Diplomarbeit, 2002
164 Seiten, Note: sehr gut
1. Ist soziale Grundsicherung heute wichtiger als vor zwanzig Jahren? Gestaltungsmerkmale des österreichischen sozialen Systems
1.1. Gesellschaftliche Veränderungen:
1.1.1. Pluralisierung der Lebensstile
1.1.2. Erosion gesellschaftlicher Solidarität
1.2. Wirtschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen : Globalisierung – Neoliberalismus – Nationalstaat
1.3. Politische Veränderungen: Vom “goldenen Zeitalter des Österreichischen Wohlfahrtsstaates” bis zur Gegenwart
1.4. Veränderungen am Arbeitsmarkt
1.4.1. Strukturelle Veränderungen am Erwerbsarbeitsmarkt
1.4.3. Veränderungen der Erwerbstätigkeit
1.5. Verarmungsrisiko als Folge der vorher genannten Veränderunge
2. Frauen und soziale Sicherung
2.1. Rechtliche Gleichstellung
2.2. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und weibliche Erwerbsbeteiligung
2.2.1. Geschlechtsspezifische Hierarchisierung der Erwerbsarbeit
2.2.2. Weibliche Erwerbsarbeit - Atypisierung
2.3. Soziale Absicherung von Frauen
2.3.1. Absicherung durch "Hausfrauenehe"
2.3.2. Absicherung durch eigene Erwerbsarbeit
3. Grundsicherung
3.1. Historische Entwicklung der Grundsicherungsidee
3.2. Ideologische und aktuelle partei-politische Positionen in der Grundsicherungsdiskussion
3.2.1. Neoliberale Position
3.3.2. Sozialreformerische Position
3.3. Grundsicherungsmodelle
3.3.1. Neoliberale Konzepte:
3.3.2. Sozialreformerische bzw. sozialutopische Konzepte :
4. Grundsicherungsmodelle und Frauen
4.1. Ausgangspunkt: der “weibliche Lebenszusammenhang”
4.2. Problemlösungsstrategien in der Frauenpolitik
4.3. Optionen im Rahmen der feministischen Theorie
4.3.1. Gleichheit
4.3.2. Differenz
4.4. Grundsicherungsmodelle und ihre Problemlösungskapazität
4.4.1. Grundeinkommen – unabhängig von Erwerbsarbeit
4.4.2. Bedarfsorientierte Grundsicherung – Arbeitsmarktintegration
5. Resümee
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen verschiedener Grundsicherungsmodelle auf die soziale Sicherung von Frauen, vor dem Hintergrund der Erosion traditioneller Beschäftigungsverhältnisse und familiärer Versorgungsstrukturen, um Ansätze für eine existenzsichernde und geschlechtergerechte Sozialpolitik aufzuzeigen.
Die Erosion der ökonomischen Absicherung von Frauen
Die aktuelle Armutsforschung macht deutlich, dass Verarmungstendenzen selektiv auftreten, d.h. dass offensichtlich Frauen verstärkt von diesem Phänomen betroffen sind: einerseits aufgrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, andererseits durch die spezifisch weibliche Inklusion in das System der sozialen Sicherung durch von der Ehe abgeleitete Ansprüche. Noch immer sind weibliche Berufskarrieren häufig “Patchwork-Karrieren”, geprägt von Berufsunterbrechungen sowie von vom Normalarbeitsverhältnis abweichenden Beschäftigungsformen. Verschärfend wirken sich fortschreitende Erosionstendenzen von Ehe und Familie aus – den traditionellen Sicherungsinstanzen für Frauen.
Angesichts dieser Probleme sind neue Konzepte sozialstaatlicher Sicherung erforderlich, die nicht länger das Normalarbeitsverhältnis als Bezugspunkt haben. Eine Reform sozialer Sicherungssysteme, die vor allem eine Mindestsicherung – unabhängig vom Normalarbeitsverhältnis – garantieren soll, ist dringend erforderlich. Sozialwissenschafter verschiedener politischer Orientierung haben in den vergangenen zwanzig Jahren die offensichtlichen Sozialstaatsprobleme zum Anlaß für die Erarbeitung von Problembewältigungsstrategien in Form von Grundsicherungsmodellen genommen. Dabei weisen neoliberale Reformkonzepte insofern eine weitgehende ideologische Übereinstimmung mit der aktuellen österreichischen Politik auf, als in ihrem Diskurs “der finanz- und wirtschaftspolitische Argumentationszusammenhang” (Bäcker-Breil 1997, 37) dominiert und ein ‚lean welfare’ auf unterem Niveau angepeilt wird. Im Gegensatz dazu stehen sozialreformerische, sozialutopische und sozialrevolutionäre Modelle, die mehr oder weniger umfassende Reformen bzw. teilweise radikale Neuansätze im Bereich der Sozialpolitik einfordern: Sie verabschieden sich nicht nur von Konzepten wie dem der Vollerwerbsarbeit und des Normalarbeitsverhältnisses als Normvorstellungen, sondern teilweise auch von überkommenen Arbeits- und Lebensmustern der Industriegesellschaft.
1. Ist soziale Grundsicherung heute wichtiger als vor zwanzig Jahren? Gestaltungsmerkmale des österreichischen sozialen Systems: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des österreichischen Sozialstaats sowie die Ursachen für die aktuelle Krise, insbesondere durch Veränderungen am Arbeitsmarkt.
2. Frauen und soziale Sicherung: Es wird analysiert, wie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die Anbindung sozialer Sicherung an das Normalarbeitsverhältnis Frauen benachteiligen.
3. Grundsicherung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Einordnung verschiedener Modelle, von neoliberalen Ansätzen bis hin zu sozialreformerischen Modellen.
4. Grundsicherungsmodelle und Frauen: Hier werden die spezifischen Auswirkungen der Modelle auf Frauen sowie die feministische Diskussion rund um Gleichheit und Differenz untersucht.
5. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine Reform der sozialen Sicherung notwendig ist, um Frauen vor Armut zu schützen, ohne sie in traditionelle Rollenmuster oder Abhängigkeiten zu drängen.
Grundsicherung, Sozialstaat, Frauen, Erwerbsarbeit, Armut, soziale Sicherung, Neoliberalismus, Grundeinkommen, prekäre Beschäftigung, Geschlechtergerechtigkeit, Reproduktionsarbeit, Sozialpolitik, Arbeitsmarkt, Bedarfsprinzip, Feminismus.
Die Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Grundsicherungsmodelle, um die soziale Sicherung von Frauen unter Bedingungen zu gewährleisten, in denen das klassische Normalarbeitsverhältnis nicht mehr für alle zugänglich ist.
Zentral sind der Wandel des Sozialstaats, die Transformation der Arbeitswelt (Atypisierung, Prekarisierung), die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und deren Folgen für die materielle Absicherung von Frauen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Reformen der sozialen Sicherung gestaltet sein müssen, um die materielle Unabhängigkeit von Frauen zu fördern und Armut wirksam zu bekämpfen, ohne bestehende Abhängigkeitsverhältnisse zu zementieren.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Aufarbeitung der aktuellen sozialwissenschaftlichen Literatur zum Thema Grundsicherungsdiskurs und feministischer Theorie basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Krise des Sozialstaats, eine Darstellung der rechtlichen und ökonomischen Situation von Frauen, die Diskussion verschiedener Grundsicherungskonzepte (neoliberal vs. sozialreformerisch) sowie deren spezifische Relevanz für frauenpolitische Fragen.
Zu den Kernbegriffen gehören Grundsicherung, soziale Sicherung, prekäre Beschäftigung, Feminisierung der Armut und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.
Da das österreichische Sozialversicherungssystem primär auf dem Normalarbeitsverhältnis basiert, sind Frauen, die aufgrund von Familienarbeit oft atypisch oder in Teilzeit beschäftigt sind, schlechter abgesichert.
Ein unbedingtes Grundeinkommen entkoppelt die Existenzsicherung von der Erwerbsarbeit, während die bedarfsorientierte Grundsicherung weiterhin an Kriterien wie Bedürftigkeit und Arbeitsbereitschaft gekoppelt ist.
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