Bachelorarbeit, 2009
32 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Soziohistorische Hintergründe zur Figur der Stiefmutter in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
3 Korpusanalyse zu den Auftritten der Stiefmutter in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
4 Zu den Familienrelationen der Stiefmutter
4.1 Von der Mutter zur Stiefmutter
4.2 Zur Aktion der Stiefmutter gegen das Stiefkind
4.2.1 Das Stiefkind ist ein Mädchen
4.2.2 Die Stiefkinder sind Geschwister
4.2.3 Das Stiefkind ist ein Junge
4.3 Die Stiefmutter bringt eigene Kinder mit in die Ehe
5 Zum Motiv der Stiefmutter
5.1 Das Motiv des Stiefverhältnisses
5.2 Das Motiv des Neids und der Eifersucht
5.3 Das Motiv der Verbesserung der eigenen sozialen Stellung
5.4 Das Motiv der Tötungsabsicht
6 Das Schicksal der Stiefmutter
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion der Stiefmutterfigur in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, um die soziohistorischen und motivgeschichtlichen Hintergründe für ihre durchgängig negative Zeichnung zu ergründen und die Familienrelationen innerhalb dieser Märchen zu analysieren.
4.2.1 Das Stiefkind ist ein Mädchen
Im vorangegangenen Abschnitt haben wir festgestellt, dass es sich nicht immer um die Stiefkinder handelt, gegen die sich der Neid oder die Missgunst der Stiefmutter richtet. In der Mehrzahl der Märchen sind es die Stiefkinder, gegen die die Stiefmutter negativ agiert.
Am häufigsten ist das Stiefkind ein Mädchen (KHM 13, 21, [22]44, 24, 53, 56, 135, 186). Die Stieftochter in Die drei Männlein im Walde wird vor die unlösbare Aufgabe gestellt, ein Körbchen Erdbeeren im Winter zu sammeln. Dem Mädchen gelingt die Lösung der Aufgabe nur durch die Hilfe der drei Männlein, die in einem Waldhäuschen wohnen. Es folgt jedoch keine Belohnung für die Lösung der Aufgabe, sondern eine Bestrafung, und dem Mädchen wird heißes Garn über die Schultern gehangen, das sie auf dem Eis schlittern soll.
Auch Aschenputtel wird das Opfer müßiger Aufgaben der Stiefmutter und muss eine Schüssel voll Linsen aus der Asche lesen. Wiederum erfolgt die Lösung der Aufgabe durch herbeigerufene Vögel als Helfer.
Ein ähnliches Schicksal widerfährt der Goldmarie im Märchen Frau Holle. Sie muss täglich am Brunnen so viel spinnen, dass ihre Finger und die Spule ganz blutig werden. Als die Spule eines Tages in den Brunnen fällt, springt das Mädchen vor lauter Angst vor der Stiefmutter hinterher. In einem Kommentar von 1812 zu den KHM ist es in einer anderen Variante des Märchens sogar die Stiefmutter selbst, die die Stieftochter in den Brunnen stößt, in einer weiteren Version ist es die garstige Stiefschwester der Goldmarie.45
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm und definiert das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit.
2 Soziohistorische Hintergründe zur Figur der Stiefmutter in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Dieses Kapitel verortet das negative Bild der Stiefmutter im gesellschaftlichen Kontext und in den Werten der Romantik.
3 Korpusanalyse zu den Auftritten der Stiefmutter in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Hier werden die 14 Märchen der Gebrüder Grimm identifiziert und aufgelistet, in denen eine Stiefmutter auftritt.
4 Zu den Familienrelationen der Stiefmutter: Das Kapitel untersucht die familiären Rollenveränderungen und die spezifische Behandlung von Stiefkindern (Mädchen, Geschwister, Jungen) durch die Stiefmutter.
5 Zum Motiv der Stiefmutter: Hier werden die Beweggründe für die negativen Handlungen der Stiefmutter, wie Neid, Eifersucht oder der Wunsch nach sozialem Aufstieg, analysiert.
6 Das Schicksal der Stiefmutter: Dieses Kapitel betrachtet die häufigen Bestrafungen und den Tod der Stiefmütter in den untersuchten Märchen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und ordnet sie erneut in den literarischen und historischen Kontext ein.
Stiefmutter, Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Familienrelationen, Märchenanalyse, Neid, Eifersucht, Frauenbild, Romantik, Stiefkinder, Sozialhistorie, Volksmärchen, Motivgeschichte, Erziehung, Patriarchat
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und der Rolle der Stiefmutter in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Die zentralen Themen sind die soziohistorischen Hintergründe der Stiefmutterfigur, die Familienbeziehungen in den Märchen, die Motive für die Boshaftigkeit der Stiefmutter sowie deren schließliches Schicksal.
Das Ziel ist es, die Gründe für die Entstehung des negativen Stiefmutterbildes in den Grimms Märchen aufzuzeigen und ein detailliertes Bild ihrer Darstellung zu zeichnen.
Die Arbeit stützt sich auf eine Korpusanalyse der Stiefmuttermärchen sowie auf eine textbasierte Motiv- und Familienanalyse unter Berücksichtigung von Sekundärliteratur.
Im Hauptteil werden die Familienrelationen, die spezifische Behandlung verschiedener Stiefkind-Typen (Mädchen, Geschwister, Junge), die verschiedenen Handlungs-Motive und das Schicksal der Stiefmutter detailliert analysiert.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Stiefmutter, Grimms Märchen, Familienrelationen, Neid, Eifersucht, soziale Stellung und Motivgeschichte.
Laut der Arbeit geschah dies teilweise durch Wilhelm Grimm als Zensor, um das idealisierte Bild einer liebenden Mutter zu bewahren und das unmoralische Verhalten der negativen Figur auf die Stiefmutter abzuwälzen.
Die Analyse zeigt eine deutliche Dominanz von Stieftöchtern, was mit historischen Gegebenheiten wie dem Erb- und Eherecht sowie der Notwendigkeit von Rivalitätsmotiven um den sozialen Aufstieg in den Märchen verknüpft wird.
In den meisten Fällen erleidet die Stiefmutter eine detaillierte und grausame Bestrafung, häufig durch den Tod, was als notwendige Bedingung für das Glück der Helden interpretiert wird.
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