Examensarbeit, 2022
102 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Motiv und Motivgeschichte
2.1. Motiv – Definition und Abgrenzung
2.2. Motivgeschichte – Fortführung kollektiver Denkmuster
2.3. Motive als Indikator für historische Mentalitäten
2.4. Mehrdimensionaler Motivbegriff
3. Das Vampirmotiv
3.1. Grundlegende Definition
3.2. Zentrale Elemente
3.2.1. Zwischenfazit
3.3. Entstehung und Entwicklung
3.3.1. Ursprünge und verwandte Motive
3.3.2. Wissenschaftliche Entdeckung und literarische Wiederentdeckung in der europäischen Aufklärung und Romantik
4. Die Verwendung des Vampirmotivs bei Goethe und Polidori
4.1. Goethes „Die Braut von Korinth“
4.1.1. Inhalt und Aufbau
4.1.2. Der Vampir in „Die Braut von Korinth“
4.1.2.1. Motivtradition und intertextuelle Bezüge
4.1.2.2. Konzeption und Funktion des Vampirmotivs in „Die Braut von Korinth“
4.1.2.3. Zwischenfazit
4.2. Polidoris „The Vampyre“
4.2.1. Inhalt und Erzählweise
4.2.2. Der Vampir in „The Vampyre“
4.2.2.1. Motivtradition und intertextuelle Bezüge
4.2.2.2. Konzeption und Funktion des Vampirmotivs in „The Vampyre“
4.2.2.3. Zwischenfazit
4.3. Vergleich
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv des Vampirs in der europäischen Literatur und analysiert dessen diachrone Entwicklung sowie die unterschiedliche Ausgestaltung und Funktion bei Johann Wolfgang von Goethe und John William Polidori.
3.2.1 Zwischenfazit
Mit dem Vampirismus werden Themen wie Krankheit, Tod, Sexualität und Religiosität in einem Motiv vereint. Existenzielle Fragen, Widersprüche im menschlichen Dasein, religiöse und gesellschaftliche Werte sowie deren Hinterfragen werden durch das Vampirmotiv artikulierbar und kommunizierbar.
Der Vampir „als Symbol für das Eindringen des Todes und des Jenseitigen auf heimtückischen und gewalttätigen Pfaden in eine Welt, die genau dies ausschließt“ ist ein Abgrenzungsphänomen, das Menschen und ihrer Welt das Perverse und das Abnormale, das Sündige und das unmöglich Geglaubte gegenüberstellt. Mit der gewissen Verletzlichkeit, der Imperfektion und der Unschuld in seiner Existenz bietet die Vampirfigur trotz ihrer Monstrosität Angebote zur Identifikation und mitfühlenden Teilhabe an ihrem Dasein. Dies ermöglicht die wechselnde Perspektivierung von Opfer und Täter, deren Sphären durchlässig werden und die komplexe Gestaltung ihrer gegenseitigen Beziehung zueinander, die zwischen Masochismus und Sadismus wechselt.
Die Ästhetik des Vampirmotivs liegt in der psychologischen Beschaffenheit der Menschen, die sich vom Andersartigen angezogen fühlen, verborgene Seiten ihres Selbst in ihm erkennen, verbotene Wünsche erfüllbar sehen, mit den Abgründen ihres eigenen Ichs konfrontiert werden – und wie die Vampiropfer in den Erzählungen in einem Zustand zwischen Lust und Schrecken verharren. Der Vampir, dessen Monstrosität im Gegensatz zu vielen anderen Schauermotiven eher in seinem Seelenzustand und nicht seiner äußerlichen Erscheinung liegt, besitzt hervorragende Qualitäten als Projektionsfläche für menschliche Abgründe; Konflikte und Horror laufen in seinem Inneren ab, ohne dabei auf ein Geschlecht oder eine Gestalt beschränkt zu sein.
1. Einleitung: Stellt die Allgegenwärtigkeit und die philosophische Signifikanz des Vampirmotivs in Literatur und Medien heraus.
2. Motiv und Motivgeschichte: Formuliert einen mehrdimensionalen Motivbegriff und bettet diesen in den Kontext literarischer Tradition und kollektiver Denkmuster ein.
3. Das Vampirmotiv: Definiert den Vampirbegriff und identifiziert zentrale Attribute wie die Unschuld des Opfers und den Drang zur Überschreitung von Tabus.
4. Die Verwendung des Vampirmotivs bei Goethe und Polidori: Analysiert detailliert die Intertextualität, Konzeption und Funktion des Vampirs in Korinth sowie bei Polidori.
5. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und resümiert die Entwicklungslinien des Vampirmotivs als Spiegelbild gesellschaftlicher und kultureller Mentalitätsgeschichte.
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Die Arbeit untersucht die literarische Gestalt des Vampirs und analysiert, wie zwei zentrale Werke der Epoche – Goethes „Die Braut von Korinth“ und Polidoris „The Vampyre“ – dieses Motiv nutzen, um gesellschaftliche Normen und Ängste zu reflektieren.
Die zentralen Themen umfassen Leben und Tod, die Verbindung von Erotik und Schrecken, die Rolle der Religion sowie die Frage nach historisch sowie kulturell geprägten Mentalitäten.
Das Hauptziel liegt in einem diachronen Vergleich der Vampirgestaltung bei Goethe und Polidori, um zu zeigen, wie sich das Motiv durch eine sich wandelnde gesellschaftliche Weltsicht verändert hat.
Es wird eine vergleichende Inhaltsanalyse der Primärtexte durchgeführt, die auf fundierten theoretischen Grundlagen zur Motiv- und Mentalitätsgeschichte basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Motivbegriffsbestimmung und eine systematische Werkexegese, in der Inhalt, Aufbau, traditionelle Bezüge und funktionale Konzeptionen gegenübergestellt werden.
Die Arbeit ist insbesondere geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, Diachronie, Transliminalität, das Spannungsfeld von Sadismus und Masochismus sowie die Funktion des Vampirs als Projektionsfläche gesellschaftlicher Ängste.
Goethe bricht mit der Tradition, indem er eine tragische Perspektive wählt, die das Innenleben der Vampirin beleuchtet und den Leser zur Identifikation einlädt, statt das Monster rein als Schreckgestalt darzustellen.
Lord Ruthven etabliert sich als Prototyp des modernen Vampir-Aristokraten, der durch Stil, Charisma und die bewusste Ausnutzung seiner gesellschaftlichen Privilegien eine neue Form des "raubtierhaften" Vampirs darstellt.
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