Examensarbeit, 2002
81 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Symboltheorie
2.1 Das Symbol in der Philosophie
2.2 Das Symbol in der Psychoanalyse
2.3 Selbstobjekt
2.4 Übergangsobjekt
2.5 Zentrale Aspekte der Symboltheorie für meine Arbeit
3. Entwicklungspsychologische Aspekte des Jugendalters
3.1 Veränderter gesellschaftlicher Status
3.2 Physische Veränderungen
3.3 Psychische Veränderungen
3.4 Bedürfnisse des Mädchens
4. Mädchens „Pferdewelt“
4.1 Im Kinderzimmer
4.2 Im Reitstall
4.3 Das Wesen des Pferdes im Umgang mit dem Menschen
4.4 Das Reiten
4.5 Die Stallfamilie und ihre Welt
5. „Grenzen reitend überwinden“ Die symbolische Bedeutung von Pferden für Mädchen
5.1 Das Pferd als symbolischer Vertreter
5.2 Die Rolle des Pferdes in der weiblichen Adoleszenz
5.3 „...wenn er fällt, dann schreit er...“
5.4 Die Überhöhung des Pferdes
5.5 Identifizierung mit dem Pferd
5.6 Das Pferd als Projektionsträger
5.7 Das Pferd als Übergangsobjekt
6. Empirische Durchführung
6.1 Methodisches Vorgehen
6.2 Das Gespräch
7. Phantasien ins Pferd
7.1 Das Pferd des Mädchens
7.2 Beziehung zum Pferd
7.3 Die „heile Welt“ des Pferdes
7.4 Reiten macht stark
7.5 Eltern – Mädchen – Pferde
7.6 Die Pferdewelt als Übergangsort
7.7 Pferde - Sehn - Sucht
8. Abschließende Diskussion
Die Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung von Pferden für Mädchen in der Adoleszenz. Dabei wird erforscht, inwiefern das Pferd als „Hilfsobjekt“ fungiert, um pubertätsspezifische Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, Identitätskrisen zu überbrücken und ein gestärktes Selbstbild zu entwickeln.
5.6 Das Pferd als Projektionsträger
Ein Großteil der dem Pferd zugeschriebenen Eigenschaften ist subjektiv und basiert auf Phantasien des Menschen. Wie beschrieben ist es durch seine natürlichen Anlagen und tatsächliche oder vermeintliche Analogien zum Menschen dafür prädestiniert. Marlene Baum sieht in ihrem Buch „Das Pferd als Symbol“ sogar in allen Charakteristika - außer Anpassungsfähigkeit und Erziehbarkeit - eine „Übertragung menschlicher Befindlichkeiten.“ Dies ermöglicht dem Mädchen, in seinem Pferd den idealen, alles verstehenden Freund zu sehen.
Obwohl der Mensch durchaus (pferdgerechte) Worte an das Pferd richtet, bleibt der Dialog nonverbal, da die Vermittlung nur über den Klang der Stimme erfolgt. Diese Form der Kommunikation, also Mimik, Gestik und körperliches Fühlen und seelisches Einfühlen, lässt genügend Raum für eigene Auslegung. Das Mädchen meint, in einzigartiger Weise mit dem Tier in Kommunikation zu treten. Hierin begründet sich auch die Funktion des Pferdes als Kummerkasten, der alles aufnimmt, aushält, versteht und niemals auslacht. Dies erinnert an den frühen Austausch von Mutter und Kind, bei dem Sorgen, Halten, Berühren, Blickkontakt und der Klang der Stimme im Vordergrund stehen. Auch Scheidhacker betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation. Mit dem Pferd erlebt das Kind sich „in der frühen Spiegelbeziehung zur Mutter.“
Die großen, dunklen Augen scheinen wie gemacht, um eigene Phantasien darin unterzubringen. Sie gelten als Spiegel der Seele: Ein Blick genügt, um die darin liegende Weisheit zu erkennen. Sie durchschauen das Innerste ihres Gegenüber. Ohne Worte wissen sie um dessen Befindlichkeit, aber auch um Sehnsüchte, Nöte und Ängste Bescheid und sind voller Anteilnahme, Verständnis und Trost.
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihr Interesse am Thema aus ihrer eigenen Praxis als Pferdewirtin und leitet die Forschungsfrage nach der symbolischen Funktion des Pferdes für Mädchen in der Adoleszenz her.
2. Symboltheorie: Grundlagen der psychoanalytischen Symboltheorie werden erörtert, insbesondere die Konzepte des Selbstobjekts und des Übergangsobjekts, um den theoretischen Rahmen für die Analyse zu setzen.
3. Entwicklungspsychologische Aspekte des Jugendalters: Dieses Kapitel beleuchtet die spezifischen körperlichen, psychischen und sozialen Umbruchprozesse während der Adoleszenz und die damit verbundenen Bedürfnisse.
4. Mädchens „Pferdewelt“: Eine Beschreibung der realen und fiktiven Welt, in der sich pferdebegeisterte Mädchen bewegen, vom Kinderzimmer bis hin zum sozialen Gefüge im Reitstall.
5. „Grenzen reitend überwinden“ Die symbolische Bedeutung von Pferden für Mädchen: Das zentrale Kapitel analysiert die verschiedenen Ebenen, auf denen das Pferd als Symbol für Freiheit, Macht und Geborgenheit dient.
6. Empirische Durchführung: Darlegung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung mittels Gruppengesprächen mit Reiterinnen sowie die Beschreibung des Settings.
7. Phantasien ins Pferd: Die Auswertung der geführten Gespräche wird thematisch gegliedert und mit den theoretischen Ansätzen verknüpft, wobei die Projektion von Wünschen und Ängsten im Fokus steht.
8. Abschließende Diskussion: Zusammenführung der theoretischen Überlegungen mit den empirischen Ergebnissen und Reflexion der zentralen Bedeutung der Pferdewelt als „Hilfsobjekt“.
Pferdephantasien, Mädchen, Adoleszenz, Psychoanalyse, Symboltheorie, Selbstobjekt, Übergangsobjekt, Reitstall, Projektion, Identitätsentwicklung, Mädchen-Pferd-Beziehung, Pferdewelt, Subjektivierung, Pubertät, Körperlichkeit.
Die Arbeit untersucht die tiefere, symbolische Bedeutung, die Pferde für Mädchen in der schwierigen Lebensphase der Adoleszenz haben, und warum sich diese Mädchen so stark zu den Tieren hingezogen fühlen.
Die Schwerpunkte liegen auf der psychoanalytischen Symboltheorie, den entwicklungspsychologischen Bedürfnissen Jugendlicher sowie der speziellen Rolle des Reitstalls als sozialem Schutzraum.
Die Autorin möchte klären, welche unbewussten Funktionen das Pferd als symbolischer Vertreter für das Mädchen in der Pubertät erfüllt und ob hinter dem Wunsch nach einer Beziehung zu diesem Tier grundlegende Bedürfnisse nach Identitätsfindung und emotionaler Entlastung stehen.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf einer theoretischen Fundierung aufbaut und diese mittels eines offenen Gruppengesprächs mit vier Reiterinnen empirisch überprüft.
Der Hauptteil analysiert die symbolische Besetzung des Pferdes (z.B. als Macht-, Freiheit- oder Identifikationssymbol) und den Reitstall als „pädagogisch verdünnte Zone“ außerhalb elterlicher Autorität.
Wichtige Begriffe sind „Pferdephantasien“, „Selbstobjekt“, „Übergangsobjekt“, „Projektion“, „Idealisierung“ und „Adoleszenz“.
Laut Arbeit dient die Pferdewelt als eine Art „heile Welt“, auf die Mädchen ihre inneren Spannungen projizieren können, während sie gleichzeitig Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen, was ihr Selbstwertgefühl steigert.
Der Reitstall wird als ein Raum begriffen, der den Abnabelungsprozess vom Elternhaus unterstützt, indem er klarere Regeln und eine stabilere Umgebung bietet als die komplexe „Erwachsenenwelt“.
Obwohl alle Mädchen von den Tieren schwärmen, zeigen die Älteren (wie Anna) Ansätze einer realistischeren Wahrnehmung, während bei den Jüngeren oft eine stärkere, idealisierte Identifikation mit dem „Superpferd“ vorherrscht.
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