Bachelorarbeit, 2009
92 Seiten, Note: 1,15
1. Einleitung
2. Theoretische Anstöße zum Ende der Massenarmee
2.1. Gesellschaft
2.2. Technologie
2.3. Ökonomie
2.4. Sicherheitspolitik und Geostrategie
3. Historische Entwicklung von Bundeswehr und Wehrpflicht in Deutschland
3.1. Einrichtung der Bundeswehr 1956
3.2. Entwicklung bis 1990
3.3. Der Wandel der Bundeswehr bis heute
4. Die Wehrpflicht in Deutschland aus politischer Perspektive
4.1. Warum wurde die Wehrpflicht eingeführt?
4.2. Weshalb wurde an der Wehrpflicht bis heute festgehalten?
5. Ist die allgemeine Wehrpflicht noch zeitgemäß für die BRD im 21. Jahrhundert?
5.1. Untersuchung wesentlicher Einflussfaktoren auf die Bundeswehr
5.1.1. Gesellschaft
5.1.2. Technologie
5.1.3. Ökonomie
5.1.4. Sicherheitspolitik und Geostrategie
5.2. Militärsoziologische Betrachtung
5.2.1. Einfluss der Faktoren auf die Bundeswehr als Organisation
5.2.2. Die Bundeswehr in Wechselwirkung mit der Gesellschaft
5.3. Zwischenfazit
5.4. Wehrgerechtigkeit in Deutschland
5.4.1. Wehrgerechtigkeit in den Musterungsjahren 2000 bis 2008
5.4.2. Wehrgerechtigkeit für die Geburtsjahrgänge 1981 bis 1991
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht vor dem Hintergrund veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen und sinkender Personalbedarfe, ob die allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland noch zeitgemäß ist. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen militärischen Erfordernissen und gesellschaftlichen sowie ökonomischen Entwicklungen zu analysieren.
5.1.1. Gesellschaft
Ein Spannungsfeld zwischen Militär und Gesellschaft trete vornehmlich während Perioden dynamischen gesellschaftlichen Wandels auf, da innerhalb der Bundeswehr konservative Gesellschaftsbilder überwiegen. Für die militärische Personalgewinnung wie auch für das Ansehen der Bundeswehr, spielt der tendenzielle Wertewandel in der Gesellschaft von der materialistischen zur postmaterialistischen Orientierung eine gewichtige Rolle. Wertewandel sowie zunehmende Individualisierung und Pluralisierung der Lebensläufe gehen Hand in Hand. Sie führen zunehmend zu dem Verlust traditioneller Autoritäten, der sich darin äußert, dass Institutionen wie Kirchen, Parteien oder eben das Militär keinen Orientierungswert mehr an sich besitzen. (Kutz, 2006, S. 270 ff.) Die zunehmende Demilitarisierung der Gesellschaft lasse sich ferner auch an dem erhöhten Lebensstandard, dem steigenden Bildungsdurchschnitt, den differenzierten und spezialisierten Berufsfeldern sowie der umfangreichen Technologiesierung festmachen. Diese sozio-kulturellen und sozio-strukturellen Entwicklungen leisteten ihrerseits einen Beitrag zu der oben angeführten Werteverschiebung von der Gemeinschaftsorientierung hin zur Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile. (Bredow & Kümmel, 1999, S. 13 f.)
Unter diesen Entwicklungen habe ebenfalls die nationale Verbundenheit bzw. die Heimatverbundenheit gelitten. Wie schon angedeutet unterliege die Ablehnung allen militärisch Formalen und Disziplinären auch zunehmender Ablehnung vor allem durch Jugendliche und junge Erwachsene. In diesem Zusammenhang sind auch die Motivationsgründe zu sehen, die junge Männer dazu veranlassen Militärdienst zu leisten. Die Zahl derer, die als Anlass für den Eintritt in die Armee die Vermeidung von Arbeitslosigkeit angaben, stieg von 25% im Jahr 1963 auf 67% im Jahr 1986 an (Klein, 1987, S. 2 ff.); im Jahr 1992 gaben in einer Studie von Hans-Ferdinand Müller 64% der Befragten mit einer hohen bis sehr hohen Zustimmung an, der sichere Arbeitsplatz sei ein Eintrittsmotiv gewesen. (Müller, 1996, S. 153)
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ausgangslage der Wehrpflichtdebatte und legt die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit dar.
2. Theoretische Anstöße zum Ende der Massenarmee: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über wissenschaftliche Argumente, die den globalen Trend zur Abkehr von Massenarmeen hin zu Freiwilligenstreitkräften begründen.
3. Historische Entwicklung von Bundeswehr und Wehrpflicht in Deutschland: Hier wird der historische Kontext der Bundeswehr von der Gründung 1956 bis zur Gegenwart unter Berücksichtigung politischer Zäsuren aufgearbeitet.
4. Die Wehrpflicht in Deutschland aus politischer Perspektive: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen Begründungen für die Einführung und die fortwährende Beibehaltung der Wehrpflicht im deutschen Diskurs.
5. Ist die allgemeine Wehrpflicht noch zeitgemäß für die BRD im 21. Jahrhundert?: Das Kernstück der Arbeit untersucht Einflussfaktoren wie Gesellschaft, Technologie, Ökonomie und Geostrategie auf die Bundeswehr sowie die Problematik der Wehrgerechtigkeit.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Perspektiven der aktuellen Rekrutierungsform.
Wehrpflicht, Bundeswehr, Massenarmee, Wehrgerechtigkeit, Militärsoziologie, Sicherheitspolitik, Freiwilligenarmee, Zivildienst, Personalgewinnung, Sozialisation, Strukturwandel, Auslandseinsätze, Krisenmanagement, Demilitarisierung, Wertewandel.
Die Arbeit untersucht, ob das System der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung moderner sicherheitspolitischer Anforderungen noch zeitgemäß ist.
Die zentralen Felder umfassen die gesellschaftlichen, technologischen, ökonomischen sowie sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen, die den Wandel von Armeestrukturen beeinflussen.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Wehrpflicht als Rekrutierungsform noch eine angemessene Antwort auf die Bedürfnisse der Bundeswehr im 21. Jahrhundert darstellt.
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und militärsoziologische Analyse internationaler Theorieansätze sowie eine empirische Auswertung vorliegender statistischer Daten.
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen von Effizienzdenken, Technisierung und dem geänderten Aufgabenspektrum der Bundeswehr (z. B. Auslandseinsätze) auf die Wehrpflicht und die Wehrgerechtigkeit.
Die wesentlichen Begriffe sind Wehrpflicht, Bundeswehr, Wehrgerechtigkeit, Militärsoziologie und die Transformation zu professionellen Streitkräften.
Der Autor stellt eine zunehmende kulturelle Distanz fest, da moderne gesellschaftliche Werte (Individualisierung, Postmaterialismus) konträr zu traditionellen militärischen Hierarchien verlaufen.
Der Zivildienst wird als eine Art "Ersatzdienst" betrachtet, dessen gesellschaftliche Bedeutung zwar hoch ist, jedoch kritisch in Bezug auf die Rechtfertigung der Wehrpflicht selbst diskutiert wird.
Aufgrund sinkender Bedarfe und zahlreicher Ausnahmeregelungen wird argumentiert, dass die Wehrpflicht faktisch kaum noch einem allgemeinen, gerechten Prinzip folgt.
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