Masterarbeit, 2023
76 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Geschichtlicher Hintergrund und aktuelle Entwicklungen
1.2 Eingrenzung der Forschungsfrage und erste Vorbemerkungen
1.3 Aufbau und Methodik
2. Chinas Tributsystem früher und heute: Von den chinesischen Kaiserdynastien bis ins China des 21. Jahrhunderts
2.1 Chinas frühneuzeitliches Tributsystem
2.2 Implikationen für das moderne China
3. Die Beziehungen zwischen China, Thailand und Vietnam unter Xi Jinping: Eine Untersuchung im Rahmen des Tributsystems
3.1 Kulturelle Komponenten des Tributsystems: Die Narrative von zhōngguó und tiānxià im China der Ära Xi Jinping
3.2 Diplomaten als moderne Gesandtschafter: China als Mittelpunkt der südostasiatischen Diplomatie
3.3 Das Tributsystem als Medium des Friedens: Konflikte in den Beziehungen zwischen China, Thailand und Vietnam
3.4 Das Tributsystem als wirtschaftliches Sanktionsinstrument: Boykotte, Strafzölle und andere Maßnahmen gegenüber Thailand und Vietnam
3.5 Souveränität und Nichteinmischung: China und die Wahrung der thailändischen und vietnamesischen Hoheitsgewalt und die Anerkennung politscher Entscheidungen der beiden Länder
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den Ländern Thailand sowie Vietnam unter der Präsidentschaft von Xi Jinping Merkmale aufweisen, die einem historischen Tributsystem ähneln. Ausgehend von der Forschungsfrage nach einer möglichen Rückkehr tributärer Strukturen in der chinesischen Außenpolitik wird geprüft, ob sich das historische Modell in modernem Kontext empirisch nachweisen lässt.
3.1 Kulturelle Komponenten des Tributsystems: Die Narrative von zhōngguó und tiānxià im China der Ära Xi Jinping
Die von China empfundene Überlegenheit der eigenen Kultur war zentrales Fundament des chinesischen Tributsystems. Aus dieser Annahme heraus entstand der Gedanke, dass andere Völker diese Überlegenheit anzuerkennen hatten, wenn sie mit der chinesischen Kultur in Kontakt treten wollten. In Anbetracht der Untersuchung stellt sich die Frage, ob ein Gefühl der kulturellen Überlegenheit im heutigen China vorherrscht. Da Kultur ein breiter, nicht exakt abgrenzbarer Begriff ist, wird sich im folgenden Verlauf auf zwei Narrative gestützt, die wesentliche Bestandteile des Tributsystems und der chinesischen Kultur waren.
Dabei handelt es sich um den Begriff vom Reich der Mitte (zhōngguó 中国) und um die Vorstellung von tiānxià (天下). Beide Begriffe waren einzigartiger Bestandteil des chinesischen Kultur- und Selbstverständnisses, in denen der Gedanke von der chinesischen kulturellen Überlegenheit seinen Ausdruck fand. Während der Bezeichnung vom Reich der Mitte ein sinozentrisches Weltbild im Allgemeinen zu Grunde liegt, in welchem die chinesische Kultur den Mittelpunkt darstellt und um die sich die unterlegenen Kulturen gruppieren, beschreibt der Begriff des tiānxià im speziellen eine hierarchisch aufgebaute zwischenstaatliche Ordnung, in der China aufgrund seiner kulturellen Überlegenheit an der Spitze steht. Im Folgenden werden beide Vorstellungen auf ihren Praxisbezug hin geprüft.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Macartney-Mission ein und leitet daraus die Relevanz des Tributsystems für das Verständnis der heutigen chinesischen Außenpolitik ab.
2. Chinas Tributsystem früher und heute: Von den chinesischen Kaiserdynastien bis ins China des 21. Jahrhunderts: Dieses Kapitel definiert die historischen Merkmale des Tributsystems und überträgt diese in ein idealtypisches Modell für das 21. Jahrhundert.
3. Die Beziehungen zwischen China, Thailand und Vietnam unter Xi Jinping: Eine Untersuchung im Rahmen des Tributsystems: Hier wird das theoretische Modell anhand empirischer Daten auf die Beziehungen Chinas zu Thailand und Vietnam angewandt und auf seine Übereinstimmung geprüft.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass das Tributsystem nur stark eingeschränkt zur Beschreibung der modernen sino-thailändischen Beziehungen taugt und für Vietnam als nicht repräsentativ gilt.
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Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, ob Chinas aktuelle Außenpolitik gegenüber Thailand und Vietnam Parallelen zu historischen, tributbasierten Weltordnungen aufweist.
Zu den zentralen Themen gehören das chinesische Selbstverständnis, die ökonomischen und diplomatischen Instrumentarien Pekings und die Analyse der bilateralen Beziehungen in Südostasien.
Das Ziel ist die wissenschaftliche Überprüfung, inwieweit das Modell des historischen Tributsystems heute empirisch als Ordnungsprinzip für Chinas regionale Machtausübung dienen kann.
Es wird ein idealtypisches Modell auf Basis der historischen Literatur (insbesondere nach Fairbank) erstellt und durch aktuelle empirische Daten (Handelsdaten, Staatsbesuche, Konfliktanalysen) auf die untersuchten Länder angewandt.
Der Hauptteil analysiert die kulturellen Narrative, das diplomatische System, Friedensaspekte sowie wirtschaftliche Druckmittel Chinas gegenüber Thailand und Vietnam.
Entscheidende Begriffe sind Tributsystem, Sinozentrismus, Souveränität sowie das Konzept des Tianxia (Alles unter dem Himmel).
Die Arbeit stellt fest, dass in den sino-thailändischen Beziehungen friedliche Kooperation und ausgeglichene diplomatische Besuche dominieren, was gegen ein klassisches Tributsystem spricht.
Im Gegensatz zu Thailand ist das Verhältnis zu Vietnam durch territoriale Dispute im Südchinesischen Meer und eine einseitigere Frequenz der Staatsbesuche in China geprägt, wobei ein Tributmodell ebenfalls abgewiesen wird.
Die Untersuchung zeigt, dass China wirtschaftliche Mittel zur Disziplinierung zwar theoretisch besitzt, staatlich organisierte Sanktionen in den untersuchten Fällen jedoch nicht direkt im Sinne eines Tributsystems angewandt werden.
Die Autor kommt zu dem Schluss, dass ein Rückfall in klassische tributäre Verhältnisse unwahrscheinlich ist, da China tief in das westfälische System souveräner Nationalstaaten integriert ist.
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