung beleuchtet, wie intellektuelle und künstlerische Milieus in München kritisch auf die Restauration, die Wiederaufrüstung und konservative Strömungen der frühen Bundesrepublik reagierten.
Die Soldatenbündelei
Als wir vor zwölf Jahren auf den Kasernenhöfen lernten, dass Geist und Menschenwürde nichts, Disziplin und willenloser Gehorsam alles bedeuten, als wir vor zehn Jahren in den Wolchow-Sümpfen den russischen Winter und die Post von zu Hause erwarteten, als wir vor acht Jahren die gefallenen Freunde zählten und im Lazarett den Lautsprecher vom Endsieg dröhnen hörten, als wir vor sechs Jahren in der Gefangenschaft nach der Heimat hungerten – beschlossen wir da, sobald alles vorbei sein würde, Soldatenbünde zu gründen, Traditionsverbänden beizutreten, Wehrmachtsvereine zu finanzieren? Nein, dreimal nein. Wir hatten genug von der Uniform, wir hatten genug von allem Zwang, von allem Elend, von allem Heldentum und aller Angst. Wir wollten wieder frei und Zivilist sein. Jawohl, Herr General, das wollten wir.
Das wollten wir und das wollen wir noch. Wir, die Handwerker, die Arbeiter, die Bauern, die Schriftsteller, die Ärzte. Wir sind in der überwältigenden Mehrheit; aber leider, wir überwältigen sie nicht, unsere Widersacher. Sie haben den Terror der Organisation an die Stelle des Terrors der Uniform gesetzt; sie scharen zweihundert Ortsgruppenangehörige um sich und sprechen im Namen von zwölf Millionen – von zwölf Millionen, die ihnen dazu keinerlei Auftrag gegeben haben (...)
1949 Zu neuen Ufern: Beschreibt den Beginn des Wiederaufbaus unter Oberbürgermeister Thomas Wimmer und die ersten Anzeichen einer kritischen literarischen Aufbruchstimmung.
1950 Spitze Federn, scharfe Zungen: Analysiert die Rolle der Süddeutschen Zeitung und bedeutender Journalisten für die Etablierung eines liberalen Meinungsklimas in München.
1951 Weder Angsthasen noch Duckmäuser: Behandelt die Gründung des Kabaretts „Kleine Freiheit“ als Reaktion auf politische Bevormundung.
1952 Großdemonstration gegen Wiederaufrüstung: Dokumentiert den massiven Protest gegen die Remilitarisierung und die Rolle der Gewerkschaften.
1953 Alte Burschenherrlichkeit im Zwielicht: Beleuchtet das Wiederaufleben studentischer Korporationen und den studentischen Widerstand dagegen.
1954 Die Rückkehr der roten Bulldogge: Thematisiert das Wiedererscheinen des Simplicissimus und dessen schwierige Position im Spannungsfeld zwischen Satire und Konservatismus.
1955 Mobilmachung der Vernunft: Beschreibt die verstärkten Bemühungen zivilgesellschaftlicher Gruppen gegen atomare Bewaffnung.
1956 Hauptstadt der Gegenbewegung: Zeigt, wie sich München zum Zentrum des Widerstands gegen autoritäre Tendenzen in der Bundesrepublik formierte.
1957 Stadtrat ruft auf zum Widerstand: Fokus auf die „Göttinger Erklärung“ und das lokale Engagement gegen Atomwaffen.
1958 Jubiläumsfeiern und Proteste: Kontrastiert die städtischen 800-Jahr-Feiern mit dem wachsenden politischen Protestklima.
1958 Der Rundfunk soll gesäubert werden: Analysiert die Versuche konservativer Kreise, den Bayerischen Rundfunk inhaltlich gleichzuschalten.
1958 Vom Wimmer Damerl zum Vogel Hansi: Zeichnet den Machtwechsel im Münchner Rathaus und die politische Neuorientierung der Stadt nach.
1961/62 Wetterleuchten: Erörtert die Schwabinger Krawalle als Ausdruck eines neuen gesellschaftlichen Aufbruchs und als Vorbote der späteren 68er-Bewegung.
München, Nachkriegszeit, Schwabing, Aufbruchzeit, Wiederbewaffnung, Atomrüstung, Kabarett, Literaten, Journalismus, Protestbewegung, Restauration, Demokratie, Zeitgeschichte, Süddeutsche Zeitung, Studentenbewegung.
Die Arbeit zeichnet die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung Münchens zwischen 1949 und 1962 nach und dokumentiert, wie die Stadt als intellektuelles Zentrum gegen restaurative Tendenzen in der Bundesrepublik agierte.
Zentrale Felder sind der Wiederaufbau, der Einfluss von Literatur und Kabarett auf die politische Kultur, der Kampf gegen die Wiederbewaffnung sowie der studentische Protest gegen verkrustete Traditionen.
Das Werk möchte aufzeigen, wie München eine Vorreiterrolle bei der Etablierung eines kritischen Geistes und einer lebendigen Demokratie einnahm, die über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinausstrahlte.
Der Autor wählt einen zeitzeugenschaftlichen Ansatz, kombiniert mit der Analyse von Textauszügen, Dokumenten und historischen Bildquellen, um ein subjektives Mosaik der Erinnerung zu erstellen.
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert und behandelt die politischen Auseinandersetzungen der 1950er und frühen 60er Jahre, unterlegt mit zeitgenössischen Zitaten und kulturellen Fallbeispielen.
Typische Begriffe sind Widerstand, Aufbruch, Demontage der Restauration, Schwabinger Boheme und ziviler Ungehorsam.
Der Autor bewertet sie als eine notwendige Rebellion gegen eine verkrustete ökonomische und autoritäre Struktur, die den Übergang zu den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er Jahre markierte.
Der Rundfunk wird als Schauplatz der politischen Auseinandersetzung dargestellt, in dem zwischen der konservativen Kontrolle durch Parteien wie die CSU und dem Drang nach freier, kritischer Berichterstattung gerungen wurde.
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