Bachelorarbeit, 2023
96 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Systemsprenger – Auseinandersetzung mit der Definition
2.1 Die Deutung des Begriffs „Systemsprenger“
2.2 „Systemsprenger“ – Ein Versuch der Charakterisierung
2.3 „Systemsprenger“ in der Praxis – Wann „Systemsprenger“ zu „Systemsprenger“ werden
2.4 Welche Bedarfe haben „Systemsprenger“?
3. Kinder- und Jugendhilfe als System
3.1 Historischer Rückblick zur Entstehung der Kinder- und Jugendhilfe
3.2 Aufgabenbereiche und Ziele der Kinder- und Jugendhilfe von Heute
3.3 Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe als System
3.3.1 Formen stationärer Kinder- und Jugendhilfe
3.3.2 Rechtliche Grundlagen der stationären Kinder- und Jugendhilfe
3.3.3 Einblick in die aktuellen Entwicklungen stationärer Hilfen
4. Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe als Raum für „Systemsprenger“
4.1 Die systemtheoretische Sicht nach Niklas Luhmann
4.2 Die Bedeutung des Systems stationärer Kinder- und Jugendhilfe im Prozessgeschehen „Systemsprenger“
4.3 Perspektiven für die Arbeit mit „Systemsprengern“ in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
5. Das Zusammenwirken von „Systemsprengern“ und stationärer Kinder- und Jugendhilfe: Eine qualitative Forschung
5.1 Das Forschungsdesign
5.1.1 Wahl der Untersuchungsmethode
5.1.2 Das problemzentrierte Interview als Methode
5.2 Auswahl der Befragten
5.3 Umsetzung der Experteninterviews
5.4 Die Auswertung
5.4.1 Die Transkription
5.4.2 Das Kategoriensystem
5.4.3 Zusammenfassende Inhaltsanalyse
5.5 Abschließende Reflexion der Ergebnisse
6. Fazit
6.1 Ausblick
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht das Phänomen „Systemsprenger“ im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Ziel ist es, die Herausforderungen für betroffene Kinder und Jugendliche sowie für die Fachkräfte in den Hilfeeinrichtungen systemtheoretisch zu analysieren, die Ursachen für das Scheitern von Hilfeprozessen zu identifizieren und Perspektiven für eine erfolgreichere pädagogische Arbeit aufzuzeigen.
Die Deutung des Begriffs „Systemsprenger“
Für den Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Systemsprenger“ ist eines im Voraus besonders anzumerken: Das Phänomen „Systemsprenger“ versucht nicht eine Diagnose zu definieren, sondern kann als Prozessgeschehen verstanden werden, welches nicht lediglich die Betroffenen zu beschreiben versucht, sondern das gesamte, komplexe System, in dem sie sich befinden und agieren (vgl. Baumann 2019: 8). Diese Betrachtungsweise wird durch die Annahme unterstützt, dass Kinder und Jugendliche erst innerhalb eines Systems zu „Systemsprengern“ werden können und es sich hierbei nicht um eine Eigenschaft handeln kann, die sie von vornherein mitbringen. Dem Begriff sollte also auch ein systemisches Verständnis angenommen werden, auch wenn er zunächst auf die Zentrierung eines Individuums hindeutet, indem ein Kind oder Jugendlicher mit dem Label „Systemsprenger“ bestimmt wird (vgl. Baumann 2020: 14).
„Systemsprenger“ erleben ein permanentes Rotieren innerhalb Einrichtungen und Systemen. Sie sind demnach mit einem Hilfesystem konfrontiert, in dem sie halt- und orientierungslos festsitzen (vgl. Baumann 2021: 58). Das Rotieren basiert auf einer Vielzahl von Abbrüchen der Hilfemaßnahmen aufgrund starker Verhaltensstörungen. Kinder und Jugendliche schaffen es durch ihr besonders herausforderndes Verhalten den Rahmen von Erziehungshilfen zu sprengen. Letztendlich hat dies zur Folge, dass Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe Schwierigkeiten haben Klient*innen dieser Art halten zu können und somit hält die Spirale des „Systemsprenger“ - Seins fortlaufend an (vgl. Baumann 2020: 13).
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Phänomen „Systemsprenger“ ein, erläutert die Relevanz des Themas im stationären Hilfekontext und umreißt die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Systemsprenger – Auseinandersetzung mit der Definition: Hier wird der Begriff theoretisch hergeleitet, charakterisiert und in einen praxisbezogenen Kontext gesetzt, wobei besonders auf die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der betroffenen Kinder und Jugendlichen eingegangen wird.
3. Kinder- und Jugendhilfe als System: Das Kapitel bietet einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe sowie einen Überblick über deren heutige Aufgaben, gesetzliche Grundlagen und aktuelle statistische Entwicklungen.
4. Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe als Raum für „Systemsprenger“: Dieser Abschnitt beleuchtet das Phänomen aus der systemtheoretischen Perspektive nach Niklas Luhmann und untersucht die Wechselwirkungen zwischen den „Systemsprengern“ und den Strukturen der stationären Hilfe.
5. Das Zusammenwirken von „Systemsprengern“ und stationärer Kinder- und Jugendhilfe: Eine qualitative Forschung: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Methode der problemzentrierten Experteninterviews, deren Auswertung durch eine zusammenfassende Inhaltsanalyse sowie die Reflexion der gewonnenen Ergebnisse.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse, einer Beantwortung der Ausgangsfrage sowie einem Ausblick auf notwendige Entwicklungen in der Zukunft.
Systemsprenger, Kinder- und Jugendhilfe, stationäre Erziehungshilfen, Prozessgeschehen, Hilfeabbruch, SGB VIII, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Experteninterview, Fachkräfte, Herausforderndes Verhalten, Bindungsstörung, Hilfeprozesse, Fallsteuerung, Flexibilisierung.
Die Arbeit analysiert das Phänomen „Systemsprenger“ innerhalb der stationären Kinder- und Jugendhilfe und untersucht, warum bestimmte Kinder und Jugendliche als „Systemsprenger“ deklariert werden und die Hilfesysteme verlassen müssen.
Zentrale Themen sind die Definitionsfindung von „Systemsprengern“, die systemtheoretische Betrachtung der stationären Jugendhilfe sowie die Identifikation von Herausforderungen und Gelingensbedingungen in der pädagogischen Arbeit.
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Prozessgeschehen zwischen „Systemsprengern“ und den institutionellen Strukturen zu erlangen, um Handlungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Hilfekettenabbrüchen abzuleiten.
In der Arbeit wurde eine qualitative Forschungsstrategie gewählt, wobei problemzentrierte Experteninterviews geführt und mittels einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition von „Systemsprengern“, eine Analyse der rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe sowie die systemtheoretische Einordnung des Scheiterns von Hilfeprozessen.
Wichtige Begriffe sind Systemsprenger, stationäre Kinder- und Jugendhilfe, SGB VIII, systemtheoretische Perspektive, Hilfeabbruch und qualitative Forschung.
In dem Modell des „Dreiecks in der Kugel“ dient die Globe-Perspektive dazu, den gesellschaftlichen Kontext abzubilden, der maßgeblich für die Funktionsweise des Hilfesystems und die Wahrnehmung von Störungen ist.
Der Eingangsstatus wird als kritischer Faktor identifiziert; eine ehrliche Kommunikation und eine gute Passung zwischen dem Kind und der Einrichtung sind entscheidend, um den negativen Kreislauf von Anfang an zu durchbrechen.
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