Bachelorarbeit, 2009
22 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Biographie
2. Kaminers Erfolgsrezept – Ein Russe als deutscher Bestseller-Autor
3. Der Vermittler zwischen der deutschen und russischen Kultur
3.1. Der deutsche Provinzdschungel: Fazit
3.2. Kaminers erworbene Vorurteile
3.3. Deutsche, russische, internationale und bestätigte Vorurteile
3.4. Die Sprache Wladimir Kaminers
3.5. Kaminer und seine Ansichten über die russische Heimat
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Werke und Interviews, inwiefern Wladimir Kaminer der ihm zugeschriebenen Rolle als Vermittler zwischen der deutschen und russischen Kultur gerecht wird, oder ob seine Texte primär eine humoristische, anekdotische Auseinandersetzung mit dem städtischen Alltag darstellen.
3. Der Vermittler zwischen der deutschen und russischen Kultur
Trotz solch wertkonservativer Zeitgenossen, die Kaminer auch immer wieder auf seinen Lesereisen außerhalb des angestammten Prenzlauer Berges trifft, betrieb er für sein deutsches Dschungelbuch intensive Recherchen in der deutschen Provinz – entgegen seiner eigenen Vorurteile und denen seiner Berliner Freunde, angetrieben von einer nimmersatten Neugierde auf den Alltag außerhalb der hauptstädtischen, toleranten Boheme-Dunstglocke, unter welcher der Russe in der Vergangenheit den absurden, aber immer sympathischen Städter karikiert hat. “Du kennst dieses Land doch überhaupt nicht, Berlin ist nicht Deutschland, und der Prenzlauer Berg erst recht nicht. Du hast keine Ahnung, was hier wirklich los ist“, bekam er da vorab von seinen Berliner Freunden zu hören und musste für sich selbst zugeben: „Der Alltag in einer Kleinstadt, wo alle einander kennen, alle gleichzeitig ins Bett gehen, gleichzeitig aufstehen und wo der Briefträger mit seinem Vornamen begrüßt wird, kam mir gruselig vor. In Russland war ich immer davon überzeugt gewesen, dass alle meine Landsleute nur einen Traum hatten, nämlich nach Moskau zu ziehen. Gott sei Dank schaffte das nicht jeder – nur jeder Zehnte. In Deutschland stellte ich mir die Situation ähnlich vor. In der Provinz würden wahrscheinlich nur diejenigen leben, die aus finanziellen, privaten oder gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage waren, nach Berlin oder München zu ziehen [...]“.
Denkbar schlechte Voraussetzungen also für einen deutsch-russischen Kulturbotschafter, der nicht nur die städtischen Vorurteile von Russland nach Deutschland mitgebracht, sondern diese offensichtlich in Berlin auch selbst und durch sein unmittelbares Umfeld verstärkt hat.
Aller Anfang ist folglich schwer. Zur ersten Station im deutschen Dschungelbuch findet er zunächst auch keinen geografischen Zugang. Verloren steht er nach seiner Ankunft in der Landschaft, ein Fluss versperrt ihm den Weg nach Weikersheim. „Ach, bleib cool, in Deutschland kann man sich nicht verlaufen.“, denkt er voller Gottvertrauen auf das seiner Meinung nach allerorten durchdachte Deutschland. Diesen Glauben gibt er sogar an ein paar verirrt wirkende Engländer in Sinsheim weiter. “Don’t worry, […] in Germany everything goes according to the Plan!” Planvoll und “sicher” muss das Leben sein.
Einleitung: Vorstellung des Autors als „Wandler zwischen den Welten“ und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich seiner Vermittlerrolle zwischen deutscher und russischer Kultur.
1. Biographie: Überblick über Kaminers Werdegang von seiner Jugend in der Sowjetunion bis zu seinem Umzug nach Berlin im Jahr 1990.
2. Kaminers Erfolgsrezept – Ein Russe als deutscher Bestseller-Autor: Analyse seines literarischen Stils, geprägt von „Alltagsbewältigungsprosa“, und die Rolle seines traumatischen Identitätshintergrundes für seinen Erfolg.
3. Der Vermittler zwischen der deutschen und russischen Kultur: Untersuchung von Kaminers Auseinandersetzung mit der deutschen Provinz und der Spiegelung kultureller Unterschiede in seinen Werken.
3.1. Der deutsche Provinzdschungel: Fazit: Zusammenfassende Betrachtung von Kaminers Wandel im Umgang mit dem ländlichen Raum Deutschlands.
3.2. Kaminers erworbene Vorurteile: Analyse, wie Kaminer beim Beobachten deutscher Mentalitäten eigene Klischees entwickelt und diese literarisch verarbeitet.
3.3. Deutsche, russische, internationale und bestätigte Vorurteile: Auseinandersetzung mit nationalen Stereotypen und deren Wahrnehmung durch den Autor.
3.4. Die Sprache Wladimir Kaminers: Analyse seines ironischen, lakonischen Stils und der Art, wie er politische Begriffe zur Übersteigerung des Alltags nutzt.
3.5. Kaminer und seine Ansichten über die russische Heimat: Reflexion über die Haltung des Autors zum modernen Russland und den Erwartungen an Zivilcourage und Eigenverantwortung.
Fazit: Kaminers Einordnung als konsensbildender Nonkonformist, der durch eine „frappierende Sanftheit“ und humorvolle Distanz gesellschaftliche Brücken baut.
Wladimir Kaminer, Russendisko, interkulturelle Literatur, deutsche Mentalität, Sowjetunion, Migration, Alltagsbewältigungsprosa, Kulturvermittlung, Berlin, Identität, Vorurteile, Humor, Satire, Provinz, Postkommunismus.
Die Arbeit analysiert das literarische Schaffen von Wladimir Kaminer und untersucht, ob und wie er als kultureller Vermittler zwischen Deutschland und Russland fungiert.
Die Schwerpunkte liegen auf Kaminers Biographik, seinem Erfolg als Autor, der Auseinandersetzung mit kulturellen Vorurteilen, seiner sprachlichen Stilistik sowie seiner Perspektive auf den Wandel der russischen Heimat.
Das Ziel ist zu klären, ob Kaminer tatsächlich ein bewusster Vermittler zwischen den Kulturen ist oder ob sein Werk hauptsächlich eine unterhaltsame, aber oberflächliche Beschreibung urbaner Alltagsszenarien bleibt.
Es handelt sich um eine textnahe Analyse von Kaminers Büchern (vor allem „Russendisko“, „Mein deutsches Dschungelbuch“ und „Schönhauser Allee“) in Verbindung mit seinen Aussagen in diversen Interviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kaminers Erfolgsfaktoren, seine Beobachtungen in der deutschen Provinz, den Umgang mit Klischees über beide Länder, die Analyse seiner spezifischen Sprache und seine kritische Reflexion des gesellschaftlichen Wandels in Russland.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identität, Interkulturalität, Vorurteile, Alltagsbewältigungsprosa und der Einfluss der Postkommunikation auf die Wahrnehmung von Heimat.
Kaminer findet es faszinierend, wie tiefgreifend die Sitten durch historische Besatzungsmächte geprägt sind, und nutzt diese Beobachtungen humorvoll für seine Alltagsgeschichten.
Für ihn ist Schreiben eine Fluchtfunktion und eine Methode, um ironische Distanz zu den täglichen Absurditäten aufzubauen, ohne dabei in Zynismus zu verfallen.
Es symbolisiert seine Auseinandersetzungen mit den Ordnungsbehörden der UdSSR, was ihm im Rückblick als „kein schlechter Beginn“ für seinen späteren Lebensweg dient.
Die Zeitung ordnet Kaminer als eine der drei Perspektiven auf die Welt ein, neben der optimistischen und der pessimistischen, was seine individuelle, sanft-ironische Sichtweise unterstreicht.
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