Diplomarbeit, 2008
137 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Thematische Einführung und Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2. Auf dem Weg zu einem europäischen Berufsbildungsraum
2.1 Megatrends als Herausforderungen an die berufliche Bildung
2.2 Reaktionen auf europäischer Ebene
2.3 Kernelemente des europäischen Berufsbildungsraumes
2.3.1 Der Europäische Qualifikationsrahmen
2.3.2 Leistungspunktesysteme zur Übertragbarkeit und Anrechnung von Qualifikationen
2.3.2.1 Das Europäische Credit Transfersystem zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen
2.3.2.2 Das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung
2.4 Implikationen für das deutsche Berufsbildungssystem
3. Informell erworbene Kompetenzen
3.1 Das informelle Lernen
3.1.1 Darstellung und Abgrenzung verschiedener Lernformen
3.1.2 Facetten des informellen Lernens
3.1.3 Grenzen informellen Lernens und sein Verhältnis zum formalen Lernen
3.2 Bildungstheoretische und -politische Einordnung informeller Kompetenzentwicklung
3.2.1 Gründe für die Hinwendung zum informellen Kompetenzerwerb
3.2.2 Zur Heterogenität des Kompetenzbegriffs
3.2.2.1 Definitionen des Konstruktes und Abgrenzung zu verwandten Konstrukten
3.2.2.2 Komponenten beruflicher Handlungskompetenz
3.2.2.3 Verschiedene Kompetenzverständnisse im europäischen Kontext
4. Kompetenzdiagnostik: Im Spannungsfeld zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung
4.1 Methodische Grundlagen der Kompetenzdiagnostik
4.1.1 Funktionen und Ansprüche an die pädagogische Diagnostik
4.1.2 Ausgewählte Verfahren zur Erfassung informell erworbener Kompetenzen
4.1.2.1 Beurteilungsformen und Fehler der Beurteilung
4.1.2.2 Analyse und Bewertung der Instrumente
4.2 Schwierigkeiten der Erfassung, Bewertung und Anerkennung
4.2.1 Festlegung auf einheitliche theoretische Konzepte
4.2.1.1 Einleitende Vorbemerkungen
4.2.1.2 Divergenzen zwischen der beruflichen Handlungskompetenz und dem Kompetenzverständnis der Klieme-Expertise
4.2.1.3 Ausrichtung auf europäische Vergleichbarkeit und den Charakter informeller Lernprozesse
4.2.2 Systematisierung und Konkretisierung von Kompetenzen
4.2.2.1 Abbildung in Kompetenzmodellen
4.2.2.2 Problematik der Operationalisierung
4.2.3 Messtechnische Unschärfen
4.2.4 Fragen zur politisch-organisationellen Umsetzung
5. Analyse ausgesuchter nationaler und europäischer Verfahren der Diagnose und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen
5.1 Darstellung ausgewählter Verfahren und Instrumente aus Deutschland
5.1.1 Weiterbildung im IT- Bereich
5.1.2 Kompetenzbilanzen
5.1.2.1 ProfilPASS
5.1.2.2 CeKom®-System
5.2 Darstellung ausgewählter Verfahren und Instrumente aus europäischen Nachbarländern
5.2.1 Frankreich
5.2.1.1 Der „Bilan de compétences“
5.2.1.2 Die Validierungsverfahren
5.2.2 Das NVQ-System in Großbritannien
5.2.2.1 Hintergründe und Funktionsweise des NVQ-Systems
5.2.2.2 Verlauf des APL-Verfahrens
5.2.3. Anerkennung von Realkompetenzen in Norwegen
6. Kritische Reflexion der Berücksichtigung des informellen Kompetenzerwerbs im Rahmen eines europäischen Berufsbildungsraumes
6.1 Aktuelle Probleme und Herausforderungen
6.1.1 Vergleichende Analyse und Beurteilung angewendeter Verfahren der Dokumentation und Anerkennung
6.1.2 Erfolgs- und Risikopotenziale
6.2 Handlungsempfehlungen und Vorschläge zur weiteren Umsetzung
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Diese Arbeit zielt darauf ab, die komplexe Problematik der Erfassung, Bewertung und Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen vor dem Hintergrund der europäischen Harmonisierung beruflicher Bildung ganzheitlich zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie informelle Lernergebnisse in einem zunehmend europäisch ausgerichteten Berufsbildungsraum vergleichbar abgebildet und zertifiziert werden können, ohne die Besonderheiten nationaler Bildungssysteme zu vernachlässigen.
1.1 Thematische Einführung und Problemstellung
In der aktuellen bildungspolitischen Diskussion um das lebenslange Lernen wird zunehmend die Bedeutung informellen Lernens hervorgehoben. Diese Lernform ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass sie im Gegensatz zu formalen, planmäßig gestalteten Lernprozessen in institutionellen Bildungseinrichtungen, vorwiegend außerhalb schulischer Lernkontexte im beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Umfeld, gewissermaßen als Begleiterscheinung des täglichen Lebens, stattfindet (vgl. Bjørnåvold, 2001, S. 222; Straka, 2003, S. 249-252). Doch was sind die Gründe dafür, dass dieses ursprüngliche und nach Dohmen als „Grundform menschlichen Lernens“ bezeichnete informelle Lernen in den vergangenen Jahren eine derart herausragende Bedeutung im europäischen bildungspolitischen Kontext erlangt hat, dass es in gegenwärtigen Maßnahmen, wie dem 2007 beschlossenen Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) zur Transparenz und Abstimmung von Qualifikationen und den Vorschlägen eines Leistungspunktesystems für die berufliche Bildung (ECVET) zur Übertragung und Anrechnung von Qualifikationen, explizite Berücksichtigung findet?
Angesichts tief greifender struktureller und dynamischer Veränderungsprozesse im ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Bereich kommt einer qualitativ hochwertigen Bildung eine zentrale Rolle zu. Die Notwendigkeit diesen Herausforderungen, die die Qualifikationsanforderungen einer Gesellschaft nachhaltig beeinflussen, wirksam entgegenzutreten, begründet die Forderung nach einem kontinuierlichen Lernen über die gesamte Lebensspanne. Diese Ansätze gehen auf europäische Dokumente und Initiativen, wie das „Weißbuch zur allgemeinen und beruflichen Bildung. Lehren und Lernen. Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft“ (1995), das „Europäisches Jahr des lebensbegleitenden Lernens“ (1996) sowie das „Memorandum über Lebenslanges Lernen“ (2000) zurück, in denen die Erweiterung des Lernkonzeptes um informelle Lernprozesse als bedeutsame Voraussetzung und Erfolgsfaktor im Hinblick auf das Leitmotiv des lebenslangen Lernens hervorgehoben wird (vgl. Bretschneider, 2004).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des informellen Lernens im europäischen Kontext ein und erläutert die Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Auf dem Weg zu einem europäischen Berufsbildungsraum: Das Kapitel analysiert aktuelle Megatrends und die daraus resultierenden europäischen Initiativen wie den EQR und ECVET sowie deren Auswirkungen auf das deutsche Berufsbildungssystem.
3. Informell erworbene Kompetenzen: Hier findet eine bildungstheoretische Einordnung des informellen Lernens statt, wobei verschiedene Lernformen definiert und der Heterogenität des Kompetenzbegriffs nachgegangen wird.
4. Kompetenzdiagnostik: Im Spannungsfeld zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung: Dieses Kapitel behandelt die methodischen Grundlagen der pädagogischen Diagnostik und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Erfassung und Bewertung informeller Kompetenzen.
5. Analyse ausgesuchter nationaler und europäischer Verfahren der Diagnose und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung und Analyse spezifischer Instrumente aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen.
6. Kritische Reflexion der Berücksichtigung des informellen Kompetenzerwerbs im Rahmen eines europäischen Berufsbildungsraumes: Das Kapitel reflektiert kritisch die Probleme, Herausforderungen sowie Erfolgs- und Risikopotenziale der vorgestellten Ansätze und gibt Handlungsempfehlungen.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen.
Informelles Lernen, Lebenslanges Lernen, Kompetenzdiagnostik, Europäischer Qualifikationsrahmen, ECVET, Berufsbildung, Validierung, Kompetenzbilanz, Berufliche Handlungskompetenz, Qualifikation, ProfilPASS, NVQ, Realkompetenz, Modularisierung, Bildungsstandards.
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Möglichkeiten, informell erworbene Kompetenzen im Zuge der europäischen Harmonisierung der Berufsbildung zu erfassen, zu bewerten und anzuerkennen.
Zentrale Felder sind die Bedeutung des lebenslangen Lernens, die Entwicklung europäischer Qualifikationsrahmen (EQR/ECVET), die methodische Kompetenzdiagnostik und die kritische Analyse nationaler Anerkennungsverfahren.
Das Ziel ist es, die komplexen methodischen und politisch-institutionellen Probleme bei der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen aufzuzeigen und Ansätze für eine vergleichbare Abbildung dieser Lernergebnisse zu reflektieren.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse relevanter Dokumente, Initiativen und Forschungsergebnisse zur europäischen Berufsbildungspolitik sowie einem vergleichenden Überblick existierender nationaler Instrumente.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Klärung von Lernformen und Kompetenzbegriffen, eine methodische Analyse der Diagnostik und eine vergleichende Untersuchung konkreter Verfahren aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Informelles Lernen, Europäischer Qualifikationsrahmen, Kompetenzdiagnostik, Validierung und Berufsbildung charakterisieren.
Formale Lernprozesse sind in der Regel durch Bildungsinstitutionen, didaktische Planung, Zielorientierung und eine abschließende Zertifizierung gekennzeichnet, während informelles Lernen eher alltagsintegriert, beiläufig und ohne explizite didaktische Struktur erfolgt.
Die Herausforderung liegt vor allem im deutschen Berufskonzept und dem hohen Formalisierungsgrad des dualen Systems, das stark auf Input- und Prozesssteuerung setzt, während europäische Instrumente stärker ergebnisorientierte (Output-)Ansätze fordern.
Die Modularisierung wird als notwendiges Instrument diskutiert, um Lernleistungen in (Teil-)Einheiten zu unterteilen, die leichter übertragbar und anrechenbar sind, steht aber teilweise im Konflikt mit dem deutschen Konzept der ganzheitlichen Ausbildungsberufe.
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