Examensarbeit, 2005
56 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Romeo und Julia auf dem Dorfe
1. Die Basis der Liebe in der Vergangenheit
2. Umstände der scheiternden Liebe
a) Gesellschaftliche Normen
b) Leidenschaft und Sexualität
3. Selbstmord als einziger Ausweg?
II. Die drei gerechten Kammacher
1. Die Funktion der Liebe im Leben der drei Kammmacher
2. Objekt der Liebe: Züs Bünzlin
3. Das Hervorbrechen der Leidenschaft während des Wettlaufs
4. Funktionalisierte Liebe als Kritik an der privatwirtschaftlichen Ordnung
III. Die mißbrauchten Liebesbriefe
1. Viggi Störtelers Instrumentalisierung seiner Ehefrau Gritli
2. Der dreifache Missbrauch
3. Liebe aus Eigennutz: Viggi und Kätter
4. Läuterung und wahre Liebe: Wilhelm und Gritli
IV. Dietegen
1. Die Basis der Liebe im Tod
2. Küngolts besitzergreifende Liebe
3. Der doppelte Sündenfall
4. Läuterung und Vereinigung
V. Das verlorne Lachen
1. Utopie einer idealen Liebe in einer idealen Gesellschaft
2. Das Scheitern der Liebe in der Realität
3. Verirrung und Reifung
4. Liebe im Dienst der Gesellschaft
VI. Liebe in Seldwyla: Ein didaktisches Programm
1. Ursachen der scheiternden Liebe
2. Gelingende Liebe als Garant einer humanen Gesellschaft
Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch die scheiternden und gelingenden Liebesbeziehungen in Gottfried Kellers Novellenzyklus "Die Leute von Seldwyla". Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Liebe als fundamentales menschliches Gefühl durch gesellschaftliche, ökonomische und individuelle Faktoren beeinflusst wird und welche Rolle sie für eine humane Gesellschaft spielt.
Die Basis der Liebe in der Vergangenheit
Bereits der Titel der Erzählung verweist auf Shakespeares Tragödie Romeo and Juliet (1595) und legt damit die Einordnung der Novelle in die Motivtradition von Liebe und Tod der Kinder verfeindeter Elternhäuser nahe. Keller nimmt eine aktuelle Zeitungsmeldung zum Anlass, um diese Fabel wieder aufzugreifen und Shakespeares Romeo und Julia in die dörfliche Welt des 19. Jahrhunderts zu versetzen.
Wie in Shakespeares Drama ist auch die Liebesgeschichte Salis und Vrenchens eng mit der „Verfallsgeschichte der Väter“ verknüpft, was bereits im Moment des Erwachens der Liebe zwischen den Jugendlichen deutlich wird: Sali und Vrenchen, die, bis aus ihren Vätern Manz und Marti im Streit um einen Acker aus wohlhabenden Freunden finanziell ruinierte Feinde wurden, eng befreundet waren, begegnen sich nach einigen Jahren wieder und werden sich sofort ihrer gegenseitigen Liebe bewusst. Dies geschieht exakt in dem Moment, als der Konflikt zwischen ihren Vätern in einem Zweikampf auf einer Brücke seinen Höhepunkt erreicht: In dem Bemühen der Jugendlichen, die kämpfenden Männer voneinander zu trennen, „erhellte ein Wolkenriss [...] das nahe Gesicht des Mädchens, und Sali sah in dies ihm so wohlbekannte und doch so viel anders und schöner gewordene Gesicht“ (RuJ, 91). Dieses blitzartige Wiedererkennen ruft die Wiederbelebung der bereits in der Kindheit vorhandenen gegenseitigen Anziehung hervor, die, wie die Äußerungen der Jugendlichen zeigen, auch während der Zeit der Trennung nicht verloren ging.
I. Romeo und Julia auf dem Dorfe: Diese Analyse untersucht die verhängnisvolle Liebe zwischen Sali und Vrenchen, die durch familiäre Feindschaft und bürgerliche Normen in den Untergang getrieben wird.
II. Die drei gerechten Kammacher: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Streben nach Profit und Kapital das Liebesleben der Kammmachergesellen und von Züs Bünzlin entmenschlicht und funktionalisiert.
III. Die mißbrauchten Liebesbriefe: Dieses Kapitel thematisiert die Instrumentalisierung einer Ehe für literarische und ökonomische Zwecke und den Gegensatz zwischen liebloser Zweckbeziehung und der Läuterung zu wahrer Liebe.
IV. Dietegen: Hier wird die Entwicklung einer ambivalenten Kinderliebe hin zu einer reifen, gelingenden Beziehung unter dem Einfluss von gesellschaftlichem Druck und persönlichen Läuterungsprozessen analysiert.
V. Das verlorne Lachen: Die Arbeit beleuchtet die Krise einer idealen Ehe im Spannungsfeld zwischen ökonomischem Scheitern, gesellschaftlichem Konformismus und der Suche nach einem neuen Lebenssinn.
VI. Liebe in Seldwyla: Ein didaktisches Programm: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und die Bedeutung der Liebe als zentrales Element für eine humane Neuorientierung in der Gesellschaft dargelegt.
Gottfried Keller, Die Leute von Seldwyla, Novellen, Liebe, Kapitalismuskritik, gesellschaftliche Normen, Humanität, Liebesbeziehungen, bürgerlicher Realismus, Läuterung, Scheitern, Didaktik, Individuum, Gesellschaftsordnung, Seldwyla
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Facetten der Liebe in Gottfried Kellers Novellenzyklus "Die Leute von Seldwyla" und untersucht deren Abhängigkeit von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen.
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Liebe und bürgerlicher Moral, Kapitalismuskritik, die Funktionalisierung von Gefühlen sowie die Möglichkeit einer gelingenden, humanen Lebensgestaltung.
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, wie Keller durch die Schilderung sowohl scheiternder als auch gelingender Liebesbeziehungen ein "didaktisches Programm" für eine menschlichere Gesellschaft entwirft.
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die unter anderem soziologische und philosophische Aspekte sowie die Rezeptionsgeschichte der Novellen einbezieht.
Im Hauptteil werden fünf spezifische Novellen – "Romeo und Julia auf dem Dorfe", "Die drei gerechten Kammacher", "Die mißbrauchten Liebesbriefe", "Dietegen" und "Das verlorne Lachen" – detailliert in Bezug auf ihre Liebesdarstellung untersucht.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gottfried Keller, Kapitalismuskritik, gesellschaftliche Normen, Humanität, Realismus und Liebesbeziehungen charakterisieren.
Der Wettlauf fungiert als Höhepunkt und Sinnbild für die gesteigerte Konkurrenz. Er verdeutlicht den Moment, in dem die instrumentalisierte Kontrolle über die Liebe zusammenbricht und verdrängte Emotionen hervorbrechen.
Der Begriff dient als symbolischer Rahmen, um die Entfremdung und moralische Verirrung der Protagonisten darzustellen, deren Liebe erst nach einer schmerzhaften Läuterung und Todeserfahrung wieder zueinander finden kann.
Justine sucht in der Religion eine Ersatzbefriedigung für ihr Scheitern im weltlichen Erfolg, was die Entfremdung von ihrem Mann Jukundus weiter vertieft, da dieser mit der neuen Frömmigkeit nichts anzufangen weiß.
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