Masterarbeit, 2009
89 Seiten, Note: 1.1
1 Einleitung
2 Notwendige Begriffseinordnung
2.1 Empathie
2.2 Erziehung
2.3 Entwicklung
3 Identitätsbildung im Einfluss von Literatur und Erziehungskonzepten
3.1 Das Höhlengleichnis von Platon - Grundmetapher für Bildung
3.2 Identitätsbildende Faktoren repressiver und permissiver Erziehungsstile
3.3 Kinderbuchklassiker als literarische Einflussfaktoren der Ich-Identität
4 Entstehung der Identität nach George H. Mead
4.1 Begriffsbestimmung: Identität
4.2 „Ich“ und der (das) verallgemeinerte „Andere“
4.3 „Ich“ und „ICH“ als Phasen der Identitätsbildung
4.4 Kritik an Kant
5 Theorien zur menschlichen Entwicklung
5.1 Theorie der affektiven Entwicklung von Erik H. Erikson
5.2 Die acht Phasen der psychosozialen Entwicklung von Erik H. Erikson
5.3 Theorie der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget
5.4 Identitätsbildung – Äquilibration durch Assimilation und Akkommodation
5.5 Kognitive Entwicklungsstufen
5.5.1 Die sensumotorische Stufe
5.5.2 Die präoperative Stufe
5.5.3 Die konkret–operative Stufe
5.5.4 Die formal–operative Stufe
5.6 Stadien der moralischen Entwicklung
6 Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit
6.1 Die kognitive Entwicklungstheorie von Lawrence Kohlberg
6.2 Das Stufenmodell zur Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit
6.2.1 Ebene 1: Präkonventionelle Moral
6.2.2 Ebene 2: Konventionelle Moral
6.2.3 Ebene 3: Postkonventionelle Moral
6.3 Moralische Dilemmata
6.4 Kritik an der Theorie zur Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit nach Lawrence Kohlberg
7 Der Kategorische Imperativ als Prinzip der Sittlichkeit von Immanuel Kant
7.1 Was kann ich wissen?
7.2 Was soll ich tun?
8 Zusammenfassung
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Entstehung und Förderung der Ich-Identität bei Kindern unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Theorien und pädagogischer Ansätze. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie emotionale, kognitive und moralische Entwicklungsprozesse ineinandergreifen, um Kinder zu eigenständigen, urteilsfähigen Persönlichkeiten heranreifen zu lassen.
3.3 Kinderbuchklassiker als literarische Einflussfaktoren der Ich-Identität
Kinderbücher sind ein geeignetes Medium, um die Empathiefähigkeit der Kinder zu fördern (Zumkley-Münkel, 1994). Indem die Kinder sich in die Lage der fiktiven Buchhelden hineinversetzen, lernen sie deren Sichtweise kennen, welche sie entweder nachzuvollziehen können oder sich davon distanzieren. Ähnlich verhält es sich auf der emotionalen Ebene. Indem sie sich mit den Gefühlen der Hauptdarsteller identifizieren oder bewusst abgrenzen, lernen sie sich selbst und ihre eigenen Sichtweisen und Emotionen kennen. Die Kinderbücher bilden als Medium nach Mead (1973), das verallgemeinerte „Andere“. Indem das Kind empathisch die Rollen der Protagonisten übernimmt, entwickelt es seine Identität.
Auch Bettelheim (2002) betont die entwicklungsfördernden Aspekte der Kinderliteratur. Danach wirken sich diejenigen Geschichten nachhaltig auf die Identitätsbildung des Kindes aus, die durch die Helden und Ereignisse innere menschliche Vorgänge verdeutlichen, mit denen sich die Kinder identifizieren können. „Sie vermitteln die Gewissheit, dass ein lohnendes, gutes Leben in Reichweite des Menschen liegt, auch wenn viele Hindernisse dazwischenzutreten scheinen – aber nur, wenn man nicht vor den gefahrenvollen Kämpfen zurückschreckt, ohne die man niemals wahre Identität erlangen kann“ (Bettelheim, 2002, S. 32).
Hier klingt das Durchstehen von Krisen an, wie es auch Erikson (2003) als Entwicklungsaufgabe formuliert. Kinderliteratur beeinflusst die Kinder zudem in ihren moralischen Urteilen. Dabei haben die Helden der Geschichten eine Vorbildfunktion.
„Nicht die Tatsache, dass die Tugend am Ende siegt, fördert die Moral, sondern dass der Held für das Kind am attraktivsten ist. Das Kind identifiziert sich mit dem Helden; es durchleidet mit ihm alle Mühen und Wirrsale und triumphiert mit ihm, wenn die Tugend schließlich belohnt wird. Diese Identifikation vollzieht das Kind von sich aus; die inneren und äußeren Kämpfe des Helden bilden seine Moral“ (Bettelheim, 2002, S. 15).
1 Einleitung: Darstellung der pädagogischen Herausforderung der Ich-Identitätsentwicklung bei Kindern und Hinführung zu den zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2 Notwendige Begriffseinordnung: Definition der zentralen Begriffe Empathie, Erziehung und Entwicklung als Basis für die weiteren Ausführungen.
3 Identitätsbildung im Einfluss von Literatur und Erziehungskonzepten: Analyse der Wirkung von Erziehungsstilen und literarischen Vorbildern auf den Identitätsprozess des Kindes.
4 Entstehung der Identität nach George H. Mead: Erläuterung der Identitätskonstitution durch soziale Interaktion und Rollenübernahme im sozialbehavioristischen Modell.
5 Theorien zur menschlichen Entwicklung: Überblick über die Stufenmodelle von Erikson und Piaget zur psychosozialen und kognitiven Reifung.
6 Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit: Untersuchung des moralischen Lernens durch Dilemmata und das Stufenmodell von Lawrence Kohlberg.
7 Der Kategorische Imperativ als Prinzip der Sittlichkeit von Immanuel Kant: philosophische Betrachtung der sittlichen Pflichten und der moralischen Vernunft als Grundlage für das Handeln.
8 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung empathischer Erziehung und kognitiver Reifung für die Ich-Identität.
Ich-Identität, Erziehung, Empathie, Persönlichkeitsentwicklung, George H. Mead, Erik H. Erikson, Jean Piaget, Lawrence Kohlberg, Immanuel Kant, moralische Urteilsfähigkeit, Kinderliteratur, soziale Interaktion, psychologische Entwicklung, Pädagogik, Identitätsbildung.
Die Arbeit befasst sich mit den Voraussetzungen und Prozessen, die Kinder benötigen, um eine stabile Ich-Identität zu entwickeln, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von Erziehung, kognitiver Reifung und moralischer Entwicklung liegt.
Die Arbeit behandelt die Begriffe Empathie und Erziehung, verschiedene psychologische Entwicklungstheorien, die Rolle von Literatur als Identitätsmedium sowie die moralische Urteilsfähigkeit des Menschen.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder entwicklungsgerecht begleitet werden können, um zu mündigen Persönlichkeiten heranzureifen, die fähig sind, sich in der Welt zu orientieren und moralisch zu urteilen.
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse, indem sie klassische Erziehungstheorien (Kant, Rousseau) mit modernen entwicklungspsychologischen Ansätzen (Mead, Piaget, Erikson, Kohlberg) vergleicht und diese Erkenntnisse auf Fallbeispiele aus der Kinderliteratur anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Identitätsentstehung durch soziale Interaktion, die psychologischen Phasenmodelle, die Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit anhand von Dilemmata sowie die philosophische Grundlegung moralischen Handelns durch Kant.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Ich-Identität“, „Empathie“, „Rollenspiel“ nach Mead, „Äquilibration“ nach Piaget, das „Stufenmodell der Moralentwicklung“ von Kohlberg und der „Kategorische Imperativ“.
Diese Methode, die auf den Bruch des kindlichen Willens abzielt, behindert laut Analyse die Entfaltung des „wahren Selbst“ und führt stattdessen zur Ausbildung eines „falschen Selbst“, was die Empathiefähigkeit des Kindes langfristig schädigt.
Die Figur Pippi Langstrumpf dient als starkes Vorbild, das durch ihr Handeln Prinzipien wie Gerechtigkeit und Menschenwürde verkörpert und den Lesern die Möglichkeit zur Identifikation und Rollenübernahme bietet.
Während Kant den Kategorischen Imperativ als universelle, formale Gesetzesformel für moralisches Handeln vorgibt, untersucht Kohlberg die psychologische Entwicklung, durch die Menschen erst lernen, solche moralischen Prinzipien kognitiv zu erfassen und anzuwenden.
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