Bachelorarbeit, 2020
52 Seiten, Note: 1,5
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
1. Einleitung
2. Die Beziehung zwischen Medien und dem Sport
2.1 Geschichtlicher Verlauf in Deutschland
2.2 Medialisierung im Spitzensport
3. Behindertensport – Ein Überblick
3.1 Definitionen
3.2 Geschichte, Organisation und Wettkämpfe
3.3 Aktuelle Paradigmen
4. Behindertensport in den Medien
4.1 Quantitative Aspekte
4.2 Qualitative Aspekte
4.3 Gesellschaftliche Bedeutung und Forderungen
5. Forschungsdesign
5.1 Methodik und Zielsetzung
5.2 Untersuchungsgegenstand
6. Analyse der Videos
6.1 Video 1: My Disability is Not a Super Power
6.2 Video 2: Feature Heinrich Popow
6.3 Video 3: Chasing Greatness
6.4 Evaluation
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht Medialisierungstendenzen im Behindertensport am Beispiel des offiziellen YouTube-Kanals des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Ziel ist es, auf Basis einer filmanalytischen Untersuchung zu ermitteln, wie das IPC Athleten inszeniert und ob diese Form der medialen Repräsentation den eigenen Ansprüchen sowie einer inklusiven Berichterstattung gerecht wird.
6.1 Video 1: My Disability is Not a Super Power
Das erste ausgewählte Video trägt den Titel My Disabillity is Not a Super Power und ist in Zusammenarbeit mit dem britischen Mineralölunternehmen BP, einem der großen internationalen Partner des IPC, entstanden. Es wurde am 27.11.2019 mit einer Laufzeit von 01:24 Minuten hochgeladen und konnte bis dato 1.873 Aufrufe, bei 8 Kommentaren verzeichnen (Stand 24.06.2020). Es handelt sich um einen Film aus der mehrteiligen Kampagne The Energy Within. Die einzelnen Kurzfilme sind in einer eigenen gleichnamigen Playlist geschaltet und zudem in einer Best of Paralympics Playlist zu finden. Sie erzählen alle in ähnlicher Weise die Geschichte von verschiedenen Para-Sportlern und ihrem Weg zur inneren Stärke. In diesem Fall wird die erfolgreiche US-amerikanische Rollstuhlrennfahrerin Tatyana McFadden thematisiert.
Zu Beginn ist zu sehen, wie McFaddens Wecker um fünf Uhr morgens klingelt und sie davon wach wird. Überschneidend dazu hört man im Hintergrund eine Stimme sagen: „She makes history every time she gets out of bed in the morning.“ Sie setzt sich auf und man sieht ihren Rollstuhl vor dem Bett stehen. Sie sagt dabei: „I am no different to you.“ Gleichzeitig durchflutet Licht das Zimmer. Der Titel des Videos erscheint. Anschließend werden zwei Bilder gezeigt sowie einige Medaillen. Sie sagt: „My disability doesn’t make me exceptional, or get me up at five in the morning.“ In der nächsten Einstellung fährt McFadden mit ihrem Rollstuhl in eine Garage. Das Garagentor öffnet sich und es wird klar, dass es draußen immer noch dunkel ist. Gleichzeitig regnet es in Strömen. McFadden setzt sich in ihr Sportgerät und präpariert dieses. Dann fährt sie los. Zunächst von hinten sichtbar, wird die Athletin beim Fahren durch die Dunkelheit und den Regen gezeigt.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende mediale Relevanz des Behindertensports und stellt die Forschungsfrage nach der Darstellungsweise durch das IPC sowie die Zielsetzung dieser Arbeit dar.
2. Die Beziehung zwischen Medien und dem Sport: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Medialisierung und arbeitet den geschichtlichen Verlauf der Wechselbeziehung zwischen Sport und Medien in Deutschland heraus.
3. Behindertensport – Ein Überblick: Es werden die begrifflichen Grundlagen des Behindertensports sowie dessen Geschichte, Organisation und die aktuellen Paradigmen des Leistungssports erläutert.
4. Behindertensport in den Medien: Dieses Kapitel analysiert quantitativ und qualitativ die bisherige Berichterstattung über den Behindertensport und beleuchtet die daraus resultierenden gesellschaftlichen Forderungen.
5. Forschungsdesign: Hier werden die methodische Vorgehensweise, basierend auf der Filmanalyse nach Lothar Mikos, und der Untersuchungsgegenstand (YouTube-Kanal des IPC) detailliert beschrieben.
6. Analyse der Videos: Drei spezifische Videos auf dem YouTube-Kanal des IPC werden einer detaillierten Analyse unterzogen, um die Inszenierungsstrategien gegenüber den Athleten zu prüfen.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Inszenierungsmuster des IPC kritisch und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Behindertensportkommunikation.
Behindertensport, Paralympische Spiele, Medialisierung, IPC, YouTube, Filmanalyse, Sportberichterstattung, Inklusion, Superhuman-Narrativ, Behindertenrechtskonvention, Medienlogik, Repräsentation, Empowerement, Inspiration porn, Athleteninszenierung
Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung des Behindertensports durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) auf dessen eigenem YouTube-Kanal und hinterfragt, ob diese Präsentation den sportlichen Leistungen der Athleten sowie einer inklusiven Kommunikation entspricht.
Zu den zentralen Feldern gehören die theoretischen Grundlagen der Medialisierung im Sport, die Geschichte des Behindertensports, eine medienwissenschaftliche Analyse der Berichterstattung sowie eine qualitative Filmanalyse spezifischer Kampagnenvideos.
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie das IPC Athleten medial aufbereitet, ob dabei alte Narrative wie die "Heldenreise" oder Mitleidsrollen bedient werden und ob diese Strategien zur Popularisierung des Behindertensports beitragen.
Um die gewählten YouTube-Videos tiefgehend zu interpretieren, nutzt der Autor das methodische Inventar der Film- und Fernsehanalyse nach Lothar Mikos, unterteilt in fünf Analyseebenen wie Narration, Dramaturgie und Ästhetik.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block zur Sportkommunikation und Medialisierung sowie einen empirischen Analyseteil, in dem drei Videos von Para-Athleten (Tatyana McFadden, Heinrich Popow, Kgothatso Montjane) anhand der filmischen Darstellung bewertet werden.
Wichtige Begriffe sind Medialisierung, IPC, Behindertensport, Empowerment, Superhuman-Narrativ und Medienlogik.
Der Autor stellt fest, dass der BP-Film über McFadden stark dramatisiert ("Inspiration porn") und damit das Bild einer kämpfenden Einzelgängerin erzeugt, während die Allianz-Features über Popow und Montjane den Fokus wesentlich stärker auf das sportliche Talent und die realistische Trainingsvorbereitung legen.
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass das IPC teilweise noch auf oberflächliche Inszenierungsstrategien zurückgreift, die zwar kurzzeitig Mitleid oder Inspiration wecken, aber den Kern sportlicher Professionalität oft verfehlen, weshalb eine differenziertere, authentischere Kommunikation gefordert wird.
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