Magisterarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung: Problemstellung und Überblick
2. Die europäische Integration und der Heilige Stuhl vor dem Hintergrund seiner Stellung als Akteur des internationalen Systems
3. Die europäische Integration und der Heilige Stuhl: Besonderheiten der gegenseitigen Wahrnehmung
3.1. Zwischenergebnis: strukturierte Verhältnisse in statu nascendi
4. Der Bedarf an kohärenten, religionspolitischen Entscheidungen vor dem Hintergrund des geltenden Europarechts?
5. Gegenwärtige Herausforderungen für die Verhältnisse Staat-Kirche: Prämissen einer „europäischen Religionspolitik“
6. Die Herausbildung einer politischen Ordnung Europas im Lichte der EU-Konstitutionalisierungsthese – Aussichten für die europäische Religionsrezeption
6.1. Konturen der EU-Konstitutionalisierungsthese
6.2. Perspektiven für die politische Ordnung Europas nach der Konstitutionalisierungsthese
7. Die katholische Kirche und der Vertrag über eine Verfassung für Europa
7.1. Die Stimme der Kirchen in der Verfassungsdebatte
7.2. Die Präsenz von Religion und Kirche in der EU-Verfassung
7.2.1. Aufwertung der kirchlichen Interessen in institutioneller Hinsicht und Rezeption der religiösen Dimension im Allgemeinen
7.2.2. Die Religionsrezeption als Werterahmen in dem Verfassungsvertrag im Zusammenhang mit der Frage der „europäischen Identität“
7.2.2.1. Exkurs: Identität als Prämisse einer demokratischen Ordnung und ihre Bedeutung für die politische Gemeinschaft Europas
7.2.2.2. Wertefundus und Identität im VVE – der Aufruf der katholischen Kirche zur europäischen Rezeption des Christentums
7.2.2.3. Die christliche Identität im gegenwärtigen Kontext der Säkularisierung und der religiösen Pluralität – Schlussfolgerungen für ein politisch verfasstes Europa
8. Fazit: zwischen dem modernen Staat und der Gegenwart Europas – Aussichten für die katholische Kirche
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zur Europäischen Union vor dem Hintergrund der europäischen Integration und der Entstehung einer neuen politischen Ordnung Europas, mit besonderem Fokus auf den Verfassungsvertrag für Europa.
Die europäische Integration und der Heilige Stuhl vor dem Hintergrund seiner Stellung als Akteur des internationalen Systems
Zwar ist die Katholische Kirche eine Universalkirche mit einer an kein bestimmtes Gebiet gebundenen, souveränen Gemeinschaft der Christen (Communio), ihre globale Funktionsfähigkeit basiert aber auf einer spezifischen, staatsähnlichen, hierarchischen Organisation (eine absolutistische Wahlmonarchie) von zwei territorial bedingten Ebenen: einer globalen - dargestellt vom Heiligen Stuhl, dessen Völkerrechtssubjektivität trotzt mangelnder Staatsqualitäten gemäß der klassischen Staatslehre grundsätzlich anerkannt wird und einer lokalen mit Ortskirchen, deren „Grenzen“ sich weitgehend mit den Grenzen der Nationalstaaten, in denen sie angesiedelt sind, überlappen. Daher unterscheidet sich auch die katholische Kirche von nichtstaatlichen grenzüberschreitenden, transnationalen Akteuren und folglich kann von einer Außenpolitik des Heiligen Stuhls – obgleich der Begriff üblicherweise auf Staaten und ihr internationalpolitisches Handeln zutrifft – gesprochen werden. Immerhin ist sein „politisches Interesse“ anders als jenes des Staates, zumal es außerhalb der Institution liegt und über das theologische Selbstbild – also nicht „selbst“ sondern grundsätzlich vom Gottes Willen – bestimmt wird.
1. Einführung: Problemstellung und Überblick: Legt den Untersuchungsrahmen fest, der die Entwicklung der europäischen Integration und die Rolle der katholischen Kirche als politischer Akteur in einer sich transformierenden EU beleuchtet.
2. Die europäische Integration und der Heilige Stuhl vor dem Hintergrund seiner Stellung als Akteur des internationalen Systems: Analysiert die staatsähnliche Struktur des Heiligen Stuhls und die daraus resultierende spezifische Außenpolitik der katholischen Kirche.
3. Die europäische Integration und der Heilige Stuhl: Besonderheiten der gegenseitigen Wahrnehmung: Untersucht die historische Entwicklung und die institutionellen Dialogformen zwischen der EU und religiösen Gemeinschaften.
3.1. Zwischenergebnis: strukturierte Verhältnisse in statu nascendi: Führt aus, dass die Interessenvertretung der Kirche auf EU-Ebene noch in einem unvollständigen Stadium der Institutionalisierung verharrt.
4. Der Bedarf an kohärenten, religionspolitischen Entscheidungen vor dem Hintergrund des geltenden Europarechts?: Diskutiert, ob und inwieweit die EU eine eigene Religionspolitik benötigt, trotz der primären Zuständigkeit der Mitgliedstaaten in diesem Bereich.
5. Gegenwärtige Herausforderungen für die Verhältnisse Staat-Kirche: Prämissen einer „europäischen Religionspolitik“: Beleuchtet, wie Globalisierung und Pluralisierung das traditionelle Verhältnis von Staat und Kirche unter Rechtfertigungsdruck setzen.
6. Die Herausbildung einer politischen Ordnung Europas im Lichte der EU-Konstitutionalisierungsthese – Aussichten für die europäische Religionsrezeption: Analysiert, wie die EU-Konstitutionalisierung als Prozess neue Bedingungen für das Verständnis europäischer Identität schafft.
6.1. Konturen der EU-Konstitutionalisierungsthese: Erläutert die theoretischen Grundlagen der EU als Konstitutionalisierungsraum.
6.2. Perspektiven für die politische Ordnung Europas nach der Konstitutionalisierungsthese: Untersucht, ob eine normative Verständigung über Werte innerhalb der EU möglich ist, ohne die nationale Identität zu schwächen.
7. Die katholische Kirche und der Vertrag über eine Verfassung für Europa: Beschreibt die aktive Einflussnahme der Kirche auf den Entwurf des EU-Verfassungsvertrags, insbesondere in Bezug auf die Präambel.
7.1. Die Stimme der Kirchen in der Verfassungsdebatte: Dokumentiert das Ringen um religiöse Referenzen, insbesondere den Streit um einen expliziten Gottesbezug.
7.2. Die Präsenz von Religion und Kirche in der EU-Verfassung: Analysiert die tatsächlichen Ergebnisse der Verfassungsdebatte für die institutionelle Stellung der Kirchen.
7.2.1. Aufwertung der kirchlichen Interessen in institutioneller Hinsicht und Rezeption der religiösen Dimension im Allgemeinen: Zeigt auf, wie trotz fehlender Gotteserwähnung Fortschritte für die Kirche erzielt wurden.
7.2.2. Die Religionsrezeption als Werterahmen in dem Verfassungsvertrag im Zusammenhang mit der Frage der „europäischen Identität“: Erörtert die Verbindung zwischen religiöser Tradition und dem Aufbau einer kollektiven europäischen Identität.
7.2.2.1. Exkurs: Identität als Prämisse einer demokratischen Ordnung und ihre Bedeutung für die politische Gemeinschaft Europas: Vertieft die theoretische Bedeutung von Identität für die Legitimität demokratischer Systeme.
7.2.2.2. Wertefundus und Identität im VVE – der Aufruf der katholischen Kirche zur europäischen Rezeption des Christentums: Analysiert das Plädoyer der Kirche für die Anerkennung christlicher Wurzeln als Identitätsfaktor.
7.2.2.3. Die christliche Identität im gegenwärtigen Kontext der Säkularisierung und der religiösen Pluralität – Schlussfolgerungen für ein politisch verfasstes Europa: Zieht Bilanz über die Integrationsfähigkeit einer christlich geprägten Identität in einer pluralistischen EU.
8. Fazit: zwischen dem modernen Staat und der Gegenwart Europas – Aussichten für die katholische Kirche: Resümiert die Herausforderungen für die katholische Kirche, ihre Rolle in einem postnationalen, pluralen Europa neu zu definieren.
Europäische Integration, Katholische Kirche, Heiliger Stuhl, Europäische Verfassung, Religionspolitik, Europäische Identität, Säkularisierung, Religionsfreiheit, Konstitutionalisierung, Wertegemeinschaft, christliche Wurzeln, Zivilgesellschaft, Europa des Geistes, politische Ordnung, Recht des Verhältnisses.
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zur Europäischen Union und deren Versuch, bei der Entwicklung einer neuen politischen Ordnung Europas Einfluss auf die Wertegründungen und die Identitätsbestimmung der EU zu nehmen.
Die zentralen Felder sind die Rolle der Kirche als politischer Akteur, die Debatte um christliche Wurzeln im Verfassungsvertrag, die theoretische Konstitutionalisierung der EU und die Herausforderung durch gesellschaftliche Säkularisierung und Pluralität.
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob es eine „europäische Religionspolitik“ gibt und ob die katholische Kirche erfolgreich zur Verankerung christlicher Werte in der Identität der europäischen politischen Ordnung beigetragen hat.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und rechtstheoretische Analyse, die durch die Auswertung von Dokumenten des Heiligen Stuhls, EU-Vertragstexten und aktueller Fachliteratur zur europäischen Integration und Staatskirchenrechtslehre gestützt wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der Konstitutionalisierungsthese der EU, der institutionellen Beteiligung der Kirchen am politischen Prozess und der detaillierten Debatte um die Präambel des Verfassungsvertrags sowie der Frage nach einer europäischen Identität.
Europäische Integration, Heiliger Stuhl, Religionspolitik, Konstitutionalisierung, europäische Identität, Säkularisierung und religiöse Pluralität.
Der Autor ordnet den Heiligen Stuhl als einen besonderen transnationalen Akteur ein, der nicht wie ein Staat agiert, aber durch soft power und diplomatische Netzwerke (wie die COMECE) massiven Einfluss auf die europäische Integration ausübt.
Obwohl der Verfassungsvertrag nicht in Kraft trat, markiert er für den Autor einen Wendepunkt, da die öffentliche Debatte darüber – insbesondere um den Gottesbezug – die grundlegenden Identitätsfragen der EU schärfer als je zuvor hervorgetreten hat.
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