Bachelorarbeit, 2009
44 Seiten, Note: 2,5
1. Einführung in die Problematik
2. Eine Typologie gemischter Wahlsysteme mit Augenmerk auf die Inputdimension
2.1 „Mixed-member electoral systems“ – die Typologie von Shugart und Wattenberg
2.2 Was ist unter dem Konzept der elektoralen Effizienz nach Shugart (2001) zu verstehen und welche Rolle spielen hierbei Mischwahlsysteme?
2.3 Was fehlt nach Kaiser (2002) der Typologie von Shugart und Wattenberg?
2.4 Welche Effekte werden auf das Abgeordnetenverhalten im Allgemeinen erwartet?
3. Die typologische Einordnung des deutschen Mischwahlsystems und die Input-Dimension
3.1 Die Kandidaturform – der Wahlkreis- und der Listenabgeordnete
3.1.1 Die Wahlkreiskandidatur
3.1.2 Die Listenkandidatur
3.1.3 Die Option der Doppelkandidatur
3.2 Der Modus der Stimmabgabe – die Erst- und die Zweitstimme
3.2.1 Die Rolle der Erststimme
3.2.2 Die Rolle der Zweitstimme
3.2.3 Die Option des Stimmensplitting
3.3 Fazit – Warum werden Verhaltensunterschiede zwischen Direkt- und Listenmandataren erwartet und welche können erwartet werden?
4. Personalisierungs- und Wahlkreisorientierungseffekte in der Empirie
4.1 Fünf ausgewählte empirische Analysen
4.2 Welche Aussagen lassen sich anhand dieser fünf Studien in Hinblick auf die Verhaltensunterschiede zwischen Direkt- und Listenmandataren treffen?
5. Zusammenfassung
Diese Bachelorarbeit untersucht die institutionellen Effekte des deutschen Mischwahlsystems auf das Verhalten von Abgeordneten. Das zentrale Ziel besteht darin, durch eine theoretische Einordnung in die Typologie gemischter Wahlsysteme und die Analyse empirischer Studien aufzuzeigen, inwieweit unterschiedliche Anreizstrukturen für Direkt- und Listenkandidaten zu divergierenden Repräsentationsverhalten führen.
2.1 „Mixed-member electoral systems“ – die Typologie von Shugart und Wattenberg
Über viele Jahre hinweg ging man in der wissenschaftlichen Diskussion von der traditionellen Zweiteilung in Mehrheits- und Verhältniswahlsysteme aus (vgl. Shugart/Wattenberg 2005: 9). Diese grundlegende Unterscheidung zwischen Verhältniswahl – mit dem Ziel, möglichst proportional die Wählerstimmen in Mandate umzusetzen – und Mehrheitswahl – mit dem Ziel, einen möglichst direkten Einfluss der Wähler auf die Regierungsbildung zu erreichen – wurde von der Praxis aber eindeutig in Frage gestellt (vgl. Kaiser 2003: 1551).
In den 90er-Jahren kam es weltweit zu entscheidenden Reformen bei Wahlsystemen – beispielsweise in Bolivien, Japan, Italien, Neuseeland und Venezuela – mit dem Ergebnis, dass dort Mischwahlsysteme konstituiert worden sind (vgl. Kaiser 2002: 1548). Ebenso wechselten viele Transitionsdemokratien Osteuropas und Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu gemischten Wahlsystemen (vgl. Kaiser 2002: 1548).
Weltweit ist eine Tendenz entstanden, Elemente der Mehrheitswahl mit denen der Verhältniswahl zu mischen (vgl. Shugart/Wattenberg 2005: 9). Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Mischwahlsysteme und nach welchen Kriterien lassen sie sich klassifizieren?
Eine allgemeingültige Definition ebenso eine Typologie für Mischwahlsysteme aufzustellen, stellt eine Herausforderung dar, weil Wahlsysteme, die in diese Kategorie gehören, untereinander stark variieren. Shugart und Wattenberg haben sich an diese Problematik herangewagt. Sie definieren Mischwahlsysteme wie folgt: „as a subset of the broader category of multiple tier electoral systems” (Shugart/Wattenberg 2005: 10). Ein Mischwahlsystem ist demnach eine Variante von Mehrebenensystemen, wobei die Mandate in mindestens zwei Verrechnungswahlkreisen vergeben werden (vgl. Kaiser 2002: 1553). Die Gruppe der „mixed-member systems“ ist dadurch gekennzeichnet, dass in einem Wahlkreis Personenwahl und in (mindestens) einem anderen Wahlkreis Listenwahl stattfindet (vgl. Shugart/Wattenberg 2005: 11). Die Personenwahl findet bei „mixed-member systems“ in Einerwahlkreisen statt und wird nach Mehrheitswahl entschieden (vgl. Shugart/Wattenberg 2005: 11). Die Listenwahl hingegen findet in Mehrpersonenwahlkreisen statt und wird nach Verhältniswahl entschieden (vgl. Shugart/Wattenberg 2005: 12).
1. Einführung in die Problematik: Die Einleitung beleuchtet die wissenschaftliche Debatte um Mischwahlsysteme und fokussiert auf die Forschungsfrage, wie institutionelle Anreize das Verhalten von Abgeordneten in Deutschland beeinflussen.
2. Eine Typologie gemischter Wahlsysteme mit Augenmerk auf die Inputdimension: Dieses Kapitel stellt die Klassifizierungsansätze von Shugart, Wattenberg und Kaiser vor, wobei insbesondere die Bedeutung der Inputdimension für das strategische Handeln politischer Akteure herausgearbeitet wird.
3. Die typologische Einordnung des deutschen Mischwahlsystems und die Input-Dimension: Hier wird das deutsche System detailliert analysiert, indem Verfahren zur Kandidatur und Stimmabgabe untersucht werden, um die Erwartungen an Verhaltensunterschiede zwischen Mandatsträgern zu begründen.
4. Personalisierungs- und Wahlkreisorientierungseffekte in der Empirie: Dieses Kapitel fasst fünf empirische Studien zusammen, die den Einfluss von Wettbewerbsdruck und Kandidatenprofilen auf das tatsächliche Verhalten, wie z.B. Wahlkampfstrategien oder Abstimmungsverhalten, belegen.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem systematischen Rückblick auf die theoretischen Annahmen und die empirischen Ergebnisse, die bestätigen, dass das Individualisierungspotenzial vorrangig bei Direktmandataren auftritt.
Mischwahlsysteme, Bundestagswahl, Abgeordnetenverhalten, Inputdimension, Personalisierung, Wahlkreisorientierung, Erststimme, Zweitstimme, Stimmensplitting, Doppelkandidatur, Fraktionsdisziplin, Kontaminationseffekte, Mandatszuteilung, Wahlsysteme, empirische Analysen.
Die Arbeit untersucht, wie das deutsche Mischwahlsystem institutionelle Anreize schafft, die das Verhalten von Bundestagsabgeordneten beeinflussen, und ob sich dabei Unterschiede zwischen direkt gewählten Abgeordneten und Listenkandidaten zeigen.
Die zentralen Felder umfassen die Typologie von Wahlsystemen, das deutsche Wahlsystem inklusive Kandidatur- und Stimmgebungsverfahren sowie empirische Erkenntnisse über die Auswirkungen dieser Regeln auf die Praxis der Abgeordneten.
Die Forschungsfrage lautet, in welchem Maße sich Deutschland in die Familie gemischter Wahlsysteme einordnet und welche institutionellen Regelungen und daraus resultierenden Effekte das spezifische Verhalten von Abgeordneten beeinflussen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze zur Wahlsystem-Typologie mit einer systematischen Zusammenfassung und Auswertung von fünf relevanten empirischen Studien verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung gemischter Systeme, die detaillierte Beschreibung des deutschen Modus der Stimmabgabe und Kandidatur sowie die empirische Evaluation von Personalisierungs- und Wahlkreisorientierungseffekten.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Mischwahlsysteme, Inputdimension, Abgeordnetenverhalten, Personalisierung, Wahlkreisorientierung und Stimmensplitting.
Direktkandidaten zeigen durch den unmittelbaren Bezug zum Wahlkreis und den Wettbewerbsdruck ein stärkeres Individualisierungspotenzial, während Listenkandidaten durch das System eher zu diszipliniertem, parteiorientiertem Verhalten angehalten werden.
Die Arbeit stellt fest, dass Doppelkandidaturen besonders für wichtige Akteure eine Absicherung darstellen und dass vor allem Kandidaten mit realen Gewinnchancen im Wahlkreis stärker zu individualisierten Wahlkampfführungen neigen.
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