Masterarbeit, 2023
54 Seiten, Note: 1,3
THEORIE
1 Einleitung
2 Methodologische Vorüberlegungen zur gendertheoretischen Perspektive
3 Droste-Hülshoff im Kontext ihrer Zeit
3.1 Die Rolle der (schreibenden) Frau in der Biedermeierzeit
3.2 Dichterisches Selbstverständnis und poetologischer Anspruch Annette von Droste-Hülshoffs
4 Motivtriade von Wasser, Weiblichkeit und Tod
ANALYSE
5 Ledwina
5.1 Darstellung von Weiblichkeit, Wasser und Tod
5.1.1 Weiblichkeitskonzept
5.1.2 Der Fluss
5.1.3 Der Tod
5.2 Schnittstellen und Interdependenz von Weiblichkeit, Wasser und Tod
5.2.1 Ledwina als Wasserfrau
5.2.2 Ledwinas Streifereien am Fluss
5.2.3 Ledwinas tote Doppelgänger
6 Am Thurme
6.1 Weiblichkeitskonzept
6.2 Das Meer als Grenze
6.3 Der Tod als Erlösung
6.4 Motivtriade
7 Im Moose
7.1 Die flüssige Grenze zur Zukunft
7.2 Der Tod durch Überschreitung
7.3 Motivtriade
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Interdependenz und die gemeinsame Schnittstelle der Motive Weiblichkeit, Wasser und Tod im Werk von Annette von Droste-Hülshoff. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Motivtriade die Rolle der schreibenden Frau in der Biedermeierzeit repräsentiert und als Ausdruck weiblicher Grenzüberschreitung sowie poetologischer Reflexion dient.
Ledwina als Wasserfrau
Bereits zu Beginn des Romans, worin sich auch die Wichtigkeit des Motivs begründet, wird auf die Verbindung zwischen dem Tod und der Protagonistin aufmerksam gemacht: „[…] [E]ine Gestalt, wie die einer jungen Silberlinde, schwamm langsam seine Fluten hinauf, es war das schöne bleiche Bild Ledwinens […]“ (S. 79, Z. 2f). Es entsteht die Idee einer Wasserleiche, sodass angesichts der positiv konnotierten Attribute die Annahme einer schönen Opheliengestalt erzeugt wird – einer weiblichen, toten Figur auf dem Wasser, die auf dem Werk Shakespeares beruht. Sowohl in Drostes Portraitgedichten als auch im Romanfragment ist die Spiegelung des Ichs im Bild fixiert. Es verschwimmt nicht und erscheint somit ganz klar, sodass sowohl dem Leser als auch der Titelfigur Ledwina ein bohrender Blick in ihr Inneres gewährleistet wird. Das Spiegelbild setzte sich in der Dichtung als eine neue Variante des Doppelgängermotivs durch, die in Form der Selbstreflexion das unbewusste zweite Ich oder eine zweite Existenz aufzeigt. Der Doppelgänger gilt als „[…] Schnittpunkt, in dem Wirklichkeitserfahrung und das Unbekannte zusammentreffen.“
Nachdem Ledwina näher an den Fluss getreten war, sieht sie, „[…] wie die Locken von ihrem Haupte fielen und forttrieben, ihr Gewand zerriß und die weißen Finger sich ablösten […], da wurde es ihr, als ob sie wie todt sey und wie die Verwesung lösend durch ihre Glieder fresse, und jedes Element das Seinige mit sich fortreiße […].“ (S. 79, Z. 23-28) Für Ledwina scheint es zunächst unmöglich, einen Unterschied zwischen Imagination und Wirklichkeit zu erkennen, was zur gleichzeitigen Verwirrung ihrer Identität führt.
1 Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein, indem sie die Rolle der Frau und das geschlechtsspezifische Rollenverständnis im 19. Jahrhundert sowie die Zielsetzung der Arbeit erläutert.
2 Methodologische Vorüberlegungen zur gendertheoretischen Perspektive: Dieses Kapitel beleuchtet die Rezeptionsgeschichte der Werke Droste-Hülshoffs und begründet den gendersensiblen Forschungsansatz der Arbeit.
3 Droste-Hülshoff im Kontext ihrer Zeit: Hier wird der soziohistorische Kontext der Biedermeierzeit untersucht und das dichterische Selbstverständnis von Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Auflehnung analysiert.
4 Motivtriade von Wasser, Weiblichkeit und Tod: Dieses Kapitel führt die methodische Triade ein und untersucht die symbolische und kulturelle Bedeutung von Wasser, Weiblichkeit und Tod in Literatur und Kunst.
5 Ledwina: Der Hauptteil beginnt mit einer tiefgehenden Analyse des Romanfragments hinsichtlich der Darstellung von Weiblichkeit, Wasser und Tod sowie der Rolle der Protagonistin und der Wasserfrauen-Metaphorik.
6 Am Thurme: Das Gedicht wird im Hinblick auf sein Weiblichkeitskonzept, die Grenzfunktion des Meeres und das Motiv des Todes als Erlösung für das lyrische Ich untersucht.
7 Im Moose: Dieser Abschnitt analysiert, wie in dem Gedicht das Wassermotiv implizit zur Darstellung von Identitätsfragen und als flüssige Grenze zur Zukunft genutzt wird.
8 Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse aus Analyse und Theorie zusammen und bestätigt die Bedeutung der Motivtriade als Ausdruck für die Lebens- und Schreibbedingungen Droste-Hülshoffs.
Annette von Droste-Hülshoff, Biedermeierzeit, Weiblichkeit, Wassermotiv, Todesmotiv, Ledwina, Feministisch, Rollenbilder, Gendertheorie, Literaturanalyse, Schreibende Frauen, Wasserfrau, Naturlyrik, Spiegelbild, Identität.
Die Arbeit untersucht Annette von Droste-Hülshoffs literarische Werke durch eine gendersensible Brille, um die Rollenkonstruktion der schreibenden Frau in der Biedermeierzeit anhand der Motivtriade „Weiblichkeit, Wasser und Tod“ aufzuzeigen.
Im Zentrum stehen die soziokulturellen Bedingungen der Frau im 19. Jahrhundert, das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher Anpassung und literarischer Autonomie sowie die symbolische Aufladung der Naturmotive Wasser und Tod.
Die Arbeit fragt, inwiefern die Interdependenz und Schnittstellen der Motive Weiblichkeit, Wasser und Tod die Rolle der (schreibenden) Frau in der Biedermeierzeit repräsentieren.
Es wird ein gendersensibler, literaturwissenschaftlicher Ansatz gewählt, der die Texte „gegen den Strich“ liest, um unterdrückte weibliche Erfahrungen und poetologische Reflexionen offenzulegen.
Der Hauptteil analysiert das Romanfragment Ledwina sowie die Gedichte Am Thurme und Im Moose, wobei insbesondere auf die Wasserfrauen-Metaphorik und das Spiegelmotiv eingegangen wird.
Schlüsselbegriffe sind Identitätslosigkeit, Grenzüberschreitung, patriarchale Ordnung, poetologische Selbstreflexion, Wasserfrau und die Dichotomie zwischen Lebenswillen und Todesverlangen.
Die Autorin bewegte sich in einem patriarchalen Umfeld, das Frauen auf die häusliche Sphäre reduzierte; dies führte zu einem Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher Konvention und dem Drang zur literarischen Selbstverwirklichung.
Das Spiegelbild dient nicht nur als Methode der Selbstreflexion, sondern macht die Zerrissenheit der Protagonistin deutlich, die sich im gesellschaftlichen Spiegelbild der Biedermeierzeit nicht wiedererkennen kann.
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