Forschungsarbeit, 2009
10 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Von realen und virtuellen Interaktionen
2. Interaktion massenmedial realisiert?
3. Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns
4. Ein Funkenschlag zwischen Ethnomethodologie und SocialTV
5. Schlusswort: Vom Nutzen einer soziologischen Handlungstheorie
Diese Arbeit untersucht den heuristischen Wert der Ethnomethodologie nach Harold Garfinkel für die Entwicklung von SocialTV-Konzepten, indem sie analysiert, inwieweit soziologische Interaktionsregeln aus der Realwelt auf technisch vermittelte, virtuelle Kommunikation übertragen werden können.
Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns
Um elektronische Konversationsregeln und Strukturen des Alltagshandelns in der technischgestützten Kommunikation zu bestimmen, lohnt es den Blick auf das Werk Harold Garfinkels zu richten. Mit seiner Ethnomethodologie hat der Soziologe eine empirische Methode zur Interaktionsforschung geschaffen, mit der sich jene Strukturen und Regeln in Bezug auf die soziale Umwelt der Realwelt erforschen lassen. Die dokumentarische Methode, bestehend aus den Elementen Krisenexperimente, Dokumentation der Äußerungen sowie die Dokumentation der Wechselbeziehung zwischen Kontext und Äußerung, bildet das empirische Instrument, mittels welchem die vorformulierten Thesen erprobt werden.
Als äußerst relevant für das Erforschen der gewohnheitsmäßigen Herstellung und Aufrechterhaltung der Strukturen des Alltagshandelns gilt für Garfinkel die Indexikalität, welche die Relation von Äußerungen zu dem dahinterliegenden Kontext beschreibt. Um diese zu erörtern, wird dem Originaltext einer Interaktionssequenz jeweils ein erläuternder Kommentartext gegenübergestellt. Dieser Methode verdankt Garfinkel mannigfache grundsätzliche Erkenntnisse über alltägliche Handlungssituationen, wie er in „Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln“ ausführt: In einer Kommunikation werden nicht alle Themen, über die kommuniziert wird, explizit ausgesprochen; indessen sind die Kommunizierenden fähig, Andeutungen und Verweise zu verstehen. Zeichen besitzen keine objektive Bedeutung sowie Verständnis auch nicht einfach übertragen werden kann, sondern prozessual erworben wird, indem beispielsweise Äußerungen durch vorhergehende und nachfolgende Äußerungen näher spezifiziert werden.
1. Einleitung: Von realen und virtuellen Interaktionen: Das Kapitel führt in die ethnomethodologische Perspektive ein und fragt nach deren Nutzen für die Gestaltung virtueller Interaktionsräume im Kontext von SocialTV.
2. Interaktion massenmedial realisiert?: Hier wird die Eignung des soziologischen Interaktionsbegriffs für technisch vermittelte Kommunikation hinterfragt und die Besonderheit der Chat-Kommunikation herausgestellt.
3. Die Routinegrundlagen des Alltagshandelns: Dieses Kapitel erläutert Garfinkels theoretisches Fundament, insbesondere die Indexikalität und Krisenexperimente als Mittel zur Erforschung sozialer Normen.
4. Ein Funkenschlag zwischen Ethnomethodologie und SocialTV: Die Übertragung der Garfinkelschen Erkenntnisse auf SocialTV-Konzepte zeigt Möglichkeiten der Kompensation fehlender Präsenz durch neue Sprachmittel auf.
5. Schlusswort: Vom Nutzen einer soziologischen Handlungstheorie: Das Fazit bestätigt den Wert der Handlungstheorie für Entwickler, da sie das Individuum als aktiv sinnstiftendes Subjekt in den Mittelpunkt stellt.
Soziologie, Ethnomethodologie, Harold Garfinkel, SocialTV, Interaktion, Alltagshandeln, Wirklichkeitskonstruktion, Chat-Kommunikation, Indexikalität, Krisenexperimente, Medienforschung, Sozialwissenschaften, Kommunikationstheorie, virtuelle Interaktion, soziale Ordnung
Die Arbeit untersucht, welchen Nutzen handlungstheoretische Ansätze, speziell die Ethnomethodologie von Harold Garfinkel, für die Gestaltung und das Verständnis von SocialTV-Konzepten bieten.
Die zentralen Felder umfassen die Soziologie des Alltags, die Theorie der Interaktion sowie die spezifischen Bedingungen technisch vermittelter Kommunikation in SocialTV-Formaten.
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die für die reale Welt entwickelten Interaktionsregeln auf virtuelle, elektronisch vermittelte Umgebungen übertragen oder angepasst werden können.
Die Arbeit stützt sich auf die handlungstheoretische Perspektive Garfinkels und nutzt dessen ethnomethodologische Ansätze, um Kommunikationsstrukturen in Chats theoretisch zu analysieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Interaktion, der Analyse der Routinegrundlagen des Handelns nach Garfinkel und der Anwendung dieser Erkenntnisse auf die Interaktionsprobleme in SocialTV-Chats.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ethnomethodologie, SocialTV, Interaktionsforschung, Alltagshandeln und Wirklichkeitskonstruktion beschreiben.
Die Chat-Kommunikation wird gewählt, da sie unter den Features interaktiven Fernsehens die stärksten Parallelen zur realweltlichen Face-to-Face-Interaktion aufweist.
Der Autor sieht diese Elemente als notwendige Reaktion auf die Abwesenheit nonverbaler Signale, um die Interpretation von Aussagen zu erleichtern und soziale Standardisierungen wiederherzustellen.
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