Doktorarbeit / Dissertation, 2009
205 Seiten
1. Einleitung
2. Vorbemerkungen
2.1. Terminologie und Begriffsabgrenzung
2.2 Diachronische Entwicklung
3. Die orthoepischen Kodifikationen
3.1 Die deutschländischen Aussprachekodizes
3.1.1 Der Siebs (1898 ff.)
3.1.2 Das Wörterbuch der deutschen Aussprache (WDA) (1964) und Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache (GWDA) (1982)
3.1.3 Das Duden-Aussprachewörterbuch (Aussprache-Duden) (1962ff.)
3.2 Die Aussprachemerkmale des österreichischen Standarddeutsch
3.2.1 Deutsche Lautlehre von Luick (1904f.)
3.2.2 Österreichisches Beiblatt zu Siebs (1957)
3.2.3 Das Österreichische Wörterbuch (ÖWB) (1951ff.)
3.2.4 Das Österreichische Sprachdiplom Deutsch (2000)
3.2.6 Das Variantenwörterbuch des Deutschen (2004)
3.2.7 Österreichisches Aussprachewörterbuch (ÖAWB) und Aussprachedatenbank (ADABA) (2007)
4. Zielsetzung und Methodik
4.1 Ansatzpunkte der Erhebung
4.2 Methodische Vorüberlegungen
4.2.1 Die Stichprobe
4.2.2 Zur Repräsentativität
4.2.3 Eigenschaften der Probanden
4.3 Zur Sprech- und Sprachstandserhebung: orthoepische Merkmale
4.3.1 Quantitativ orientierte Erhebung
4.3.2 Die Befragungssituation
4.3.3 Das Statistik-Dilemma
4.3.4 Die Wortliste
4.3.5 Ablauf der Befragung
4.4 Zur Fragebogenerhebung: Einstellungen und Wahrnehmungen zur österreichischen Standardaussprache
4.4.1 Ansatzpunkte der Erhebung
4.4.2 Aufbau des Fragebogens
4.4.3 Forschungsverlauf
4.4.4 Methodische Einschränkungen
4.5 Methodenkritik
5. Analyse und Auswertung der Ergebnisse
5.1 Erhebung der österreichischen Orthoepie
5.1.1 Stichprobe
5.1.2 Ergebnisse
5.1.2.1 Vokalismus
5.1.2.2 Konsonantismus
5.1.2.3 Betonung
5.1.2.4 Unterschied: Wien und andere Bundesländer
5.1.3 Zusammenfassung
5.2 Einstellungen und Wahrnehmungen zur österreichischen Standardaussprache
5.2.1 Stichprobe
5.2.2 Ergebnisse
5.2.2.1 Was ist die Standardaussprache
5.2.2.2 Berufsgruppen
5.2.2.3 Aneignen der österreichische Standardvarietät
5.2.2.4 Differenzierung der Standardaussprache
5.2.2.5 Österreichische und deutsche Standardaussprache im Vergleich
5.2.3 Qualitative Ergebnisse der offenen Antworten
5.2.3.1 Frage (2) – Einstellung zur österreichischen Standardaussprache
5.2.3.2 Frage (3) – Besonderheiten der österreichischen Varietät
5.2.3.3 Frage (10) – Sonstige Bemerkungen der Befragten
5.2.4 Zusammenfassung
6. Zusammenfassung
7. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Aussprachegewohnheiten und die Einstellungen zur österreichischen Standardvarietät, um eine fundierte empirische Basis für eine mögliche zukünftige Aussprachekodifikation zu schaffen, da bestehende Normen oft inkonsequent oder nicht allgemein verfügbar sind.
3.1.2 Das Wörterbuch der deutschen Aussprache (WDA) (1964) und Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache (GWDA) (1982)
In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich neue Maßstäbe, die sich in einer veränderten ästhetischen Bewertung der Aussprache ausdrückten. Zwar war man sich noch darüber einig, bei der Entwicklung einer neuen Aussprachenorm den Siebs’schen Kodifizierungsstandard als Grundlage heranzuziehen, doch bestand nunmehr das Bedürfnis, eine Ausspracheregelung zu entwickeln, die einem Großteil der Menschen nahe kam: Ziel war es, ein Aussprachewörterbuch der allgemeinen deutschen Hochlautung zu schaffen. Es sollte Formen empfehlen, die auf der Ebene der Hochlautung allgemein gebräuchlich und damit auch allgemein erreichbar waren (E.-M. Krech 1996, S. 27).
Es war ein Anliegen, eine mundartfreie Aussprachenorm zu entwickeln, die den alltäglichen Kommunikationsaufgaben gerecht wird und in jeder Lebenssituation angemessen variiert werden kann. Sie sollte ebenfalls von so gut wie allen deutschsprachigen Sprechern ohne große Mühe erlernt und im Alltag realisiert werden können. Zu dieser Zeit stand die Kommunikation als zwischenmenschlicher Austausch im Vordergrund, sodass die Wissenschaft keine Aussprachenorm erhalten wollte, die elitär ist und einen sozialen Abstand zwischen den Menschen schafft. Dieses neue Bedürfnis konnte jedoch durch die Bühnenaussprache nicht gedeckt werden. Zur Entwicklung einer solchen Ausspracheform musste eine neue Bezugsgröße geschaffen werden, um den tatsächlichen Sprachgebrauch einer größeren Gemeinschaft – als die der Bühnenschauspieler – zu ermitteln. Der rasante technische Fortschritt gegen Mitte der 60er Jahre hatte dabei einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung einer neuen Sprachform. Durch die Ausbreitung von Rundfunk, Film und Fernsehen bis in die entlegensten Dörfer konnte die Gesellschaft überall die neuen Massenmedien empfangen. Da die Gesellschaft nun täglich und überall mit einer beinahe einheitlichen Aussprache konfrontiert wurde, hatten die Sprecher der modernen Medien bald eine gewisse Vorbildfunktion für die Gemeinschaft. So wurde erstmals die Aussprache der Rundfunk- und Fernsehmoderatoren als neuer Standard angesehen und deren Sprachform als ‚Standardsprache’ bezeichnet.
1. Einleitung: Beschreibt den Bedarf an einer neuen, empirisch fundierten österreichischen Aussprachenorm und kritisiert die Defizite bestehender Kodizes.
2. Vorbemerkungen: Definiert die notwendige linguistische Terminologie und beleuchtet die diachrone Entwicklung der deutschen Sprache im österreichischen Kontext.
3. Die orthoepischen Kodifikationen: Analysiert kritisch die historischen und aktuellen Aussprachekodizes, die für den deutschen Sprachraum relevant sind.
4. Zielsetzung und Methodik: Erläutert das Vorgehen der empirischen Sprechstandserhebung und der Einstellungsanalyse unter Verwendung von Fragebögen und SPSS.
5. Analyse und Auswertung der Ergebnisse: Präsentiert die erhobenen Daten zu Vokalismus, Konsonantismus und Betonung sowie die qualitativen Befragungsergebnisse.
6. Zusammenfassung: Fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen und verdeutlicht die Ambivalenz der österreichischen Sprachidentität.
7. Schlussbetrachtung: Reflektiert die wissenschaftliche Bedeutung der Arbeit als Grundlagenforschung und gibt Anregungen für zukünftige Untersuchungen.
Österreichisches Deutsch, Standardaussprache, Orthoepie, Aussprachekodifikation, Plurizentrik, Sprachstandserhebung, Sprecherziehung, Phonetische Variation, Empirische Linguistik, Sprachbewusstsein, Dialekt, Medienpräsentationsnorm, Variantenwörterbuch, Standardvarietät, Soziolinguistik
Die Dissertation befasst sich mit der Erfassung der tatsächlichen Aussprache des österreichischen Standarddeutsch, da bisherige Kodifizierungen als unzureichend oder veraltet angesehen werden.
Die Themen umfassen die phonetische Analyse von österreichischen Aussprachemerkmalen, die Einstellungen von Sprechern zu ihrer eigenen Varietät und die kritische Bewertung bestehender Aussprachewörterbücher.
Das primäre Ziel ist es, eine empirische Basis für eine zukünftige, deskriptive österreichische Aussprachekodifikation zu schaffen, die näher an der tatsächlichen Sprechwirklichkeit liegt als bisherige Normen.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus explorativer, quantitativer und qualitativer Sozialforschung, darunter eine Sprachstandserhebung bei Studierenden und Fachleuten sowie eine Fragebogenerhebung zur Einstellungsanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Aussprachekodifikationen und eine umfangreiche Analyse der empirischen Daten zu Vokalismus, Konsonantismus, Betonung und den Wahrnehmungen der Sprecher.
Zentrale Begriffe sind österreichisches Deutsch, Standardaussprache, Orthoepie, plurizentrische Sprache und empirische linguistische Analyse.
Die Analyse zeigt signifikante Unterschiede in der Aussprache, wobei Wiener Sprecher beispielsweise häufiger offene Diphthonge verwenden und eine geringere Aspiration bei Plosiven aufweisen als Sprecher aus anderen Bundesländern.
Bestehende Kodizes wie der "Siebs" oder das ÖAWB gelten oft als wissenschaftlich nicht ausreichend fundiert, inkonsequent, zu stark auf eine Bühnennorm ausgerichtet oder im Buchhandel kaum verfügbar.
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