Diplomarbeit, 2009
87 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Bestimmung des Theorierahmens zur Analyse der Interessenskonflikte
2.1 Krisensituation
2.2 Die Unternehmenspolitische Konfliktforschung
2.2.1 Die unternehmenspolitische Konfliktkonzeption nach Dlugos & Dorow
2.2.2 Die Austauschbeziehung als Konfliktgegenstand
2.2.1 Die Formalstruktur des rationalen Grundzielsetzungsprozesses als analytischer Bezugsrahmen
2.3 Theorie und Interessen der Anspruchsgruppen
2.3.1 Der Stakeholder Ansatz
2.3.2 Merkmale unternehmensrelevanter Anspruchsgruppen
2.3.3 Interessen der Anspruchsgruppen
2.4 Zwischenfazit
3 Die strategisch relevanten Anspruchsgruppen und Übernahmekonzepte der Investoren im Falle des Traditionskonzerns Opel
3.1 Historischer und aktueller Hintergrund
3.2 Erfassung strategischer Alternativen des Automobilherstellers
3.2.1 Das Konsortium um den Zulieferer Magna
3.2.2 Der italienische Autokonzern Fiat
3.2.3 Der U.S.-Finanzinvestor RHJ International
3.2.4 Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC)
3.2.5 Insolvenz als unternehmenspolitische Option
3.3 Identifikation relevanter Anspruchsgruppen im Fall Opel
3.3.1 Der Mutterkonzern General Motors
3.3.2 Die Bundesregierung und ihre Minister
3.3.3 Die deutsche Belegschaft
4 Die Unternehmenspolitische Konfliktanalyse
4.1 Vorgehensweise der Grundzielsetzungsanalyse im Rahmen des Übernahmeprozesses
4.2 Ermittlung der optimalen Alternative unter Anwendung des Grundzielsetzungsprozesses
4.2.1 Der Mutterkonzern General Motors
4.2.2 Die Bundesregierung
4.2.3 Die deutsche Belegschaft
4.3 Das Interessenskonfliktfeld
5 Schlussbetrachtung und Ausblick auf weiteren Handlungsbedarf
Die Arbeit untersucht Interessenskonflikte verschiedener Anspruchsgruppen im Kontext der Unternehmenskrise bei Opel im Jahr 2009. Ziel ist es, unter Anwendung der unternehmenspolitischen Konflikttheorie nach Dlugos und Dorow aufzuzeigen, wie unterschiedliche Zielvorstellungen der Stakeholder den Übernahmeprozess beeinflussen und zu manifesten Interessenskonflikten führen.
2.1 Krisensituation
Um die Entstehung von Interessenskonflikten aus einer Krisensituation ableiten zu können, muss zunächst ein Verständnis des Krisenbegriffs geschaffen werden. Dem Begriff der Krise kommt im allgemeinen Gebrauch eine vielseitige, heterogene Verwendungen und Bedeutung zu. Folglich werden mit dem Begriff unterschiedliche Assoziationen hinsichtlich der individuell-privaten und wirtschaftlichen Bereiche verbunden. Sein Ursprung stammt jedoch aus dem altgriechischen Wort „krisis“ und hat auf einen entscheidenden Punkt einer Handlung im antiken Drama hingewiesen. In diesem Sinne bildet nach Krystek (1987; 3) die Krise eine Entscheidungssituation, die den Wendepunkt oder Höhepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt.
Betrachtet man die inhaltliche betriebswirtschaftliche Bestimmung einer Krise auf institutionellen bzw. organisatorischen Bezügen, so spricht man in diesem Zusammenhang von einer „Unternehmenskrise“. Clasen (1992; 75) versteht im betriebswirtschaftlichen Kontext hierunter eine „nachhaltige Störung des Systems Unternehmung, welche ohne geeignete Gegenmaßnahmen dessen Grundlage und Existenz bedroht“. Staehle (1993; 2452ff) fügt hinzu, dass diese Störung meist unbeabsichtigt oder zumindest unerwartet auftrete und zu einer existenzbedrohenden Situation für das gesamte System führe. Eine genaue und kritische Auseinandersetzung mit den bestehenden Begriffskonzeptionen bietet Hülsmann (2002; 11, 2005; 35ff). Dabei ist trotz ähnlicher Grundmuster keine Unternehmenskrise der anderen identisch. Aus den zahlreichen Definitionen lassen sich in Anlehnung an Krytsek (1987) und Müller (1982) konstituierende Merkmale ableiten; Existenzgefährdung, Ambivalenz des Ausgangs, Prozesscharakter, Steuerungsproblematik und die Gefährdung dominanter Ziele (Hülsmann, 2005; 39ff). Unter Beachtung der hier gesetzten Zielvorstellung soll auf das wesentliche Merkmal, der Gefährdung dominanter Ziele, näher eingegangen werden.
Unternehmenskrisen führen zur Gefährdung dominanter, d. h. überlebensrelevanter Ziele, anhand derer eine Krise für ein System überhaupt als Existenzgefährdung lokalisierbar gemacht werden kann (operationalisierter Referenzmaßstab) (Hülsmann, 2005; 41). Unter der Erreichung dominanter Ziele wird u.a. die Vermeidung von Insolvenztatbeständen verstanden (Buschmann, 2006). Durch den potentiellen Eintritt der Zahlungsunfähigkeit, der drohenden Zahlungsunfähigkeit und der Überschuldung ist ein Unternehmen in seiner Existenz bedroht.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsproblem dar und verortet die Untersuchung im Spannungsfeld ökonomischer und sozialer Anspruchsgruppen während der Opel-Krise.
2 Bestimmung des Theorierahmens zur Analyse der Interessenskonflikte: Dieser Abschnitt erarbeitet das theoretische Fundament, insbesondere die Konfliktforschung nach Dlugos & Dorow sowie den Stakeholder-Ansatz als Analyseraster.
3 Die strategisch relevanten Anspruchsgruppen und Übernahmekonzepte der Investoren im Falle des Traditionskonzerns Opel: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund des Falls Opel und stellt die verschiedenen Investorenkonzepte (Magna, Fiat, RHJ, BAIC) detailliert vor.
4 Die Unternehmenspolitische Konfliktanalyse: Das Hauptkapitel wendet den Grundzielsetzungsprozess auf die Stakeholder GM, Bundesregierung und Belegschaft an, um deren jeweilige optimale Alternative zu ermitteln und Konfliktpotentiale zu analysieren.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick auf weiteren Handlungsbedarf: Der Abschluss fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit des gewählten methodischen Ansatzes in Krisensituationen.
Unternehmenskrise, Interessenskonflikte, Anspruchsgruppen, Stakeholder-Ansatz, Grundzielsetzungsprozess, Unternehmenspolitik, Adam Opel GmbH, Konfliktforschung, Krisenmanagement, Insolvenz, Übernahmeprozess, Investoren, Zielkriterien, Machtgefälle, Sanierung.
Die Arbeit analysiert die vielfältigen Interessenskonflikte, die bei der Rettung der Adam Opel GmbH während der Wirtschaftskrise 2009 zwischen verschiedenen Stakeholdern entstanden sind.
Im Zentrum stehen die unternehmenspolitische Konfliktforschung, die Modellierung von Zielsetzungsprozessen und die konkrete Anwendung dieser Theorie auf den Übernahmeprozess von Opel.
Das Ziel ist die systematische Offenlegung und Analyse der kollidierenden Interessen der beteiligten Akteure, um die Handlungsoptionen und das Konfliktpotential fundiert bewerten zu können.
Es wird das Modell des Grundzielsetzungsprozesses nach Dlugos und Dorow genutzt, um subjektive Zielkriterien der Stakeholder zu gewichten und Entscheidungsmatrizen für verschiedene Alternativen zu erstellen.
Der Hauptteil rekonstriert die Situation von Opel, stellt die Investorenkonzepte (Magna, Fiat, RHJ, BAIC) gegenüber und führt die mathematische Analyse der Entscheidungsmatrix für die wichtigsten Stakeholder durch.
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Interessenskonflikte, Krisenmanagement, Stakeholder-Analyse und unternehmenspolitische Konfliktforschung beschreiben.
Der Fall Opel bietet aufgrund seiner Verflechtungen, der politischen Bedeutung und der gegensätzlichen Forderungen von Investoren, Staat und Mitarbeitern ein ideales Praxisbeispiel für komplexe unternehmenspolitische Interessenskonflikte.
Die Arbeit zeigt, dass die Bundesregierung eine Doppelrolle als politischer Akteur und quasi-Fremdkapitalgeber einnimmt, was zu komplexen Zielkonflikten zwischen Arbeitsplatzerhaltung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit führt.
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