Magisterarbeit, 2008
105 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Topoi als beherrschendes Element der Darstellung Catilinas
3. Die Reden gegen Catilina
3.1. Die erste Rede gegen Catilina
3.2. Die zweite Rede gegen Catilina
3.3. Catilina und Reflexe Catilinas in der dritten und vierten Rede
3.3.1. Die dritte Rede gegen Catilina
3.3.2. Die vierte Rede gegen Catilina
4. Invectivae in Catilinam?
5. Die Catilinarien als Rechtfertigungsreden
6. Catilina als Exemplum
7. In Toga Candida – Die echte Invectiva in Catilinam
8. Catilina als Reflex Sullas – Die Entstehung eines neuen Typus?
8.1. Parallelen zwischen Sulla und Catilina
8.2. Cicero/Marius vs. Catilina/Sulla
8.3. novitas periculi – Von Sulla bis Caesar via Catilina
9. Catilina in den philippischen Reden
10. Exemplum + Invektive = Rüge?
11. Fehlende Individualisierung der Topoi
11.1. Standartbeschimpfungen
11.2. Der Mord an Sohn und Ehefrau
11.3. Das Aussehen
11.4. Der Name
11.5. Aurelia Orestilla
12. Der Catilina Sallusts
13. Ciceros Catilina-Figur in Sallusts Bellum Catilinae
14. Eine historische Monographie als ‚Tadelrede’?
15. Die Reden Catilinas – Ein Zerrbild römischer Grundtugenden
15.1. Die Agitationsrede
15.2. Die Feldherrenrede
16. Die Briefe Catilinas – simulator ac dissimulator
17. boni und improbi bei Sallust
18. Übereinstimmungen zwischen Ciceros und Sallusts Catilina – Eine Bilanz
19. Die Darstellung Catilinas bei Cicero außerhalb der Catilinarien
19.1. Catilina in der Rede pro Murena
19.2. Catilina in der Rede pro Sulla
19.3. Catilina in der Rede pro Caelio
20. Die Literarisierung Catilinas
21. Nomen est omen?
22. Cum tacent, clamant? – Catilina zwischen den Zeilen
23. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Darstellung des Catilina in den catilinarischen Reden Ciceros mit der in Sallusts Monographie Bellum Catilinae korrespondiert. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Catilina bei beiden Autoren nicht als Individuum, sondern als ein durch rhetorische Topoi konstruierter literarischer Typus fungiert, der zur Reflexion über den moralischen Verfall und die Gefährdung der römischen Republik dient.
3.1. Die erste Rede gegen Catilina
In der ersten Catilinaria lässt sich ein deutlicher Bruch zwischen konkreten Anschuldigungen, die Catilinas politische Umtriebe betreffen, und privaten Schmähungen feststellen. Zunächst etabliert Cicero die tatsächliche politische Gefährlichkeit seines Gegners, dann wendet er sich seinem verdorbenen Charakter zu. Es ist in der politischen Invektive üblich, den Gegner sowohl auf politischer als auch auf persönlicher Ebene anzugreifen. Nur so war die völlige gesellschaftliche Isolation, die das Ziel der Invektive bildet, zu erreichen: Da man in der römischen Republik streng zwischen Privatmann und Politiker unterschied, erreicht Cicero eine Diskreditierung seines Gegners auf beiden Ebenen, wenn er Catilina zunächst auf politischer, dann auf persönlicher Ebene demontiert: Catilina wird so sowohl zum hostis als auch zum inimicus.
Die Rede beginnt mit einer Anrede des außer Kontrolle geratenen Politikers Catilina, der sich durch seinen furor und seine audacia (1.1) vom Senat entfremdet hat, der zwar pro forma noch an der Senatssitzung teilnimmt, während er jedoch im Geiste bereits die Ermordung (1.2: caedes) der Senatoren plant. Cicero bezeichnet Catilina als dux hostium und zeichnet das paradoxe Bild eines feindlichen Heerführers, der sich allerdings intra moenia und sogar in senatu befindet (1.5) und so täglich das Allgemeinwesen bedrohe.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Übereinstimmung der Darstellung Catilinas bei Cicero und Sallust und führt in die Methode der Invektiven-Analyse ein.
2. Topoi als beherrschendes Element der Darstellung Catilinas: Dieses Kapitel erläutert die rhetorischen Gemeinplätze, die aus der griechischen Schmähtopik übernommen und zur Charakterisierung Catilinas angewandt werden.
3. Die Reden gegen Catilina: Hier wird Ciceros schrittweise Konstruktion der Catilina-Figur über die vier Catilinarien hinweg untersucht.
4. Invectivae in Catilinam?: Die Frage nach dem Gattungscharakter der Catilinarien wird diskutiert, wobei die rhetorische Form der Invektive gegen die politische Intention abgewogen wird.
5. Die Catilinarien als Rechtfertigungsreden: Die Untersuchung legt dar, wie Cicero die Reden nutzte, um sein umstrittenes Vorgehen gegen die Verschwörer legitim zu rechtfertigen.
6. Catilina als Exemplum: Die Analyse zeigt, wie die historische Person Catilina hinter dem literarischen Modell eines Staatsfeindes zurücktritt, um als Exemplum für den moralischen Zerfall zu dienen.
7. In Toga Candida – Die echte Invectiva in Catilinam: Dieser Abschnitt vergleicht die Fragmente der In Toga Candida mit den Catilinarien, um die Entwicklung der Charakterisierung aufzuzeigen.
8. Catilina als Reflex Sullas – Die Entstehung eines neuen Typus?: Das Kapitel beleuchtet die literarische Verbindung zwischen Sulla als Verfallsauslöser und Catilina als dessen personifiziertem Endprodukt.
9. Catilina in den philippischen Reden: Die Verwendung Catilinas in den späten Reden Ciceros als Maßstab für Antonius wird thematisiert.
10. Exemplum + Invektive = Rüge?: Hier wird der Gattungsbegriff "Rüge" eingeführt, um Ciceros Vorgehen als moralischen Akt der Staatsführung zu definieren.
11. Fehlende Individualisierung der Topoi: Die Arbeit argumentiert, dass die bewusste Vermeidung individueller Details der Konstruktion eines allgemeinen Typus diente.
12. Der Catilina Sallusts: Es folgt die Analyse von Sallusts Monographie, die den Catilina-Typus in einen historischen, aber ebenfalls von Verfall geprägten Kontext einbettet.
13. Ciceros Catilina-Figur in Sallusts Bellum Catilinae: Sallusts Übernahme der vorgefertigten Catilina-Konstruktion Ciceros wird hier belegt.
14. Eine historische Monographie als ‚Tadelrede’?: Die rhetorische Struktur der Tadelrede wird als Basis für Sallusts historische Darstellung identifiziert.
15. Die Reden Catilinas – Ein Zerrbild römischer Grundtugenden: Die Analyse der sallustischen Reden zeigt, dass Catilinas Sprache als Pervertierung römischer Werte entlarvt wird.
16. Die Briefe Catilinas – simulator ac dissimulator: Catilinas Briefe werden als Werkzeuge zur Inszenierung seiner doppelzüngigen Rolle analysiert.
17. boni und improbi bei Sallust: Die sozialen Frontlinien der Krise werden untersucht, in denen Catilina als Anführer der improbi fungiert.
18. Übereinstimmungen zwischen Ciceros und Sallusts Catilina – Eine Bilanz: Eine Zusammenfassung der identifizierten Topoi, die beide Autoren zur Konstruktion ihres Catilina verwenden.
19. Die Darstellung Catilinas bei Cicero außerhalb der Catilinarien: Die Konstanz des Catilina-Bildes in anderen Reden (z.B. pro Caelio) trotz unterschiedlicher Verteidigungsstrategien wird dargelegt.
20. Die Literarisierung Catilinas: Der Prozess wird reflektiert, wie Catilina erstmals durch Cicero zur literarischen Figur wurde.
21. Nomen est omen?: Die etymologische und symbolische Bedeutung des Namens Catilina wird unter Berücksichtigung keltischer und römischer Konnotationen diskutiert.
22. Cum tacent, clamant? – Catilina zwischen den Zeilen: Das Kapitel befasst sich mit der Analyse der ausgelassenen Topoi, die Rückschlüsse auf das historische Konzept ermöglichen könnten.
23. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das historische Individuum hinter dem literarischen Multifunktions-Catilina verloren gegangen ist.
Catilina, Cicero, Sallust, Invektive, Exemplum, Topik, Staatsfeind, Verschwörung, Rhetorik, Literaturgeschichte, Romanistik, Tadelrede, dominatio, Rüge, Typisierung.
Die Magisterarbeit untersucht die literarische Darstellung von L. Sergius Catilina in den Schriften von Cicero und Sallust, mit dem Ziel nachzuweisen, dass es sich dabei um eine artifizielle Konstruktion handelt.
Die Schwerpunkte liegen auf der rhetorischen Invektivtradition, der Konstruktion politischer Exempla, der literarischen Entindividualisierung historischer Persönlichkeiten und dem Vergleich von Reden und historiographischen Monographien.
Das Hauptziel ist zu zeigen, dass Catilina durch die Autoren in ein literarisches Schema gepresst wurde, das ihn als Prototypen des staatsgefährdenden Politikers etabliert und historische Individualität systematisch ausblendet.
Der Autor nutzt eine philologische Analyse rhetorischer Topoi und vergleicht diese mit den Gattungsvorgaben der antiken Invektive und Tadelrede (z.B. nach der Rhetorica ad Herennium).
Der Hauptteil analysiert detailliert die vier Catilinarien Ciceros, Sallusts Bellum Catilinae sowie ergänzende Schriften Ciceros, um aufzuzeigen, wie konsequent die Invektivtopik auf Catilina angewandt wurde.
Catilina, Cicero, Sallust, Invektive, Exemplum, Typisierung, Staatsfeind, Literaturgeschichte, dominatio.
Der Autor argumentiert, dass dies keine historische Korrektur ist, sondern eine prozessuale Notwendigkeit: Um den Mandanten Caelius zu verteidigen, musste Cicero die Identifikation des Mandanten mit dem "Staatsfeind Catilina" rhetorisch entkräften.
Sulla dient als literarische Folie und "Verfallsauslöser". Catilina wird als dessen direktes Produkt und als verkörperte novitas periculi inszeniert, um die Gefahr der totalitären dominatio in der späten Republik greifbar zu machen.
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