Masterarbeit, 2021
89 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Thematik, Textauswahl und Fragestellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Forschungsstand
2. Theorieteil
2.1 Der klassische Kriminalroman
2.2 Der Begriff des Zufalls
3. Der Richter und sein Henker – Zwei Seiten des Zufalls
3.1 Eine Wette als Ausgangspunkt
3.1.1 Bärlachs ambivalentes Verhältnis zum Zufall
3.1.2 Der Nihilist Gastmann als sein ewiger Gegenspieler
3.2 Tschanz – eine Figur im Zwiespalt
3.2.1 Tschanz als Polizist und Mörder
3.2.2 Tschanz als Spielfigur Bärlachs
4. Der Verdacht – Die Welt als Lotterie
4.1 Dr. Emmenberger als Spiegelfigur zu Gastmann
4.1.1 Die Bestätigung der These Bärlachs
4.1.2 Die Philosophie des Bösen
4.2 Der Zufall als bestimmender Faktor
4.2.1 Die verhängnisvolle Hoffnung auf das Unwahrscheinlichste
4.2.2 Bärlachs naiver Plan
4.2.3 Das Leben als zufällige Möglichkeit
4.2.4 Die Frage nach der Ohnmacht des Menschen
4.2.5 Abschied von der heilen Welt – Gutes und Böses als Ergebnis des Zufalls?
5. Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman – Der unausweichliche Zufall
5.1 Der Film Es geschah am helllichten Tag als Dürrenmatts ‚konventionellste Detektivgeschichte‘
5.2 Die Rahmenhandlung als explizite Kritik
5.2.1 „Hier wird der Schwindel zu toll“ – Dr. H.‘s. Kritik am Kriminalroman
5.2.2 Das notwendige Arrangement mit dem Zufall
5.3 Vom Allgemeinen zum Einzelfall – Die Binnenhandlung als Exempel
5.3.1 Die Rolle des Zufalls im Fall Gritli Moser
5.3.2 „Ein Mann der Organisation“ – Kommissär Matthäis Scheitern am Zufall
6. Schluss
Die Arbeit untersucht, wie es Friedrich Dürrenmatt gelingt, durch den gezielten Einsatz des Zufallsmotivs traditionelle Muster der Kriminalroman-Gattung zu unterlaufen, zu verfremden und zu kritisieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Autor die Vorstellung einer geordneten "heilen Welt" dekonstruiert.
3.1 Eine Wette als Ausgangspunkt
Eine zentrale Rolle spielt die lange zurückliegende Wette zwischen Bärlach und Gastmann; sie bildet den Ausgangspunkt und die Begründung für das Handeln des Kommissärs. Während eines Einbruchs bei Bärlach durch Gastmann, bei dem beide aufeinandertreffen, erinnern die Kontrahenten sich an den Inhalt einer Debatte, die sie 40 Jahre zuvor bei ihrem zufälligen Kennenlernen, angespornt durch Alkoholkonsum und jugendlichen Übermut, geführt haben. Gegenstand des Streitgesprächs war die Bedeutung des Zufalls im Kontext des Verbrechens. Die Diskussion resultiert in der Wette, dass es Gastmann gelingen würde, ein Verbrechen zu begehen, dass Bärlach ihm nicht würde nachweisen können; der Kommissär hält dagegen und widmet fortan einen Großteil seines Lebens dem Versuch, seinen Widersacher zu überführen. Gastmann resümiert die von ihnen jeweils vertretenen Ansichten wie folgt:
Deine These war, daß die menschliche Unvollkommenheit, die Tatsache, daß wir die Handlungsweise anderer nie mit Sicherheit vorauszusagen und daß wir ferner den Zufall, der in alles hineinspielt, nicht in unsere Überlegungen einzubauen vermögen, der Grund sei, der die meisten Verbrechen zwangsläufig zutage fördern müsse. Ein Verbrechen zu begehen nanntest du eine Dummheit, weil es unmöglich sei, mit Menschen wie mit Schachfiguren zu operieren. Ich dagegen stellte die These auf, mehr um zu widersprechen als überzeugt, daß gerade die Verworrenheit der menschlichen Beziehungen es möglich mache, Verbrechen zu begehen, die nicht erkannt werden könnten, daß aus diesem Grunde die überaus größte Anzahl der Verbrechen nicht nur ungeahndet, sondern auch ungeahnt sei, als nur im verborgenen geschehe.
1. Einleitung: Hier wird der Fokus auf die Fragestellung gelegt, wie Dürrenmatt durch den Zufall die Gattung des Kriminalromans dekonstruiert.
2. Theorieteil: Dieses Kapitel definiert den klassischen Kriminalroman als Gattung und führt in den philosophischen Begriff des Zufalls ein.
3. Der Richter und sein Henker – Zwei Seiten des Zufalls: Die Untersuchung des ersten Romans, in dem der Wettstreit zwischen Bärlach und Gastmann und die Rolle des Zufalls als zentrales Element analysiert wird.
4. Der Verdacht – Die Welt als Lotterie: Analyse des zweiten Romans, in dem das Weltbild des Kriminalromans im Kontext historischer Erfahrungen wie dem Holocaust erneut dekonstruiert wird.
5. Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman – Der unausweichliche Zufall: Dieses Kapitel betrachtet den Höhepunkt der Gattungskritik anhand des dritten Romans, unterteilt in Rahmen- und Binnenhandlung.
6. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse darüber, wie die Demontage des Detektivs und die Etablierung des Zufalls das Bild der heilen Welt zerstören.
Friedrich Dürrenmatt, Kriminalroman, Zufall, Kontingenz, Dekonstruktion, Gattungskritik, Detektiv, Bärlach, Gastmann, Tschanz, Emmenberger, Matthäi, Ration, Logik, Weltbild
Die Arbeit analysiert, wie Dürrenmatt das Genre des Kriminalromans nutzt, um dessen eigene Konventionen – wie die heile Welt und den rationalen Detektiv – durch das Motiv des Zufalls systematisch zu unterlaufen.
Analysiert werden die drei Werke "Der Richter und sein Henker", "Der Verdacht" und "Das Versprechen".
Die Arbeit will aufzeigen, mit welchen literarischen Mitteln und durch welchen gezielten Einsatz des Zufallsmotivs Dürrenmatt das traditionelle Muster der Kriminalliteratur transformiert und kritisiert.
Es erfolgt eine textnahe Analyse der ausgewählten Kriminalromane unter Einbeziehung des theoretischen Diskurses über den Zufallsbegriff und die Geschichte der Kriminalliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und detaillierte Kapitelanalysen, die den Wettstreit der Protagonisten sowie die Rolle des Zufalls als strukturzerstörendes Element untersuchen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kontingenz, Detektivschema, Dekonstruktion, Gerechtigkeit, Ambivalenz und die philosophische Dimension des Zufälligen.
Während Gastmann als Prinzipienloser agiert, der nach Laune handelt, begeht Emmenberger seine Gewaltakte aus einer gefestigten, nihilistischen Philosophie des Bösen heraus.
Matthäis Scheitern resultiert aus seiner Unfähigkeit, den Zufall in seine streng logischen Pläne einzukalkulieren; seine "Hybris" als Ermittler führt ihn in den psychischen Verfall.
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