Bachelorarbeit, 2023
48 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Das Gedächtnis in der Forschung
2.1 Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs
2.2 Das Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann
3 Erinnerungsorte als Schnittstelle von Geschichte und Gedächtnis
3.1 Der Ort als Gedächtnis
3.2 Pierre Noras Lieux de mémoire und seine Folgen
4 Der Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur
4.1 Der erinnerungskulturelle Diskurs nach 1945
4.2 Das Gedächtnis der Holocaust-Opfer
4.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen
5 Stolpersteine - Idee, Konzept, Projekt
6 Kritik an den Stolpersteinen
6.1 Kritik aus Wissenschaft und Gedenkstättenarbeit
6.2 Charlotte Knobloch und die Folgen für München
6.3 Stolzesteine der Künstlerin Dessa
7 Stolpersteine als Erinnerungsort?
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Projekt der Stolpersteine als zeitgemäße Form von Erinnerungsorten fungiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie dieses dezentrale Gedenkkonzept zur nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik in der deutschen Erinnerungskultur rezipiert wird und welche Rolle es als Ankerpunkt für individuelles und kollektives Gedächtnis spielt.
3.1 Der Ort als Gedächtnis
„Es handelt sich [bei Erinnerungen] nicht um die intakten Wirbel fossiler Tiere, die es als solche gestatteten, das Lebewesen zu rekonstruieren, dessen Teile sie vordem waren; man würde sie eher mit den Steinen vergleichen, die man in bestimmten romanischen Gebäuden verbaut findet, und die als Baumaterial in sehr alte Bauwerke eingegangen sind, die ihr Alter nur durch die vagen Spuren alter Schriftzeichen verraten, was weder ihre Form noch ihr Aussehen erraten lassen würde.“
„Aber wie der Archäologe aus stehengebliebenen Mauerresten die Wandungen des Gebäudes aufbaut, aus Vertiefungen im Boden die Anzahl und Stellung von Säulen bestimmt, aus den im Schutt gefundenen Resten die einstigen Wandverzierungen und Wandgemälde wiederherstellt, genauso geht der Analytiker vor, wenn er seine Schlüsse aus Erinnerungsbrocken, Assoziationen und aktiven Äußerungen des Analysierten zieht.“
Halbwachs und Freud betonen beide die Rekonstruktion von Erinnerungen und benutzen Metaphern der Räumlichkeit, um diese zu beschreiben. Diese häufige Verwendung von räumlichen Metaphern zur Erklärung des Gedächtnisses geschah schon bei Aristoteles und Platon – wie Draaisma in einer jahrhundertübergreifenden Sammlung darstellt. Die Verwendung von Metaphern sind als sprachliches Denkmodell wichtig, um das Gedächtnis-Thema überhaupt greifen zu können. Die Anlehnung an reale architektonische und geografische Orte eignet sich insofern als Orte überdauernd und stabil sind und das kollektive Gedächtnis an diese Stabilität geknüpft werden kann. Außerdem sind Orte sind für das Geschichtsbewusstsein und die Erinnerungskultur von großer Bedeutung, da sie als Beglaubigungsinstanz eines historischen Geschehens dienen. Diese Beglaubigung durch einen Ort wird dann wichtig, wenn die Gesellschaft zum Beispiel im Zuge eines Generationenwechsels nach Stabilisation für ihre Identität sucht.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die doppelte Bedeutung von Erinnerungsorten am Beispiel der Stolpersteine ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Bachelorarbeit.
2 Das Gedächtnis in der Forschung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses bei Maurice Halbwachs sowie Jan und Aleida Assmann.
3 Erinnerungsorte als Schnittstelle von Geschichte und Gedächtnis: Hier wird das Konzept des Erinnerungsortes, maßgeblich geprägt von Pierre Nora, analysiert und in Beziehung zur Gedächtnistheorie gesetzt.
4 Der Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur: Dieses Kapitel beleuchtet den Diskurs und die Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur bezüglich des Holocausts seit 1945.
5 Stolpersteine - Idee, Konzept, Projekt: Es wird die Entstehung, die Idee und das praktische Konzept des Stolperstein-Projekts von Gunter Demning detailliert beschrieben.
6 Kritik an den Stolpersteinen: Dieses Kapitel fasst die verschiedenen kritischen Perspektiven zusammen, von wissenschaftlichen Einwänden bis hin zu persönlichen Interventionen wie die von Charlotte Knobloch oder Dessa.
7 Stolpersteine als Erinnerungsort?: Das abschließende Kapitel bewertet die Stolpersteine vor dem Hintergrund der theoretischen Debatten als zeitgemäße Erinnerungsorte im aktuellen Diskurs.
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Die Arbeit analysiert die Rolle von Stolpersteinen als Erinnerungsorte innerhalb der deutschen Erinnerungskultur und reflektiert deren Akzeptanz und kritische Debatten.
Die zentralen Themen umfassen Gedächtnistheorien, Erinnerungskulturen, den Holocaust als Gedenkgegenstand sowie eine kritische Untersuchung des Stolperstein-Projekts.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Stolpersteine trotz vielfältiger Kritik zeitgemäße und adäquate Erinnerungsorte auf Augenhöhe darstellen.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Untersuchung, die primär auf der Analyse vorhandener Gedächtnistheorien und der Aufarbeitung verschiedener publizistischer sowie wissenschaftlicher Perspektiven basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die deutsche Erinnerungskultur, eine detaillierte Projektvorstellung der Stolpersteine und eine umfassende Diskussion der Kritikpunkte.
Stolpersteine, Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis, Holocaust, Gedenkpraxis, Erinnerungsort und nationale Identität sind prägend.
Kritiker wie Charlotte Knobloch empfinden das „Herumtreten“ auf Stolpersteinen als respektlos und unwürdig gegenüber den NS-Gedenk-Opfern, die auf diese Weise erneut symbolisch mit Füßen getreten werden.
Dessa entwickelte als „Stolzesteine“ bezeichnete Bilder auf Leinwand, die eine Würdigung „auf Augenhöhe“ ermöglichen sollen, ohne dass die Symbole am Boden beschmutzt oder ignoriert werden können.
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