Magisterarbeit, 2009
119 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Theorien der Verbändeforschung
2.1 Pluralismus
2.2 Neopluralismus
2.3 Pluralismuskritik
2.4 Neokorporatismus
2.5 Folgerungen
3. Historische Entwicklung der Unternehmensverbände
3.1 USA
3.2 Deutschland
4. Typologie der Unternehmensverbände
4.1 USA
4.1.1 Sektorübergreifende Dachverbände
4.1.1.1 National Federation of Independent Business
4.1.1.2 Business Roundtable
4.1.1.3 U.S. Chambers of Commerce
4.1.2 Sektorspezifische Dachverbände
4.1.2.1 National Association of Manufacturers
4.1.2.1 National Retail Federation
4.1.3 Branchenverbände & Arbeitgeberverbände
4.2 Deutschland
4.2.1 Bereich I: wirtschaftspolitisch
4.2.2 Bereich II: sozialpolitisch
4.2.3 Bereich III: Kammerwesen
5. Handlungsfelder der Unternehmensverbände
5.1 Das politische System der USA im Überblick
5.2 Das deutsche politische System im Überblick
5.3 Folgerungen
6. Besonderheiten im Lobbying
6.1 Mehrebenen-Lobbying in den USA
6.2 Primär Einebenen-Lobbying in Deutschland
7. Schlussbetrachtung
8. Literatur- & Quellenverzeichnis
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des politischen Systems auf die Organisationsstrukturen sowie die Handlungsfelder des Lobbyings von Unternehmensverbänden im direkten Vergleich zwischen den USA und Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie beeinflusst das politische System die Organisationsstrukturen und Handlungsfelder der Unternehmensverbände in den USA und Deutschland?“
2.1 Pluralismus
Die theoretische Grundlage für die Legitimation von Interessenverbänden im politischen System bildet das Pluralismustheorem. Dieses betont die Existenz und das Wirken von Interessengruppen als ein „notwendiges Element im demokratischen Willensbildungsprozess“. Es wird davon ausgegangen, dass in einer staatlichen Gemeinschaft eine Vielzahl von Gruppen gleichberechtigt neben- und miteinander existieren, agieren, konkurrieren oder auch kooperieren sollen, wobei grundrechtliche Garantien die allgemein anerkannten Spielregeln definieren. Für ein pluralistisches Idealmodell ist Demokratie dergestalt zu verstehen, dass im Wettbewerb zueinander stehende Gruppen wie auf einem Marktplatz versuchen, ihre Interessen zu verwirklichen („bargaining“). Die institutionelle Ebene des Staates sowie die Regierung nehmen dabei (idealtypisch) eine neutrale Position ein.
Die Pluralismustheorie bietet nun Zweierlei: „einerseits eine deskriptive Analyse der Interessen- und Organisationsvielfalt in der politischen Willensbildung und andererseits (eine) normative Theorie, die behauptet, eine (…) Vielfalt frei organisierter Interessen sei eines der herausragenden Kennzeichen moderner Demokratie.“ Die Pluralismustheorie ist daher als ein quasi Gegenmodell zu traditionellen monistischen Staatstheorien zu verstehen. Als ein Vorläufer der zeitgenössischen Pluralismustheorie gelten dabei die „Federalist Papers“, welche 1787/88 im Rahmen der Debatten um die amerikanische Unionsverfassung in verschiedenen New Yorker Zeitungen erschienen waren. Die Autoren Alexander Hamilton, James Madison und John Jay beabsichtigten mit diesen 85 Artikeln dem Verfassungsentwurf des Konvents von Philadelphia von 1787 bei der Ratifikation in New York eine Mehrheit zu verschaffen. Die „Federalist Papers“ begründen die liberale Repräsentativdemokratie und sind der maßgebliche Verfassungskommentar zur amerikanischen Verfassung.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Forschungsfrage zum Einfluss politischer Systeme auf Unternehmensverbände.
2. Theorien der Verbändeforschung: Darstellung theoretischer Modelle wie Pluralismus, Neopluralismus und Neokorporatismus zur Einordnung verbandlichen Handelns.
3. Historische Entwicklung der Unternehmensverbände: Analyse der unterschiedlichen historischen Voraussetzungen und Entwicklungspfade in den USA und Deutschland.
4. Typologie der Unternehmensverbände: Klassifizierung und Vergleich der Organisationsstrukturen und Verbandstypen in beiden Ländern.
5. Handlungsfelder der Unternehmensverbände: Überblicksweise Analyse der politischen Systeme (USA/Deutschland) hinsichtlich ihrer Eignung als Handlungsfelder für Lobbying.
6. Besonderheiten im Lobbying: Untersuchung spezifischer Einfluss- und Lobbyingtechniken unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenführung und Bewertung der gewonnenen Ergebnisse zum Einfluss des politischen Systems auf Verbändestrukturen und Lobbying.
8. Literatur- & Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Unternehmensverbände, Lobbying, Pluralismus, Neokorporatismus, Politisches System, USA, Deutschland, Interessenvermittlung, Interessenverbände, Organisationsstruktur, Regierungsform, politische Partizipation, Interessenpolitik.
Die Arbeit analysiert, wie das politische System eines Staates die Organisation und die Lobbying-Aktivitäten von Unternehmensverbänden formt und beeinflusst.
Theoretische Grundlagen (Pluralismus vs. Korporatismus), historische Entwicklung, typologische Einordnung der Verbände sowie der Vergleich der politischen Systeme (USA vs. Deutschland) bezüglich ihrer Handlungsfelder.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie das jeweilige politische System (präsidentiell vs. parlamentarisch) die Strukturen und Handlungsweisen von Wirtschaftsverbänden bestimmt.
Es handelt sich um einen komparativen (vergleichenden) politikwissenschaftlichen Ansatz, der Theorien der Verbändeforschung auf die politischen Systeme der USA und Deutschlands anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Einordnungen, historische Abrisse, Typologien, eine Analyse der politischen Systeme als Handlungsfelder und eine Untersuchung der Lobbying-Praktiken.
Unternehmensverbände, Lobbying, Pluralismus, Neokorporatismus, Politisches System, USA, Deutschland, Interessenvermittlung, Organisationsstruktur.
In den USA ist Lobbying durch eine hohe Fragmentierung und individuelle Akteure geprägt (individuumzentriert), während in Deutschland die Einbindung in Parteien und Fraktionen sowie exekutivorientierte Prozesse überwiegen (kollektivzentriert).
Der Neokorporatismus dient als Erklärungsmodell für die in Deutschland ausgeprägten institutionellen Verflechtungen zwischen Verbänden und Staat, die in den USA in dieser Form kaum existieren.
Weil die Ausschüsse im US-Kongress zentrale Schnittstellen für das Lobbying sind, wohingegen im deutschen parlamentarischen System die Ministerialbürokratie (Exekutive) für Unternehmensverbände ein bedeutenderes Handlungsfeld darstellt.
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