Magisterarbeit, 2007
114 Seiten, Note: 1.0
I. Einleitung
1. Im Bann der Dinge
2. Zielsetzung
3. Einordnung in den Forschungsstand
4. Methodisches Vorgehen
II. Theoretischer Rahmen
1. Dingablehnung versus Dingfeier
2. Dinggeschichte: „Die Geschichte ist ein Zauberspiegel“
3. Martin Heidegger: Das Sein, die Dinge und unzuhandenes Zeug
4. Georg Lukács: Verdinglichung – ein menschliches Fehlverhalten
5. Walter Benjamin: Entzifferbare Dingwelt
6. Zur problematischen Subjekt-Objekt-Dichotomie
7. Zum Einfluss der Dinge auf die menschliche Identität
III. Erzeugte Identität am Beispiel
1. Das Verhältnis von Dingen & Literatur
1.1. Narrative Dingbeschreibung
1.2. Formale Unterschiede der Dingeinbettung
2. Ein Nachtzug nach Lissabon voller Dinge
2.1. Annäherung an einen vermeintlich bekannten Text
2.1.1. Zum Autor Peter Bieri
2.1.2. Alles Einsteigen! Der Nachtzug nach Lissabon fährt ab!
2.2. Prados Buch – ein prägendes Ding
2.2.1. Das Dingverhältnis als Spiegel des Charakters
2.2.2. Ein Buch als Ticket ins Innere
2.3. Kleider machen Leute
2.3.1. Kleidung als Ausdruck der Identität
2.3.2. Gregorius’ Kleidung an der Schwelle von Innen und Außen
2.4. Eine Brille bestimmt das Sein
2.4.1. Verzerrende Brillen
2.4.2. Die Unzuhandenheit der Brille
2.4.3. Die Brille im Spannungsfeld von Sicherheit und Irritation
2.4.4. Die neue Sicht der Dinge
2.4.5. Dinge definieren menschliche Beziehungen
2.5. Zwischenergebnisse 1: Zum Stand der Dinge
2.6. Der Spiegel – Gedanken zu einem verknüpfenden Ding
3. Siebzehn Dinge dokumentieren ein Leben
3.1. Annäherung an einen unbekannten Text
3.1.1. Zur Autorin Eleonore Frey
3.1.2. Das Sammeln – ein menschlicher Wesenszug
3.1.3. Nina packt ihre Siebzehn Dinge
3.2. Der Walkman – das krönende 17. Ding
3.2.1. Der Walkman – mehr als nur ein Abspielgerät
3.2.2. Stillstand & Fortschritt: Sinnbild für Ninas Lebensweg
3.2.3. Zum Zusammenhang von Walkman und Körperlichkeit
3.2.4. Der Walkman – Schlüssel in eine andere Welt
3.2.5. Über die Wassermotive: Das Rauschen des Walkmans
3.2.6. Der Sound der Gefühle
3.3. Vier Dinge stellen Nina vor
3.3.1. Der grüne Elefant – ein transitorisches Objekt
3.3.2. Nummer 39 – der Druck der Nummerierung
3.3.3. Nonos Mundharmonika – ein Aufmerksamkeitsinstrument
3.3.4. Das Notizbuch – ein Sammelsurium der Gedanken
3.4. Vier Dinge führen zu Ninas Seelenleben
3.4.1. Ein Schneckenhaus – ein Wunderding
3.4.2. Ninas Blechschachtel – ein androgynes Ding
3.4.3. Die stillstehende Armbanduhr – Vermittlung von Zeit
3.4.4. Ein Tuch zum Brillenputzen – ein universeller Joker
3.5. Vier Dinge spitzen Ninas Lage zu
3.5.1. Der rote Lippenstift – ein Symptom
3.5.2. Der Sturzhelm – Speed & das Risiko
3.5.3. Das Foto der Anna Fo – eine erfolgreiche Projektrealisierung
3.5.4. Ninas Portemonnaie – Sinnbild des Chaos
3.6. Vier Dinge ermöglichen einen Neuanfang
3.6.1. Der Kiesel – ein Talisman
3.6.2. Ninas Wasserflasche – ein Lebensquell
3.6.3. Die seltsame Jerichorose – eine Metamorphose
3.6.4. Eine Postkarte – viele Erinnerungen
3.7. Zwischenergebnisse 2: Der Lauf der Dinge
IV. Schlussgedanken: Dinge zu Ende denken
V. Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht die identitätsstiftende Funktion von Dingen in der neuesten deutschen Gegenwartsliteratur, insbesondere anhand der Texte „Nachtzug nach Lissabon“ von Peter Bieri und „Siebzehn Dinge“ von Eleonore Frey. Ziel ist es, das meist vernachlässigte Subjekt-Objekt-Verhältnis in den Fokus zu rücken und zu zeigen, wie materielle Objekte nicht nur den Alltag strukturieren, sondern maßgeblich die Identitätsbildung und Krisenbewältigung ihrer Besitzer beeinflussen.
2.4.2. Die Unzuhandenheit der Brille
Dinge markieren Meilensteine auf dem Strukturplan des Lebens. „Oft erscheinen Dinge für unser Sein und Bewusstsein als Garanten der Kontinuität“, analysiert Gert Selle. Daher ist es nicht verwunderlich, dass durch das plötzliche Wegfallen eines notwendigen Stabilisators Gregorius völlig aus der Bahn geworfen wird:
Der Schlag traf ihn unvorbereitet, denn er hatte den Rollschuhfahrer nicht kommen hören. Er war ein Hüne, der Gregorius beim Überholen mit dem Ellbogen an der Schläfe traf und ihm die Brille herunterriss. Benommen und plötzlich ohne Sicht stolperte Gregorius ein paar Schritte und spürte zu seinem Entsetzen, wie er auf die Brille trat, die unter seinem Fuß knirschend zerbrach. Eine Welle von Panik überspülte ihn. Vergessen sie die Ersatzbrille nicht, hörte er Doxiades am Telefon sagen. Minuten vergingen, bis sich sein Atem beruhigte. (N 77) [Hv. im Original]
Gregorius gerät in Panik und sein Atem geht schneller. Eine Pointe stellt die Tatsache dar, dass die Brille zwar durch den Rollschuhfahrer zu Boden gerissen, jedoch von Gregorius ‚eigenfüßig’ zertreten wird. „Die Schwere eines Verlusts eines persönlichen Objekts legt es nahe, von einer starken emotionalen Bindung an persönliche Objekte zu sprechen“, hebt Tilman Habermas den besonderen Status intensiver Dingbeziehungen hervor. Gregorius trifft dieser Verlust schwer, daher handelt es sich bei der Brille eindeutig um ein ‚persönliches Objekt’ im Sinne Tilman Habermas’. Die mahnenden Worte seines Augenarztes im Ohr, der solch eine Situation erahnte, macht sich Gregorius auf den Weg in sein Hotelzimmer und findet die heiß ersehnte Ersatzbrille:
Er spürte Tränen der Erleichterung, als seine Hand das kühle Metalletui der Ersatzbrille zu fassen bekam. Er setzte die Brille auf, wusch das Blut ab und klebte das Pflaster, das ihm der Portier mitgegeben hatte, auf den Hautriss an der Schläfe. Es war halb drei. Am Flughafen nahm niemand das Telefon ab. Gegen vier schlief er ein. (N 77)
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Dingproblematik ein, umreißt die Zielsetzung der Arbeit und ordnet das Thema in den literaturwissenschaftlichen Forschungsstand ein.
II. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel bietet einen philosophischen Unterbau durch die Analyse von Ding-Theorien (Heidegger, Lukács, Benjamin) und hinterfragt kritisch die klassische Subjekt-Objekt-Dichotomie.
III. Erzeugte Identität am Beispiel: Im Hauptteil werden die Romane von Bieri und Frey detailliert analysiert, wobei narrative Dingbeschreibungen, die Bedeutung spezifischer Objekte (Brille, Buch, Walkman, Kleidung) und deren Einfluss auf die Identitätsbildung der Protagonisten im Zentrum stehen.
IV. Schlussgedanken: Dinge zu Ende denken: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Bedeutung der Dinge als Stabilisatoren oder Krisenauslöser im biographischen Prozess final bewertet.
V. Literatur: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendete Primär- und Forschungsliteratur sowie Lexika und Nachschlagewerke auf.
Identität, Ding, Subjekt-Objekt-Beziehung, Literaturwissenschaft, Identitätskrise, Dinggeschichte, Verdinglichung, Symbolik, Alltagsgegenstände, Narratologie, Peter Bieri, Eleonore Frey, Nachtzug nach Lissabon, Siebzehn Dinge, Stabilisator.
Die Arbeit analysiert die Rolle von Dingen als aktive Akteure in der Identitätsbildung literarischer Figuren in der deutschen Gegenwartsliteratur.
Im Zentrum stehen das Subjekt-Objekt-Verhältnis, Identitätskrisen, die narrative Bedeutung von Gegenständen und die philosophische Auseinandersetzung mit der Dingwelt.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich der Dingumgang gestaltet und nach welchem Muster spezifische Objekte die Identität und psychische Verfassung ihrer Nutzer beeinflussen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische und kulturwissenschaftliche Theorien als Werkzeugkasten zur Interpretation der Primärtexte nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Nachtzug nach Lissabon“ und „Siebzehn Dinge“, wobei spezifische Objekte wie Brillen, Kleidung, Bücher und ein Walkman als identitätskonstituierende Faktoren detailliert dekonstruiert werden.
Identität, Verdinglichung, Dinggeschichte, Subjekt-Objekt-Beziehung, Identitätskrise und narrative Dingbeschreibung.
Die Brille dient als Medium, das eine „unwirkliche Wirklichkeit“ erzeugt; ihr Verlust oder Austausch führt zu Schwindelgefühlen und markiert zentrale Wendepunkte in der psychischen Stabilität des Protagonisten.
Der Walkman fungiert für Nina als privater Rückzugsort, als „Schlüssel in eine andere Welt“ und als Instrument, das ihr hilft, durch Musik eine biographische Kontinuität und emotionale Stabilität zu finden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

