Bachelorarbeit, 2021
35 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Irmgard Keuns Werke
3. Literarische Einodnung der neuen Sachlichkeit
4. Der Typus der neuen Frau
5. Charakterisierung der Doris
5.1 Doris´ Charakteristika einer neuen Frau
5.2 Doris Schreibstil/Sprache
6. Charakterisierung der Gilgi
6.1 Gilgis Charakteristika einer neuen Frau
6.2 Gilgis Schreistil/Sprache
7. Vergleich der Doris und Gilgi
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Romane „Das kunstseidene Mädchen“ und „Gilgi, eine von uns“ von Irmgard Keun im Hinblick auf den Typus der „neuen Frau“ der Weimarer Republik. Ziel ist es, durch eine textnahe Analyse herauszuarbeiten, inwiefern die Protagonistinnen Doris und Gilgi diesem Typus entsprechen und ob ihre jeweilige Form der Sprache charakteristisch für diese gesellschaftliche Entwicklung ist.
5.2. Doris´ Schreibstil/ Sprache
„Ich habe mir ein schwarzes, dickes Heft gekauft und ausgeschnittene Tauben draufgeklebt und möchte einen Anfang schreiben: Ich heiße somit Doris […]“
Die Protagonistin in ‚das kunstseidene Mädchen‘ gilt als „Ich-Erzählerin, welche in „‘naiver‘ Weise ihre Welt wahrnimmt und beschreibt“. Diese Wahrnehmung wird durch verschiedene Modalitäten wiedergegeben. Zum Teil schreibt Doris autobiografisch, indem sie das Tagebuchformat nutzt und es direkt anredet („mein liebes Tagebuch“). Im gleichen Zuge spricht sie dies jedoch ab, indem sie zu Beginn deutlich macht: „Ich denke nicht an Tagebuch – das ist lächerlich für ein Mädchen von achtzehn […]“. Diese subjektive Erzählform wechselt sich ab mit einer Art Drehbuchformat, welches sie in eigenen Worten verfasst. Denn im gleichen Atemzug schildert sie ihren Wunsch, wir ihr Geschriebenes im Nachhinein wirken soll: „[…] [I]ch will schreiben wie Film […]. Und wenn ich später lese, ist alles wie Kino – ich sehe mich in Bildern“.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsthema ein, beleuchtet Irmgard Keuns Rolle in der Literatur der Weimarer Republik und erläutert die methodische Herangehensweise der Romananalyse.
2. Irmgard Keuns Werke: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Schaffen Keuns, ihre literarische Sprache und ihre Positionierung gegenüber den sozialen und politischen Standards ihrer Zeit.
3. Literarische Einodnung der neuen Sachlichkeit: Es wird die literarische Epoche der Neuen Sachlichkeit skizziert, deren ästhetische Forderung nach Nüchternheit und Realitätsbezug Keuns Schreiben maßgeblich beeinflusste.
4. Der Typus der neuen Frau: Hier wird das zeitgenössische Ideal der „neuen Frau“ als emanzipierte, beruflich tätige und traditionsungebundene Figur definiert.
5. Charakterisierung der Doris: Die Protagonistin des Romans „Das kunstseidene Mädchen“ wird hinsichtlich ihrer Identität, ihrer Lebensentwürfe und ihres Scheiterns analysiert.
5.1 Doris´ Charakteristika einer neuen Frau: Dieses Unterkapitel untersucht, inwiefern Doris in ihrer Einstellung zu Arbeit, Sexualität und Selbstbestimmung dem Idealtyp einer neuen Frau entspricht oder von ihm abweicht.
5.2 Doris Schreibstil/Sprache: Die Analyse konzentriert sich auf die spezifische Sprache von Doris, die durch Tagebuchnotizen, filmische Bilder und den Jargon der Zeit geprägt ist.
6. Charakterisierung der Gilgi: Die Figur Gilgi aus „Gilgi, eine von uns“ wird als selbstbewusste, zielorientierte Frau eingeführt, deren Lebenskonzept durch ihre berufliche Disziplin geprägt ist.
6.1 Gilgis Charakteristika einer neuen Frau: Es wird erörtert, wie Gilgi als „Alltagsheldin“ den Idealtyp einer beruflich erfolgreichen und unabhängigen Frau repräsentiert.
6.2 Gilgis Schreistil/Sprache: Dieses Kapitel untersucht die auktoriale Erzählweise und die Rolle des kölnischen Dialekts sowie die Funktion von Fremdsprachen und inneren Monologen in Gilgis Geschichte.
7. Vergleich der Doris und Gilgi: Ein direkter Vergleich der beiden Protagonistinnen arbeitet Gemeinsamkeiten und Gegensätze in ihrer Lebenspraxis, Liebesauffassung und ihrem Umgang mit dem Ziel der Selbstbestimmung heraus.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Doris nur partiell dem Ideal der neuen Frau entspricht, während Gilgi dieses Ideal verkörpert, wenngleich beide am Ende vor existenziellen Umbrüchen stehen.
Irmgard Keun, Neue Sachlichkeit, neue Frau, Das kunstseidene Mädchen, Gilgi eine von uns, Weimarer Republik, Frauenliteratur, Stenotypistin, Emanzipation, Selbstbestimmung, Identitätsfindung, Erzählstil, Arbeitsmoral, Genderrollen, Stadterfahrung
Die Arbeit analysiert die Darstellung der „neuen Frau“ in zwei ausgewählten Romanen von Irmgard Keun und untersucht, wie die Protagonistinnen Doris und Gilgi ihren Alltag zwischen Selbstbestimmung und den gesellschaftlichen Zwängen der Weimarer Zeit bewältigen.
Zu den zentralen Themen gehören die Berufstätigkeit von Frauen, die Suche nach individueller Freiheit, die Rolle der Sprache als Ausdruck von Identität sowie die Spannung zwischen traditionellen Werten und neuen modernen Lebensentwürfen.
Die Forschungsfrage fragt nach der Entsprechung der Protagonistinnen zum Typus der „neuen Frau“ und untersucht, inwiefern Keun durch ihre Charaktere und eine spezifische sprachliche Gestaltung das Zeitbild der Epoche einfängt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textnahe Interpretation mit der Einbettung in den historischen Kontext der Neuen Sachlichkeit sowie soziologische Aspekte der Weimarer Republik verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Neuen Sachlichkeit und dem Typus der neuen Frau sowie zwei detaillierte Abschnitte, die Doris und Gilgi einzeln charakterisieren, sprachlich analysieren und abschließend miteinander vergleichen.
Die wichtigsten Begriffe sind „neue Frau“, „Neue Sachlichkeit“, „Selbstbestimmung“, „Emanzipation“, „Identitätsfindung“ und die beiden Werktitel von Irmgard Keun.
Doris nutzt ein Ich-Erzählerformat mit assoziativen, fast drehbuchartigen Gedankenströmen und einer „naiven“ Wahrnehmung, während Gilgis Geschichte durch einen auktorialen Erzähler und eine eher strukturierte, disziplinierte Sprache gerahmt ist.
Die Männerfiguren fungieren im Text oft als Spiegel der Abhängigkeiten oder der sexuellen Annäherungsversuche, an denen die angestrebte Autonomie der neuen Frau im Roman regelmäßig geprüft oder gar erschüttert wird.
Während Gilgi als erfolgreichere Repräsentantin des Typs gilt, fungiert Doris als eine Art „Negativbeispiel“, deren Scheitern die ökonomische und soziale Realität der neuen Frau in einer prekären Zeit aufzeigt.
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