Magisterarbeit, 2006
62 Seiten, Note: befriedigend
I. Einleitung
II. Ausgangspunkt und Ziel der vorliegenden Untersuchung
III. Komponenten in Ibsens Dramen
1. Aufdeckungsbericht
2. Finalität
3. Dilemmata
4. Analogie
IV. Ibsens Enthüllungsdramen
1. „Stützen der Gesellschaft“
2. „Nora (Ein Puppenheim)“
3. „Gespenster“
V. Ergebnis
VI. Literaturverzeichnis
Diese Magisterarbeit untersucht die analytische Dramentechnik von Henrik Ibsen und analysiert, wie der Autor Vergangenheit als determinierenden Faktor in seine Stücke integriert. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Ibsen den sogenannten "Skandalwert" und "Fatalwert" der Vergangenheit nutzt, um die subjektiv empfundene Relevanz der Charaktere zu aktualisieren und deren persönliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal zu forcieren.
3. Dilemmata
Diese so genannten Prospektionszustände bzw. ihre Veränderungen durch den Rezipienten lassen sich an Dilemmata nachweisen, die sich in dem typischen Beispiel von Generalspannung-Spannung, die für alle tektonisch gebauten Dramen charakteristisch sind, wieder finden.
Mit der für das Enthüllungsdrama typischen Form des Dilemmas soll nun erstmals auf die besondere Dramatik Ibsens Bezug genommen werden:
In „Stützen der Gesellschaft“ muss Karsten Bernick den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ruin fürchten, wenn aufgedeckt wird, dass nicht wie vermutet Johann Tönnesen, sondern er selbst für bestimmte, in der Vergangenheit liegende Ereignisse verantwortlich ist. Wird der Sachverhalt nicht aufgedeckt, ist eine öffentlich legitimierte Verbindung zwischen Tönnesen und Dina Dorf nicht möglich, da Tönnesen für Dinas Vater gehalten wird.
In „Nora (Ein Puppenheim)“ zerstört Nora den häuslichen und ehelichen Frieden, wenn sie ihrem Mann eine vor Jahren begangene Unterschriftenfälschung gesteht. Verschweigt sie dahingegen weiterhin die Tat, ist die gesellschaftliche Stellung ihres Mannes in Gefahr.
In „Gespenster“ zerstört Frau Alving ihrem Sohn Osvald das von ihr mühevoll aufgebaute Vaterbild, wenn sie den tatsächlichen Lebenswandel ihres verstorbenen Mannes aufdeckt. Klärt sie ihren Sohn hingegen nicht auf, droht ein Inzest.
Alle Protagonisten befinden sich in einer Entweder-oder-Situation, der sie sich nicht entziehen können. Ihr Dilemma besteht folglich aus zwei hypothetischen Ankündigungen, die eine Entweder-oder-Entscheidung verlangen. Die dramatis personae können sich nur zwischen diesen beiden Möglichkeiten entscheiden, und sie müssen diese Entscheidung unmittelbar treffen.
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die literaturwissenschaftliche Untersuchung von Enthüllungsdramen ein und beleuchtet das Verhältnis zwischen analytischer Handlung und dem dramatischen Geschehen.
II. Ausgangspunkt und Ziel der vorliegenden Untersuchung: Hier wird die These aufgestellt, dass Ibsen Skandal- und Fatalwerte der Vergangenheit thematisiert, um die subjektive Relevanz der Figuren zu aktualisieren.
III. Komponenten in Ibsens Dramen: Das Kapitel erläutert die technischen Dramenelemente wie den Aufdeckungsbericht, Finalität, Dilemmata und das Prinzip der Analogie.
IV. Ibsens Enthüllungsdramen: Dieser Hauptteil analysiert anhand der Dramen „Stützen der Gesellschaft“, „Nora (Ein Puppenheim)“ und „Gespenster“ die Umsetzung der theoretischen Konzepte in der Praxis.
V. Ergebnis: Das Fazit stellt die Erkenntnis dar, dass sich die analytische Handlung von einem gesellschaftlichen zu einem intimen familiären Forum verlagert.
VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Henrik Ibsen, Enthüllungsdrama, analytisches Drama, Vergangenheit, Fatalwert, Skandalwert, Dilemma, Analogie, Subjektivität, Erkenntnisprozess, Stützen der Gesellschaft, Nora, Puppenheim, Gespenster, Lebenslüge
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Technik Henrik Ibsens und wie er die Vergangenheit nutzt, um die psychologische Entwicklung seiner Charaktere voranzutreiben.
Die zentralen Felder sind die Analyse von Schuld, die Konfrontation mit der Vergangenheit und die Auswirkungen verheimlichter Taten auf das gegenwärtige Leben der Charaktere.
Es soll gezeigt werden, dass Ibsen durch die Verknüpfung von Skandal- und Fatalwerten die subjektive Bedeutung vergangener Ereignisse für die Dramenfiguren in den Vordergrund stellt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse von Handlungsstrukturen, unterstützt durch theoretische Ansätze zur Dramentheorie (z.B. nach Sträßner).
Der Hauptteil widmet sich drei spezifischen Ibsen-Dramen („Stützen der Gesellschaft“, „Nora“, „Gespenster“) und untersucht, wie das Prinzip der Analogie dort als strukturbildendes Element fungiert.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Fatalwert, Skandalwert, Analogie, analytische Dramentechnik und individuelle Verantwortung.
Das Stück dient als Beispiel für die Privatisierung des Konflikts, bei dem die Aufdeckung einer Tat nicht mehr primär öffentlich-gesellschaftliche, sondern tiefgreifende private Konsequenzen hat.
Es markiert den Abschluss der Untersuchung und zeigt eine Entwicklung hin zum intimen Forum der Familie, in der der Fatalwert der Vergangenheit das tragische Schicksal der Protagonisten vollständig dominiert.
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