Magisterarbeit, 2008
461 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1 Einleitung
2 Schriftliche Kommunikation im Internet
2.1 „Räume“ schriftlicher Kommunikation im Internet
2.2 Internetforen
2.2.1 Forentechnik
2.2.2 ForennutzerInnen
2.2.3 Online-Gemeinschaften
2.3 Emotionen
2.3.1 Nonverbale Kommunikation
2.3.2 Darstellung von Emotionalität im Internet
2.3.3 Nähe und Distanz
2.3.4 Schriftlich streiten im Internet
2.4 Besondere Darstellungsformen + Stilmittel in der interaktiven Schriftlichkeit
2.4.1 Akronyme und Inflektive
2.4.2 Hervorhebungen und Iterationen
2.4.3 Disclaimer und Onomatopoetika
2.4.4 Anreden, Begrüßungen und Verabschiedungen
2.4.5 Elliptische Konstruktionen und Fortsetzungspunkte
2.4.6 Interjektionen und Gesprächspartikeln
2.4.7 Assimilationen, Reduktionen und Dialekt
2.4.8 Graphostilistische und graphische Emoticons
3 Die Brigitte-Community
3.1 Statistische Angaben
3.2 Vorstellung spezieller Eigenheiten
3.3 Technische Möglichkeiten
4 Exemplarische Analyse eines Forenthreads
4.1 Skizze des Inhaltes
4.2 Vorstellung der TeilnehmerInnen
4.3 Die Vielfalt der besonderen Darstellungsformen + Stilmittel
4.4 Menschen – Buchstaben – Emotionen
4.4.1 Beginn der Diskussion / Episoden 1.) und 2.)
4.4.2 Der Spendenmarathon / Episoden 3.) bis 5.)
4.4.3 Kritik- und Streitsequenzen / Episode 6.)
4.4.4 „Frieden schaffen ohne Waffen“ / Episoden 7.) bis 9.)
4.4.5 Streit mit Threadschließung als Folge / Episoden 10.) und 11.)
4.4.6 Fazit
5. Schlusswort
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht, wie durch schriftsprachliche Mittel in Internetforen Emotionalität dargestellt wird und in welcher Form diese Ausdrucksweise die Gefühle der Lesenden beeinflussen kann, wobei der Fokus insbesondere auf der Analyse schriftlicher Eskalationen in einem exemplarischen Diskussionsstrang liegt.
2.3.4 Schriftlich streiten im Internet
Streit ist eine verbale, kontroverse und nicht kooperative Form der Austragung eines Konfliktes (vgl. Spiegel 1995: 17, Luginbühl 2003), bei dem mindestens zwei Interaktionspartner involviert sein müssen. Das Partnerimage wird von den Kontrahenten missachtet. Dies bedeutet, dass keine Rücksicht auf die Selbstbild-Bestätigung des Kommunikationspartners genommen wird, was laut Goffmann (1976) auf eine Verletzung der Strategien des Face-Managements hinweist.
Ein Streit beginnt mit einem Anlass, welcher einen Verstoß gegen den Gesprächskonsens bildet, indem etwa Vorwürfe verbalisiert werden (vgl. Gruber 1996: 83ff). Findet sich kein den Anlass aufnehmender Interaktionspartner, wird der Streit unter Umständen gleich im Keim erstickt. Greift jedoch ein Gesprächsteilnehmer den Anlass auf und stellt Gegenargumente auf, liegt der Beginn einer dissenten Sequenz vor. Es besteht die Möglichkeit, dass es zur Eskalation des Kommunikationsereignisses kommt; der Streit nimmt seinen Anfang. In dieser emotional bestimmten Phase kann es zu Unterbrechungen und Überlappungen der turns sowie zu einer lauteren Sprechweise – bis hin zum Geschrei – kommen. Außerdem werden Beleidigungen geäußert, die die Beziehungsebene in Gefahr bringen. Für die Beendigung stehen verschiedene Mittel zur Verfügung: Konfliktlösung, Themawechsel oder Kommunikationsabbruch.
Ein großer Unterschied zwischen dem Streiten von Angesicht zu Angesicht und dem schrift-basierten Streit besteht darin, dass einerseits Unterbrechungen und Überlappungen nicht möglich sind und andererseits para- und nonverbale Ausdrucksmittel fehlen. Hinzu kommt, dass in der Anonymität des Internet die Verpflichtung zur Übernahme kommunikativer Verantwortung geringer ist, da sich jeder Interaktionspartner jederzeit einfach aus einem Kommunikationsgeschehen zurückziehen kann (vgl. Luginbühl 2003). Diese Möglichkeit der Nicht-Kommunikation beinhaltet natürlich den Vorteil, auf unangenehme Äußerungen nicht öffentlich reagieren zu müssen (vgl. Soldau 2001: 51). Dennoch wird eindeutig schriftlich gestritten. Ein Grund dafür mag auch darin liegen, dass die Anonymität für beide Seiten gilt.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der computervermittelten Kommunikation ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des schriftlichen Streitens.
2 Schriftliche Kommunikation im Internet: Dieses Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über verschiedene Kommunikationsformen, Möglichkeiten der Emotionsdarstellung und spezifische Stilmittel in der Netzkommunikation.
3 Die Brigitte-Community: Hier werden Struktur, technische Möglichkeiten und die spezifische Forenkultur der Brigitte-Community beschrieben.
4 Exemplarische Analyse eines Forenthreads: Im Hauptteil erfolgt die methodische Auswertung des ausgewählten Forenthreads mit Fokus auf die Vielfalt der eingesetzten Stilmittel und deren emotionale Wirkung.
5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die Rolle nähesprachlicher Mittel im Kontext der Forendiskussion.
Netzkommunikation, Internetforen, Emotionalität, Forenthread, Brigitte-Community, computervermittelte Kommunikation, nähesprachliche Mittel, Streitkultur, Online-Gemeinschaften, Emoticons, Quoting, Diskursanalyse, Textlinguistik, digitale Identität, Diskussionsstrang.
Die Arbeit untersucht den Ausdruck von Emotionalität in der interaktiven, schriftlichen Internetkommunikation, insbesondere in Internetforen, und wie dieser Ausdruck zu Konflikten oder deren Deeskalation führen kann.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen schriftlicher Kommunikation im Internet, die Darstellung von Gefühlen mittels technischer und sprachlicher Mittel sowie die Analyse der Dynamik in Online-Gemeinschaften.
Die Autorin untersucht, welche schriftsprachlichen Mittel einen Streit auslösen können, wie es zu Eskalationen kommt und welche Mechanismen zur Deeskalation beitragen.
Es handelt sich um eine exemplarische, sprachwissenschaftliche Analyse eines umfangreichen Forenthreads, ergänzt durch eine statistische Auswertung der verwendeten Stilmittel.
Der Hauptteil widmet sich der Beschreibung der untersuchten Community und der detaillierten Analyse eines Forenthreads, unterteilt in verschiedene Episoden, um den Verlauf und die emotionale Stimmung der Diskussion nachzuvollziehen.
Wesentliche Begriffe sind Netzkommunikation, Emotionalität, Diskussionsstrang, Online-Gemeinschaften, Emoticons, Diskursanalyse und computervermittelte Kommunikation.
Der Hauptunterschied liegt im Fehlen von nonverbalen Signalen wie Mimik und Gestik sowie in der Anonymität, die die Hemmschwelle senkt und ein einfacheres Zurückziehen aus der Interaktion ermöglicht.
Die Brigitte-Community wurde aufgrund ihrer hohen Diskussionsdichte und der expressiven emotionalen Kommunikationsführung ihrer Mitglieder als repräsentativ für eine lebhafte Online-Gemeinschaft ausgewählt.
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