Bachelorarbeit, 2020
33 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
1.1 Grundlagen der platonischen Erkenntnislehre
2. Platons Konzept des Wissens anhand des Theaitet und der Politeia
2.1 Die Definitionssuche: Was ist Erkenntnis?
2.2 Die Bereiche des Erkenntnisvermögens: Das Liniengleichnis
2.3 Wissen als Einheit der Vielheit
2.4 Die höchste Form des Wissens als Voraussetzung für Wissen
3. Das Menon-Paradox: Wissen durch Wiedererinnerung (anamnêsis)
4. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht den platonischen Wissensbegriff in seinen verschiedenen Definitionen und beleuchtet dessen Entwicklung durch die kritische Analyse der Dialoge Theaitetos, Politeia und Menon, um den Übergang von der bloßen Meinung zur begründeten Erkenntnis wissenschaftlich zu fundieren.
2.1 Die Definitionssuche: Was ist Erkenntnis?
Um den platonischen Wissensbegriff in seiner ganzen Breite erfassen zu können, bietet das Programm des Theaitetos eine umfassende theoretische Darstellung. In dieser Schrift wird die Erkenntnissuche über die besondere Beziehung von Wissen (epistêmê oder gnosis) und Meinung (doxa) dargestellt. Während der früheren Schriften noch maßgeblich die sokratische Definition der Form „Was-ist“ als eine reine Begriffsdefinition beantworten, wird der Gegenstand der Definition der mittleren platonischen Werke auf Behauptungen mit ihren logischen Beziehungen zueinander erweitert.
Die Suche nach Wissen ist stets mit dem wahren Sein verbunden. Um dieses wahre Sein zu bestimmen, müssen Behauptungen über die Wirklichkeit aufgestellt und geprüft werden. Die wahre Meinung von den Annahmen bzw. Vorstellungen stellt dann eine Rechtfertigung von Wissen dar. Soweit führt auch die Suche im Theaitetos, sie findet jedoch keine letzte Zustimmung und der Gegenstand der Suche bleibt ungewiss. Die verschiedenen Bereiche des Wissens, Erkenntnis und Wahrnehmung, sollen nun beschrieben und ihre Schwierigkeiten hinsichtlich des Wissens aufgezeigt werden. Die Definition des Wissens wird an drei Voraussetzungen untersucht. Sie bilden gleichsam das Formalgerüst der Wissenssuche und eine allgemeine Darstellung der platonischen Epistemologie. Die formale Analyse von Wissen und dessen Propositionen (p) lässt sich in den folgenden Prämissen darstellen: „Wissen, dass-p“ besteht es aus der Prämisse der Meinung, „Meinen, dass-p“, und aus der Prämisse der Wahrheit, „Wahr, dass-p“. Die Konklusion, die sich hieraus ziehen lässt, ist, dass es eine Rechtfertigung gibt, zu „meinen, dass-p“. Es ergibt sich folglich ein Wissen aus wahrer begründeter Meinung.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität des platonischen Wissensbegriffs ein und umreißt die Untersuchung anhand der Kernwerke Theaitetos, Politeia und Menon.
1.1 Grundlagen der platonischen Erkenntnislehre: Hier werden die metaphysischen Prinzipien der Seelen- und Ideenlehre dargelegt, die für das Verständnis des Vernunftvermögens essenziell sind.
2. Platons Konzept des Wissens anhand des Theaitet und der Politeia: Das Kapitel vergleicht die erkenntnistheoretischen Ansätze der beiden Dialoge und leitet von der getrennten Betrachtung zur hierarchischen Einheit über.
2.1 Die Definitionssuche: Was ist Erkenntnis?: Es wird die sokratische Definitionssuche analysiert und die Notwendigkeit einer Rechtfertigung für Wissen in Abgrenzung zur Wahrnehmung diskutiert.
2.2 Die Bereiche des Erkenntnisvermögens: Das Liniengleichnis: Dieses Kapitel erläutert die Hierarchie der Erkenntnisstufen von der sinnlichen Meinung bis hin zur dialektischen Vernunfterkenntnis.
2.3 Wissen als Einheit der Vielheit: Hier wird untersucht, wie durch Ähnlichkeitsbeziehungen und dialektische Unterscheidung eine Vielheit von Eindrücken zu einer einheitlichen Idee zusammengeführt wird.
2.4 Die höchste Form des Wissens als Voraussetzung für Wissen: Das Kapitel behandelt die Idee des Guten als das höchste metaphysische Ziel, das allen anderen Erkenntnisbereichen ihre Bedeutung verleiht.
3. Das Menon-Paradox: Wissen durch Wiedererinnerung (anamnêsis): Die Lehre der Wiedererinnerung wird als notwendige Bedingung für den Lernprozess und als Weg zum wahren Wissen eingeführt.
4. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass wahres Wissen eine dialektische Anstrengung zur Einheit erfordert.
Platon, Erkenntnislehre, Wissen, Meinung, Dialektik, Idee, Wiedererinnerung, Anamnesis, Vernunft, Politeia, Theaitetos, Menon, Seelenlehre, Wahrheit, Begründung
Die Arbeit analysiert Platos Verständnis von Wissen und Erkenntnis unter Rückgriff auf zentrale Dialoge wie den Theaitetos, die Politeia und den Menon.
Im Zentrum stehen die Unterscheidung zwischen echtem Wissen und bloßer Meinung, die Funktion dialektischer Methoden sowie die Rolle der Seele im Erkenntnisprozess.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Platon den Übergang vom Nichtwissen zur begründeten Erkenntnis systematisiert und welche Rolle dabei die metaphysischen Ideen spielen.
Die Arbeit nutzt die hermeneutisch-philosophische Interpretation der Primärtexte und bezieht aktuelle forschungswissenschaftliche Sekundärliteratur zur Platon-Exegese mit ein.
Der Hauptteil gliedert sich in die Definitionssuche im Theaitetos, die hierarchische Struktur des Liniengleichnisses und die Lehre der Wiedererinnerung im Menon.
Die entscheidenden Begriffe sind Anamnesis (Wiedererinnerung), Dialektik, Idee des Guten, epistemische Stufen und das Verhältnis von Wissen zu Meinung.
Wahrnehmung ist für Platon laut der Arbeit auf flüchtige sinnliche Phänomene beschränkt, während das Denken als höhere Vernunfttätigkeit auf die unveränderlichen Ideen gerichtet ist.
Die Idee des Guten fungiert als notwendige metaphysische Quelle, ohne die eine einheitliche und wahre Erkenntnis der übrigen Ideen überhaupt nicht möglich wäre.
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