Bachelorarbeit, 2008
78 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Jugend und Migration
2.1 Jugend heute
2.2 Jugend im Kontext der Individualisierung
2.3 Jugend im Kontext von Migration
2.4 Über die Auswirkungen der Individualisierung auf Jugendliche
3. Migration und Moderne: Eine gewaltauslösende Konstellation?
3.1 Zum Begriff der Gewalt
3.2 Aktuelle Situation der Gewalt Jugendlicher mit Migrationshintergrund
3.2.1 Gewaltkriminalität Jugendlicher im Hellfeld
3.2.2 Gewaltkriminalität Jugendlicher im Dunkelfeld
3.3 Erklärungsansätze zur Gewaltentstehung
3.4 Der „Bielefelder Desintegrationsansatz“
3.4.1 Theoriekonzept der 1990er Jahre
3.4.2 Aktuelles Theoriekonzept
3.4.3 Der Desintegrationsansatz in Bezug auf Migration
3.5 Kritik
4. Fazit
Die Arbeit untersucht, ob Jugendliche mit Migrationshintergrund im Kontext moderner gesellschaftlicher Prozesse als „Individualisierungsverlierer“ bezeichnet werden können, indem sie die Zusammenhänge zwischen Individualisierung, sozialer Desintegration und der Entstehung von Jugendgewalt analysiert.
3.4.1 Theoriekonzept der 1990er Jahre
Die Ursachenbestimmung innerhalb des Ansatzes geht zurück auf Ulrich Beck und seine Veröffentlichungen zur Risikogesellschaft (siehe Erläuterungen im ersten Teil dieser Arbeit). Kern dieser Debatte über die Entstehung von Gewalt bildet die Feststellung, dass sich für Jugendliche zwar immer mehr Wahlmöglichkeiten bei der Lebensgestaltung und Lebensplanung ergeben, dass die Jugendlichen aber auch immer mehr der Wahlverpflichtung ausgesetzt sind. Diese gesellschaftliche Situation verursacht hohe individuelle Risiken und löst damit auch Ängste aus. Die theoretischen Ausführungen Becks führte Wilhelm Heitmeyer demnach für die Gewaltdebatte fort. Davon ausgehend, dass gesellschaftliche Veränderungsprozesse eine Individualisierung von Lebenslagen und Lebenswegen bedingen, betrachtet er Gewalthandeln als Produkt ambivalenter, mit Desintegrationsprozessen einhergehender Individualisierungstendenzen (vgl. Heitmeyer u.a. 1995, S. 33ff.).
Seinen Ausführungen geht damit eine bestimmte Auffassung von Gewalt voraus. Heitmeyer versteht Gewalt nicht als Eigenschaft von Personen, sondern als Ergebnis von Auseinandersetzungen mit den Bedingungen und Situationen der gesellschaftlichen Umwelt. In seinem Verständnis müsse für eine Ursachenforschung nicht nur das Verhalten per se, „sondern Gewalt als Ausdruck sozialer Prozesse“ (Heitmeyer 1992, S. 4) betrachtet werden. Innerhalb dieser Prozesse wirken strukturelle Bedingungen und individuelles Handeln zusammen bei denen drei Aspekte besondere Bedeutung haben:
Gewalt als interaktives Produkt: das Verhalten beider Seiten ist zu betrachten und der situative Kontext muss betont werden. Beispielsweise wird der Ausgang eines Konflikts immer von zwei bzw. mehreren Jugendlichen beeinflusst, so dass Gewalt ohne Interaktion nicht stattfinden kann. Weiterhin ist Gewalt auch situationsbezogen, da z.B. die Gewaltbereitschaft, bzw. die Hemmschwellen in einem überhitzten Raum höher bzw. niedriger sein dürften.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Jugendgewalt unter Migrationsaspekten ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bezeichnung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als Individualisierungsverlierer.
2. Jugend und Migration: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Jugend“ im Wandel der Zeit, beleuchtet den Einfluss der Individualisierung auf das Aufwachsen und spezifiziert die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund innerhalb dieser Prozesse.
3. Migration und Moderne: Eine gewaltauslösende Konstellation?: Das Hauptkapitel untersucht das Phänomen Gewalt, setzt sich kritisch mit der polizeilichen Statistik (Hellfeld) und Dunkelfeldstudien auseinander und stellt zentrale Erklärungsansätze, insbesondere den Bielefelder Desintegrationsansatz, dar.
4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Validität des Desintegrationsansatzes und reflektiert die Rolle der Sozialen Arbeit sowie die Verantwortung der Jugendlichen selbst.
Jugendgewalt, Migration, Individualisierung, Moderne, Desintegration, Bielefelder Desintegrationsansatz, Jugendkriminalität, Hellfeld, Dunkelfeldstudien, Sozialisation, Lebensphase Jugend, Risikogesellschaft, Anerkennung, soziale Ausgrenzung, Integration.
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen, der Lebensphase Jugend und dem Auftreten von Gewalt, wobei sie speziell die Perspektive von Jugendlichen mit Migrationshintergrund fokussiert.
Zentrale Themen sind der Prozess der Individualisierung, die Definition von „Jugend“ als Lebensphase, die Entstehung von Gewalt als Ausdruck sozialer Prozesse und die theoretische Fundierung durch den Bielefelder Desintegrationsansatz.
Die Arbeit fragt, ob Jugendliche mit Migrationshintergrund in modernen Gesellschaften als „Individualisierungsverlierer“ bezeichnet werden können.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Daten und Studien (u.a. PKS und Dunkelfeldstudien) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von Jugend und Migration sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt, der statistischen Erfassung von Kriminalität und der kritischen Diskussion des Desintegrationsansatzes.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Jugendgewalt, Migration, Individualisierung, Desintegration und die Auseinandersetzung mit modernen Modernisierungstheorien charakterisieren.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass diese Bezeichnung Jugendlichen mit Migrationshintergrund ihre eigene Handlungsmacht abspricht und sie einseitig zu Opfern struktureller Veränderungen macht, ohne ihre Potenziale anzuerkennen.
Die Arbeit betont, dass polizeiliche Statistiken (Hellfeld) oft nur ein verzerrtes Bild liefern, weshalb Dunkelfeldstudien notwendig sind, um die tatsächlichen Hintergründe und das Ausmaß von Gewalt differenzierter zu betrachten.
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