Masterarbeit, 2009
137 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Ausgangsituation für die nächste Generation und Forschungsfrage
1.3 Startvermutungen
2. Migration
2.1 Begriffe
2.2 Allgemeine Migrationsthemen und -probleme
2.3 Fehlgeschlagene Migrationen der Deutschen
2.4 Migrationen der Donauschwaben
2.4.1 Ökonomischer, militärischer und kultureller Auftrag der Ansiedelung
2.4.2 Das Besiedlungsbeispiel von ‚Drei Banater Schwestergemeinden’
2.4.3 Nationalbewegungen, Vertreibung und Ankunft in den Aufnahmeländern
3. Migrationstheoretische Ansätze
3.1 Soziologische Makromodelle
3.2 Soziologische Mikromodelle
3.3 Psychologische und therapeutische Modelle
4. Zur empirischen Forschung dieser Arbeit
4.1 Auswahl der Methode
4.2 Methode der narrativen Interviews
4.3 Auswertungsmethode
5. Durchführung der Interviews
5.1 Setting
5.2 Narratives Interview 1
5.2.1 Daten und methodische Reflexion des Gesprächsablaufes
5.2.2 Segmente- und Zeilendifferenzierung
5.2.3 Inhaltliche Strukturzuschreibungen in den Segmenten
5.2.4 Analytische Abstraktion: Der Gesamteindruck
5.3 Narratives Interview 2
5.3.1 Daten und methodische Reflexion des Gesprächsablaufes
5.3.2 Segmente- und Zeilendifferenzierung
5.3.3 Inhaltliche Strukturzuschreibungen in den Segmenten
5.3.4 Analytische Abstraktion: Der Gesamteindruck
5.4 Narratives Interview 3
5.4.1 Daten und methodische Reflexion des Gesprächsablaufes
5.4.2 Methodische Reflexion des Gesprächsablaufes
5.4.3 Segmente- und Zeilendifferenzierung
5.4.4 Inhaltliche Strukturzuschreibungen in den Segmenten
5.4.5 Analytische Abstraktion: Der Gesamteindruck
5.5 Narratives Interview 4
5.5.1 Daten und methodische Reflexion des Gesprächsablaufes
5.5.2 Segmente- und Zeilendifferenzierung
5.5.3 Inhaltliche Strukturzuschreibungen in den Segmenten
5.5.4 Analytische Abstraktion: Der Gesamteindruck
5.6 Kontrastive Vergleiche der Interviews
6. Ergebnisse
6.1 Generationensicht
6.1.1 Erste Generation / die Vertriebenen
6.1.2 Zweite Generation / die Kinder
6.1.3 Dritte Generation / die Kindeskinder
6.2 Vorläufige Typologie
6.3 Anwendung ursprünglicher Konzepte
7. Diskussion
7.1 Schwächen dieser Arbeit
7.2 Ergänzungen und Erweiterungen
7.3 Ausblick
Diese Arbeit untersucht die langfristigen psychosozialen Auswirkungen von Vertreibung auf nachfolgende Generationen donauschwäbischer Familien, mit einem spezifischen Fokus auf biographische Schul-, Berufs- und Qualifizierungsentscheidungen. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, unter welchen Umständen diese Entscheidungen getroffen wurden und welche familienstrategischen sowie generationsübergreifenden Überlegungen dabei eine Rolle spielten, um das Verständnis für die Lebensläufe gegenwärtig lebender Nachkommen zu vertiefen.
1.1 Problembeschreibung
Die lebenslangen psychosozialen Folgen von Kriegserfahrungen und Vertreibungen werden erst seit wenigen Jahren als Thema öffentlich wahrgenommen. Die Erlebnisse von Kriegskindern hatten schwerwiegende Auswirkungen in ihrem Erwachsenenleben (etwa Radebold 2004). Die vorliegende Arbeit geht einen Schritt weiter, da sie untersucht, ob Auswirkungen auch in späteren Generationen vorhanden sind. Die Relevanz der Frage ist überraschend groß: Rund 14 Millionen Personen mussten unter dramatischen Umständen ab 1944 ihre Heimat verlassen.
Die Kinder der in Österreich angekommenen vertriebenen Donauschwaben hatten ungünstigere Entwicklungsbedingungen als gleichaltrige Kinder von Ansässigen. Welche waren diese unvorteilhaften Bedingungen und welche langfristigen Auswirkungen hatten sie? Welche familienstrategischen Überlegungen waren Entscheidungen zum Besuch von Schulen oder der Berufswahl der Heranwachsenden vorausgegangen? Die Beschäftigung mit diesem Thema hat auch biographische Gründe: Die Mutter des Autors dieser Arbeit traf als Jugendliche das Vertreibungsschicksal. Ausdrücklich wird hervorgehoben, dass der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht in den vergangenen Vertreibungsgeschehnissen liegt, sondern explizit gegenwartsorientiert ist. Der Fokus der Untersuchung liegt vorrangig im Verstehen der Lebensläufe gegenwärtig Lebender.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der psychosozialen Folgen von Vertreibung ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie die Startvermutungen des Autors.
2. Migration: Hier werden grundlegende Migrationsbegriffe geklärt und die spezifische Siedlungs- sowie Vertreibungsgeschichte der Donauschwaben historisch skizziert.
3. Migrationstheoretische Ansätze: Das Kapitel bietet einen Überblick über soziologische und psychologische Modelle, die zur Analyse von Migrationsprozessen und biografischen Auswirkungen herangezogen werden können.
4. Zur empirischen Forschung dieser Arbeit: Es wird die Entscheidung für qualitative narrative Interviews als Forschungsmethode begründet und das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung und Auswertung detailliert beschrieben.
5. Durchführung der Interviews: Dieses umfangreiche Kapitel dokumentiert die Durchführung und detaillierte Analyse der vier geführten narrativen Interviews, inklusive Segmentierung und Zeilendifferenzierung.
6. Ergebnisse: Die zentralen Erkenntnisse zu den verschiedenen Generationen sowie die erstellte Typologie der familienstrategischen Vorgehensweisen werden hier zusammengefasst.
7. Diskussion: Das Kapitel reflektiert kritisch die Schwächen der Untersuchung, schlägt Erweiterungen für zukünftige Forschungen vor und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung der Arbeit.
Donauschwaben, Vertreibung, Migration, Bildungsentscheidungen, Berufswahl, Familienstrategien, generationsübergreifende Trauma, narrative Interviews, Biografieanalyse, psychosoziale Folgen, Zweite Generation, Dritte Generation, Integration, Inklusion, Posttraumatische Befindlichkeitsstörung.
Die Arbeit untersucht die langfristigen Auswirkungen von Vertreibung auf die Lebensläufe von Nachkommen vertriebener Donauschwaben, insbesondere im Hinblick auf ihre Bildungs- und Berufswahl.
Die Themen umfassen Migrationsgeschichte, systemische Familienstrategien, generationsübergreifende Weitergabe von Familiengeschichten sowie die psychologischen Aspekte von Flucht und Vertreibung.
Die Untersuchung geht der Frage nach, unter welchen Umständen Schul-, Berufs- und Qualifizierungsentscheidungen von Angehörigen der zweiten und dritten Generation stattfanden und welche familienstrategischen Überlegungen diese beeinflussten.
Der Autor verwendet eine qualitative Vorgehensweise und nutzt narrative biographische Interviews nach Fritz Schütze, um die Innensicht der Betroffenen zu erfassen.
Im Hauptteil werden neben theoretischen Modellen zur Migration vier narrative Interviews detailliert ausgewertet, analysiert und in eine vorläufige Typologie überführt.
Wichtige Begriffe sind etwa „Familienstrategien“, „generationsübergreifende Traumata“, „Bildungserwerb als Königsweg“ und „biographische Enteignung“.
Der Autor stellt fest, dass die traditionelle Frauenrolle und deren Umbruch in den vertriebenen Familien ein unerwartet starker Faktor für die Bildungs- und Berufswahl der Töchter in der zweiten und dritten Generation war.
Die Analyse zeigt, dass jüngere Kinder bei der Flucht tendenziell bessere Chancen auf eine höhere schulische Ausbildung hatten, da ihre Eltern zum Zeitpunkt ihres Bildungsaufstiegs in Österreich bereits materiell und beruflich gefestigter waren.
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