Magisterarbeit, 2009
102 Seiten, Note: 1,3
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Der antike Bezug im ostdeutschen Drama vor der Wende
1. Das Theater der DDR und der antike Mythos
a) Theorieeinflüsse auf die Antikerezeption in der DDR
aa) Karl Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie (1895)
bb) Bertolt Brecht, Antigone des Sophokles (1948)
b) Sozialistischer Realismus, Kulturpolitik und antiker Mythos in der Literatur
aa) Der Sozialistische Realismus
bb) Kulturpolitik
cc) Der Mythos in der Literatur
c) Die differenzierte Bearbeitung des Mythos am Beispiel Prometheus
d) Der antike Mythos im Theater der DDR und der BRD im Vergleich
2. Heiner Müller, Philoktet (1965)
a) Entstehung
b) Schachspiel zu dritt
c) Modell, nicht Historie
d) Lesarten
3. Die Schule Heiner Müller
a) Stefan Schütz, Odysseus’ Heimkehr (1972)
aa) Schütz und die Odysseusrezeption
bb) Bruch mit der Erwartungshaltung
cc) Groteskes Ithaka
dd) Das Unhöfliche des Wortes
ee) Rezeption
b) Thomas Brasch, Frauen. Krieg. Lustspiel (1989)
aa) Das Experiment der Entstehung
bb) Struktur der Dreiteilung
cc) Troja Theater Tod
dd) „Im Grunde sind alle Formen schon da“
II. Der antike Mythos im ostdeutschen Drama nach der Wende
1. Stasi-Vorwürfe und enttäuschte Revolutionäre: DDR-Autoren nach der Wende
2. Volker Braun, Iphigenie in Freiheit (1992)
a) Kommentar zur Wende?
b) Auflösung der Dramenform
c) Zitatencollage
d) Im Spiegelzelt
e) Iphigenie in Freiheit
f) Geländespiel
g) Antikesaal
h) Geballte Zivilisationskritik
3. Peter Hacks, Der Geldgott (1993)
a) Hacks’ Programm der Sozialistischen Klassik
b) Der Frieden
c) Der Geldgott in der kapitalistischen Gesellschaft
d) Theater im Theater
e) Neue sprachliche Formen
f) Ästhetische Verweigerung
C. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption und Transformation antiker Mythen im ostdeutschen Drama in der Vor- und Nachwendezeit. Ziel ist es, anhand von Fallbeispielen zu analysieren, wie ostdeutsche Dramatiker den Mythos als ästhetisches und politisches Ausdrucksmittel nutzten, um gesellschaftliche Bedingungen zu reflektieren und sich sowohl vom sozialistischen Dogma als auch von den neuen Gegebenheiten nach der Wiedervereinigung abzugrenzen.
Heiner Müller, Philoktet (1965)
Philoktet ist das erfolgreichste Antikestück des Dramatikers Heiner Müller. In den Jahren 1958 bis 1964 geschrieben, wurde es 1965 in Sinn und Form zum ersten Mal abgedruckt, 1968 folgte die Uraufführung am Münchner Residenztheater, 1977 wurde es am Deutschen Theater in Berlin zum ersten Mal in der DDR gezeigt. Das Stück bildet zusammen mit Der Horatier (1968) und Mauser (1970), die ursprünglich als Radiohörspiele konzipiert waren, nach Angaben des Autors eine „Versuchsreihe“, in der Müller sich mit dem Thema Gewalt, aber auch mit dem Brecht’schen Lehrstück auseinandersetzt.
Dem Stück war eine schwierige persönliche und finanzielle Phase des Autors vorangegangen. Nach den realistischen Produktionsstücken Der Lohndrücker (1958), Die Korrektur (1958) und Die Umsiedlerin (1961), die sich mit den Widersprüchen und Problemen des realsozialistischen Alltags beschäftigten, wurde es in der DDR schwierig, Müllers Stücke auf die Bühne zu bringen. Müller, so die Kritik, zeige „das Besondere, das Negative, tatsächlich sei aber das Positive das Typische. (…) Es sind Vorwürfe, die, unterschiedlich formuliert, in der Folge gegen nahezu alle Müller-Stücke vorgebracht“ werden. Müller betreibe „Schwarzmalerei“, ein Vergehen an der realistischen Aufbauliteratur. Obwohl Änderungen an Die Korrektur das Stück wieder spielbar machten, war in der Auseinandersetzung zwischen Müller und dem Staat kein Ende abzusehen.
I. Der antike Bezug im ostdeutschen Drama vor der Wende: Dieses Kapitel beleuchtet die ideologischen und kulturpolitischen Rahmenbedingungen der Antikerezeption in der DDR und analysiert erste wesentliche Bearbeitungen bei Heiner Müller sowie dessen unmittelbare Nachfolger.
II. Der antike Mythos im ostdeutschen Drama nach der Wende: Hier wird der Umgang ostdeutscher Autoren mit dem Mythos in einer veränderten politischen Landschaft untersucht, wobei der Fokus auf den ästhetischen Reaktionen auf die Wiedervereinigung liegt.
Antikerezeption, DDR-Literatur, Mythos, Heiner Müller, Volker Braun, Peter Hacks, Sozialistischer Realismus, Wende, Theatergeschichte, Gewaltkritik, Identität, Machtmissbrauch, Drama, Literaturstreit, Transformation.
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wandlung antiker Mythen im Drama der DDR und des wiedervereinigten Deutschlands sowie die politische Dimension dieser Adaptionen.
Im Zentrum stehen die Kritik an Machtstrukturen, die Auseinandersetzung mit Gewalt, die Rolle des Individuums in Diktaturen und der Wandel ästhetischer Formen.
Das Ziel besteht darin, die Kontinuitäten und Brüche in der Mythosaneignung ostdeutscher Dramatiker über vier Jahrzehnte hinweg aufzuzeigen und deren ästhetischen Umgang mit dem Erbe zu verstehen.
Es werden Einzelanalysen der Dramen durchgeführt, wobei vergleichende Textanalysen und der Bezug zur zeitgeschichtlichen Situation und Literaturtradition im Vordergrund stehen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Vorwende-Dramatik (u.a. Müller, Schütz, Brasch) und der Nachwende-Dramatik (u.a. Braun, Hacks) unter Berücksichtigung kulturpolitischer Einflüsse.
Wesentliche Begriffe sind Antikerezeption, Mythos, DDR-Literatur, Machtkritik, Transformation und Ästhetik der Wende.
Brechts Forderung nach Durchrationalisierung zielt darauf ab, das „Schicksalhafte“ aus den antiken Stoffen zu eliminieren, um Menschen die volle Verantwortung für ihr Handeln zuzuschreiben.
Schütz entwirft ein groteskes Ithaka, das als „Hölle“ inszeniert wird, um das Stagnieren des Sozialismus und den Machtmissbrauch in diktatorischen Systemen zu kritisieren.
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