Examensarbeit, 2000
159 Seiten, Note: 1,0 (sehr gut)
1.0. Begriffsdefinition und -entwicklung
2.0. Fallbeispiel
2.1. Fazit
3.0. Symptomatik
3.1. DSM-IV : Diagnostic and Statistical Manual of the American Psychiatric Association, 1994
3.2. Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Konzentrationsunbeständigkeit
3.3. "Sekundärsymptome"
3.4. Der Verlauf der ADD in den verschiedenen Lebensphasen
3.4.1. ADD im Säuglings-und Kleinkindalter
3.4.2. ADD bei Schulkindern
3.4.3. ADD in der Pubertät
3.4.4. ADD im Erwachsenenalter
4.0. Ursachen
4.1. Ursachen in Familie, Erziehung und Lebenswelt des Kindes
4.1.1. Umweltverschmutzung
4.2. ADS als Folge von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Ernährungsfehlern und Allergien
4.3. Biologische Ursachen
4.3.1. Neuro-physiologische Grundlagen
4.3.1.1. Nervenzellen
4.3.1.2. Entwicklungs- und Funktionsstörungen des Gehirns
4.3.1.3. Das Zentralnervensystem
4.3.1.4. Funktionsweise des ZNS
4.3.1.5. Bereiche der Sensorischen Integration und ihre neuro-physiologischen Grundlagen
4.3.1.6. Reizfilterung
4.3.1.7. Erregungslevel im ZNS
4.3.2. Biologische Ursachen im Bereich des Gehirns und Nervensystems
4.3.2.1. Neuroanatomische Hypothesen
4.3.2.2. Biochemische Hypothesen
4.3.2.3. Weitere biologische Hypothesen
4.4. Vererbte genetische Merkmale
4.5. Zusammenfassung und Fazit
4.5.1. Das funktionelle Verstehen der Symptomatik
5.0. Diagnostik
5.1. Anamnese der Krankheits- und Lebensgeschichte des Kindes
5.1.1. Leistungen in der Schule
5.1.2. Beobachten des Kindes im Alltag
5.2. Tests, Skalen und Fragebögen
5.3. Psychologische Beurteilung
5.4. Klinische und ärztliche Untersuchung
6.0. Therapieformen
6.1. Medikamentöse Behandlung des ADD
6.1.1. Stimulantien
6.1.2. Antidepressiva
6.1.3. Ausblick
6.2. Ergotherapeutische und mototherapeutische Behandlungskonzepte
6.2.1. Vom Problem zur Therapie
6.2.2. Sensorische Integrationstherapie nach Ayres
6.2.2.1. Beispiel: Verbesserung der Bewegungs- und Körperwahrnehmung
6.2.2.2. Sensorische Integration im Dialog
6.2.3. Alertprogramm nach Sue Williams
6.2.4. Somationstechnik mit Gelenkapproximation nach Zisi
6.2.5. Zusammenfassung und Relativierung
6.3. Umstellen der Ernährung
6.4. Psychotherapeutische Behandlungsverfahren
6.4.1. Verhaltenstherapie
6.4.1.1. Konzentrationstrainingsprogramm (KTP) nach Ettrich
6.4.1.2. Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern nach Lauth /Schlottke
6.4.2. Spieltherapie
6.5. Therapieziele
7.0. Pädagogische Interventionen
7.1. Der Umgang mit dem ADD-Kind zuhause
7.1.1. Verbesserte Eltern-Kind-Interaktion nach THOP
7.2. Der Umgang mit dem ADD-Kind in der Schule
7.3. Sensorische Diät nach Pat Willbarger
7.4. Individuelle Förderung
7.4.1. Die Hunter und Farmer -Theorie nach Thom Hartmann
7.4.2. ADS- Kinder - rechtshemisphärisch?
8.0. Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Symptombild der Attention-Deficit-Disorder (ADD) ohne Hyperaktivität bei Kindern, mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für diese oft verkannte Erscheinungsform des ADS zu schaffen und konkrete therapeutische sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Die Hunter und Farmer -Theorie nach Thom Hartmann
Der amerikanische Psychotherapeut Thom Hartmann vertritt nicht nur die These, daß das ADS erblich bedingt sei (siehe 4.4. Vererbte genetische Merkmale) und genetische Ursachen habe, sondern er geht davon aus, dieses Syndrom könne ein Relikt aus der Zeit von vor 200 000 Jahren sein, in der wir Menschen noch Jäger und Sammler (Hunter) waren. Bei der Suche nach Nahrung mußten Jäger und Sammler sich ständig vor Gefahren schützen und sie rechtzeitig bemerken.
"Dafür brauchten sie eine breitgestreute Aufmerksamkeit, schnelles Reaktionsvermögen und die Bereitschaft, sich auf riskante Abenteuer einzulassen. Das waren damals keine Defizite, sondern Talente, die zum Überleben notwendig waren. Mit zunehmender Seßhaftigkeit waren diese Eigenschaften weniger gefragt. Hartmann unterscheidet daher zwischen Jägern und Farmern. ,,Farmer" sind im Gegensatz zu den "Jägern" geduldig, angepaßt vorsichtig, ertragen langfristige Anstrengungen und langweilen sich nicht so leicht."
1.0. Begriffsdefinition und -entwicklung: Erläutert die komplexe Begriffsgeschichte und die verschiedenen medizinischen Einordnungen des ADS/ADD-Spektrums.
2.0. Fallbeispiel: Ein Interview mit der betroffenen Irina verdeutlicht den persönlichen Leidensweg und die Schwierigkeiten vor und nach der Diagnose.
3.0. Symptomatik: Beschreibt die klinischen Merkmale, die DSM-IV Kriterien und den Verlauf der ADD durch verschiedene Lebensphasen.
4.0. Ursachen: Analysiert verschiedene Hypothesen, von Umweltfaktoren über neurophysiologische Grundlagen bis hin zu genetischen Veranlagungen.
5.0. Diagnostik: Detaillierte Darstellung des diagnostischen Prozesses unter Einbeziehung von Anamnese, psychologischer Beurteilung und ärztlicher Untersuchung.
6.0. Therapieformen: Übersicht über medikamentöse Behandlung, ergotherapeutische Konzepte und psychotherapeutische Verfahren.
7.0. Pädagogische Interventionen: Konkrete Handlungsempfehlungen für Erziehende und Lehrer zur Unterstützung von Kindern mit ADD im Alltag und in der Schule.
8.0. Schlußbetrachtung: Reflektiert die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Umdenkens und einer multimodalen Unterstützung für betroffene Kinder.
ADD, ADS, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Neurophysiologie, Diagnostik, Therapieformen, Ergotherapie, Sensorische Integration, Pädagogische Interventionen, Schulalltag, genetische Merkmale, Hunter und Farmer Theorie.
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Aufmerksamkeits-Defizit-Disorder (ADD) als eine Erscheinungsform des ADS ohne Hyperaktivität auseinander und beleuchtet deren Phänomenologie, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Die zentralen Felder sind die Begriffsdefinition, Ursachenhypothesen (biologisch/genetisch), Diagnostik, therapeutische Ansätze und pädagogische Handlungsmöglichkeiten.
Ziel ist es, das Verständnis für ADD-Kinder zu fördern, die oft unter Stigmatisierung leiden, und Wege aufzuzeigen, wie Betroffene durch multimodale Ansätze besser unterstützt werden können.
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse, verbindet diese mit eigenen Praxiserfahrungen und integriert ein leitfadenorientiertes Fallbeispiel.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Ursachen und Symptomen sowie einen umfangreichen Praxisteil mit diagnostischen und therapeutischen Strategien.
Zu den Kernbegriffen zählen Sensorische Integration, multimodaler Behandlungsansatz, Reizfilterung und die Hunter-und-Farmer-Theorie.
Die Autorin steht der medikamentösen Behandlung kritisch-abwägend gegenüber; sie erkennt den Nutzen an, warnt aber vor vorschneller Verschreibung und betont die Notwendigkeit therapeutischer Begleitung.
Sie dient als alternativer Erklärungsansatz, um die vermeintlichen Defizite von ADD-Kindern als natürliche Anpassung an ein "Jäger-Profil" umzudeuten und damit das Selbstbild der Kinder zu stärken.
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