Diplomarbeit, 2009
94 Seiten, Note: 1,0
1. BEGEGNUNGEN MIT DEM „FREMDEN“- KUNST IM PROZESS IHRER REZEPTION
1.1 DER BLICK AUS DER FERNE – ANEIGNUNG UND KONSTRUKTION „FREMDER“ KUNST IM KOLONIALISMUS
1.2 FORSCHUNGSGEGENSTAND UND ABSICHT: STRUKTURELLE KUNSTBETRACHTUNG
1.3 HISTORISCHER ABRISS DER SAMMLUNGSGESCHICHTE IM KOLONIALISMUS: DER MYTHOS VOM „EDLEN“ UND VOM „BÖSEN“ „WILDEN“
1.3.1 DER BEGRIFF DES „FETISCH“ ALS BEISPIEL FÜR DAS ABGELEHNTE „EIGENEN“ IM „ANDEREN“
1.3.2 ETHNOGRAPHISCHE SAMMELWUT
1.3.3 DIE WISSENSCHAFT VOM „ANDEREN“ : DIE ENTSTEHUNG DER ETHNOLOGIE
1.4 DIE EUROPÄISCHE MODERNE I: HÖHEPUNKT UND ENDE DES KOLONIALISMUS?
1.4.1 „TRAURIGE TROPEN“ ? TRAURIGE MODERNE!
1.4.2 EXOTISMUS – MOTOR DER MODERNE?
2. ‚KUNST’ ALS LEINWAND ODER: WAS IST KUNST- UND FÜR WEN?
2.1.1 DIE ENTWICKLUNG DES EUROPÄISCHEN KUNSTBEGRIFFS
2.1.2 UNIVERSALISMUS UND ‚ARS UNA’ : KONSTRUKTION EINER MENSCHHEITSÜBERGREIFENDEN KUNSTGESCHICHTE
2.2 EUROPÄISCHE MODERNE II: ABSCHIED VOM GEGENSTAND: REFLEXION ÜBER ABSTRAKTION UND ‚WILDES DENKEN’
2.3 UNIVERSALISMUS UND DIE FOLGEN FÜR DIE POSTMODERNE: EGALITARISMUS UND KULTURELLER FUNDAMENTALISMUS
3. VOM UNIVERSALISMUS ZUM PLURALISMUS, VOM EUROZENTRISMUS ZUM DEZENTRALISMUS: VON DER HYBRIS ZUR HYBRIDEN KULTUR
3.1 NEUE PERSPEKTIVEN AUF DIE FRAGE: WAS IST KUNST?
3.1.1 ETHNOZENTRISMUS UND DIE FOLGEN- DER KÜNSTLER ALS EUROPÄISCHES KONSTRUKT.
3.1.2 SOZIALE FUNKTION(EN) VON KUNST IN SCHRIFTLOSEN GESELLSCHAFTEN
3.2 ANDERE KUNSTGESCHICHTEN
3.3 KULTUR UND MACHT
3.3.1 WER HAT KEINE ANGST VORM „SCHWARZEN MANN“ ? ÜBER DIE UNMÖGLICHKEIT DES ‚RASSE’ – BEGRIFFS
3.3.2 KULTURRELATIVISMUS
3.4 HYBRIDITÄT UND KREOLISIERUNG: NEUE KONZEPTE (WECHSELSEITIGER) ANEIGNUNG
3.5 (RE-) PRÄSENTATION ALS PROBLEM. DÜRFEN WIR „ANDERE“ AUSSTELLEN?
4. VON DER MAGIE ZUR POLITIK- NEUERE AUSSTELLUNGSPRAXIS VON ‚LES MAGICIENS DE LA TERRE“ BIS HEUTE
4.1.1 DEZENTRALISIERUNG DER MACHTVERHÄLTNISSE UND DER BEGRIFF DER ÄSTHETIK IM ‚EMPIRE’ (NEGRI/HARDT)
4.1.2 KUNST UND KÜNSTLERISCHE IDENTITÄT IM ZEITALTER DER GLOBALISIERUNG: DIE INTERNATIONALISIERUNG DER KUNST
4.2 INTERNATIONALE AUSSTELLUNGEN MIT DEM SCHWERPUNKT NICHT - WESTLICHE KUNST: VERSUCH EINES DISKURSANALYTISCHEN VERGLEICHES
4.2.1 LES MAGICIENS DE LA TERRE UND FOLGEN
4.2.2 49. & 50. BIENNALE VON VENEDIG
4.2.3 DOCUMENTA 11 & DOCUMENTA 12
4.3. KRITIK DER AUSSTELLUNGSPRAXIS – KRITIK AN WESTLICHEN FORMEN DER PRÄSENTATION ALS UMGANGSNORM
4.3.1 WAHRNEHMUNG UND BEDEUTUNGSKONSTRUKTION IM MUSEALEN KONTEXT
4.3.2 ANALYSE DES SEHENS
5. NEUE FORMEN DES TRANSFERS UND DER VERMITTLUNG: MUSÉE DU QUAI BRANLY UND ETHNOLOGISCHES MUSEUM DAHLEM ZU BERLIN
6. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Arbeit untersucht kritisch die eurozentristische Prägung des westlichen Kunstverständnisses und dessen Einfluss auf die Rezeption und Ausstellungspraxis außereuropäischer Kunst, mit dem Ziel, Möglichkeiten für einen postkolonialen, pluralistischen Umgang mit globaler Kunstgeschichte aufzuzeigen.
1. Begegnungen mit dem „Fremden“- Kunst im Prozess ihrer Rezeption
“Ceci n’est pas une pipe”. So betitelte René Magritte eines seiner bekanntesten Bilder. Darauf zu sehen ist: nichts anderes als eine schlichte Tabakpfeife. Was das Bild des Surrealisten verdeutlicht ist, welche Transformation seiner Bedeutung ein Gegenstand im Prozess seiner Abbildung erfährt. Ein und dasselbe Objekt kann unterschiedliche Aussagen vermitteln – je nachdem, welchen Zweck es erfüllt. Durch seine gestalterische Verwertung kann aus einem banalen Alltagsutensil Kunst werden. Und ebenso kann sich die Aussage von Abbildern je nach dem Kontext ihrer Präsentation grundlegend verändern. Somit bedeutet dasselbe Bild in einer Kirche möglicherweise etwas völlig anderes als im Weißraum eines Museums. Das, was Menschen in Museen betrachten hat, so Magrittes These, mit der abgebildeten Wirklichkeit nur noch wenig zu tun. Im musealen Zusammenhang ergibt sich eine neue Bedeutungszuschreibung der ausgestellten Objekte. Was Magritte und später auch Marcel Duchamp, Andy Warhol und andere – größtenteils westliche - Künstler der 40er, 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit dem Transfer profaner Alltagsgegenstände in die musealen Tempel verdeutlichen wollten, war die Konstruierbarkeit von Kunst. Sie schöpften dabei aus ihren eigenen gesellschaftlichen Kontexten und regten somit eine Reflexion über die Wahrnehmung von Kunst an. Kunst stellt jedoch nicht nur einen Prozess der Deutung oder Erfindung von Realitäten durch den Künstler dar. Auch die Rezeption und Aneignung durch den einzelnen Betrachter sowie ihre jeweilige sozialen Funktionen tragen zum „Konstrukt Kunst“ bei.
1. BEGEGNUNGEN MIT DEM „FREMDEN“- KUNST IM PROZESS IHRER REZEPTION: Dieses Kapitel beleuchtet den geschichtlichen Wandel der Wahrnehmung „fremder“ Kunst vom Kolonialismus bis zur Moderne und hinterfragt die eurozentristische Konstruktion des „Fremden“.
2. ‚KUNST’ ALS LEINWAND ODER: WAS IST KUNST- UND FÜR WEN?: Hier wird die Entwicklung des westlichen Kunstbegriffs und dessen universeller Geltungsanspruch sowie die kritische Reflexion über Abstraktion und das „Wilde Denken“ thematisiert.
3. VOM UNIVERSALISMUS ZUM PLURALISMUS, VOM EUROZENTRISMUS ZUM DEZENTRALISMUS: VON DER HYBRIS ZUR HYBRIDEN KULTUR: Das Kapitel diskutiert den Übergang zu einem dezentralen Verständnis von Kunst, die Rolle von Kultur und Macht sowie neue Konzepte wie Hybridität und Kreolisierung.
4. VON DER MAGIE ZUR POLITIK- NEUERE AUSSTELLUNGSPRAXIS VON ‚LES MAGICIENS DE LA TERRE“ BIS HEUTE: Dieses Kapitel analysiert internationale Ausstellungen und kritisiert die westliche Ausstellungspraxis als oft hegemoniale Form der Aneignung des „Anderen“.
5. NEUE FORMEN DES TRANSFERS UND DER VERMITTLUNG: MUSÉE DU QUAI BRANLY UND ETHNOLOGISCHES MUSEUM DAHLEM ZU BERLIN: Hier werden aktuelle museale Ansätze der Neupräsentation völkerkundlicher Bestände kritisch hinterfragt und nach Möglichkeiten eines Empowerment gesucht.
6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung fasst die Notwendigkeit zusammen, Museen als „Kontakt- und Konfliktzonen“ neu zu konzipieren, um den postkolonialen Weg der Annäherung jenseits von „ethno-touristischem Mummenschanz“ zu beschreiten.
Postkolonialismus, Kunstgeschichte, Eurozentrismus, Ausstellungspraxis, Globalisierung, Museologie, Fremdwahrnehmung, Kulturrelativismus, Hybridität, Identität, Machtverhältnisse, Ethnologie, Weltkunst, Westkunst, Dekonstruktion.
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des westlichen Kunstverständnisses und wie dieses historisch und aktuell dazu genutzt wird, außereuropäische Kunst zu kategorisieren, auszustellen und sich anzueignen.
Die zentralen Themen sind die Konstruktion des „Fremden“ und „Eigenen“, die Kritik an der eurozentristischen Kunstgeschichtsschreibung, Machtstrukturen in Institutionen wie Museen sowie Ansätze für einen postkolonialen, interkulturellen Dialog.
Das Ziel ist es, den „Wandel westlicher Zuschreibungen fremder Kunst“ nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Kunstgeschichte jenseits des Eurozentrismus neu gedacht werden kann.
Die Autorin nutzt diskursanalytische Ansätze sowie eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Feldern aus der Kunstgeschichte, der Ethnologie und den Cultural Studies.
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen (Kolonialismus), die Theorie der Moderne und Postmoderne sowie eine konkrete Untersuchung internationaler Großausstellungen (z. B. Documenta, Biennale von Venedig), um die heutige Ausstellungspraxis zu kritisieren.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Postkolonialismus, Eurozentrismus, Hybridität, Ausstellungspraxis, Machtverhältnisse und globale Kunstgeschichte charakterisiert.
Das Museum wird als Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft und Kunst begriffen, die durch ihre institutionellen Strukturen maßgeblich daran beteiligt ist, wie Kunst wahrgenommen und in einen globalen Kontext eingeordnet wird.
Sie gilt als ein historischer Wendepunkt, da sie der erste Versuch westlicher Ausstellungspraxis war, eine Form von „Internationalität“ herzustellen, dabei jedoch gleichzeitig in die Kritik geriet, das „Andere“ lediglich ästhetisch zu instrumentalisieren.
Sie fordert eine Abkehr von der „gedanklichen Führung“ der Besucher durch explizite Erklärungen hin zu einem „intellektuellen Zwischenraum“, in dem Besucher eigenständig Differenzen und Brüche erkennen können, ohne dass die repräsentierte Kultur „verrätselt“ oder vereinnahmt wird.
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